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Foto: Sabine Putzler, Fatal Banal, aus der Session 2013/2014

Fatal Banal: Tüten tanzen und Touristen gucken Flüchtlinge

Köln | Ganz lieb, fast schon zärtlich können sie sein, aber dann auch wieder bitterböse, zynisch. In ihrem nunmehr schon 26. Programm zeigen sich die sieben Karnevalisten von „fatal banal“ wieder einmal von ihrer besten Seite. Jetzt hatten sie im Bürgerhaus Ehrenfeld ihre gefeierte Premiere.

Fatal hat eine neue Band und die ist hier im Interview und singt in der Garderobe a capella:

Im Interview mit report-K Regisseurin Brit Löwenstrom und Sitzungspräsident Christoph Stubbe sowie Ausschnitte aus dem Programm

Das Themenspektrum ist weit gespannt, es reicht von der „großen“ Politik bis zu den Schwierigkeiten des alltäglichen Zusammenlebens. Und natürlich Karneval. Eher ein Vehikel für die politische Satire ist er, wenn der Karnevalsverein Roggendorf-Thenhoven auf den Spuren des Brexit wandelt und feststellt: Ohne Köln geht es eben doch nicht.

Ökologisch korrekt: Am Ende siegt der Stoffbeutel gegen Plastik und Papier

Wenn aber Susanne Hermanns und Meinolf Schubert mit der Mandoline treudoof ein Karnevalskrätzjer singen, dann ist das lustig, aber auch berührend. Und schön anzusehen ist es, wenn sonst konkurrierende Einkaufstüten aus Plastik und Papier um ihr Leben tanzen – und doch gegen den Kundenwunsch nach einem Stoffbeutel machtlos sind.

Böse können die Fatal-Banaler aber auch werden. Da laden sie zur Kreuzfahrt auf dem Mittelmeer, und das Animationsprogramm besteht aus Flüchtlingsboote gucken. Sexy seh’n die Jungs ja aus, finden die Damen auf dem Luxusliner. Und die Männer bemängeln den Zustand des Bootes: „Das käm’ bei uns nie über den TÜV.“ Das Interesse erlischt aber schnell, wenn nach mühevoller englischer Konversation die Flüchtlinge Germany als ihr erklärtes Ziel nennen.

Die AfD ist willkommen – als Zielscheibe von närrischem Spott

Darf man darüber lachen. Ja – denn es ist ein befreiendes Lachen. Und das Publikum dürfte eh auf der Seite der Flüchtlinge sein. Auch die AfD dürfte hier kaum Anhänger finden, als Objekt des Spotts ist sie dafür um so willkommener: „Schreibt sich völkisch nicht mit f?“. Dafür findet hier Erdogans Ziege Schutz.

Ein Wiedersehen gibt es mit bekannten Figuren: „Schantalls Mutter“ (Susanne Hermanns) erforscht als die gefährlichen Geheimnisse des Pokemon Go, die „Hessin“ (Sabine Putzler) fragt, ob nur Randgruppen beleidigt sein dürfen, „Türke Murat“ (Meinolf Schubert) muss erfahren, dass der Terror schon lange in und mit seiner Familie angekommen ist. Hartmut Ernst erklärt, warum ein Hündchen Beziehungen retten kann und als Experten-Experte hinterfragt er das aktuelle Karnevalsmotto des Festkomitees „Wenn mer uns Pänz sinn, sin mer vun de Söck”!

Der Wunschbaum hat ausgedient – heute erfüllt der Zalando-Bote die Wünsche

Als „running Gag“ ziehen sich moderne Versionen alter Märchen durchs Programm: Eine App rettet Hänsel und Gretel davor, sich im Wald zu verirren – weshalb die Hexe auf ihrem veganen, gluten- und zuckerfreien Lebkuchenhaus sitzenbleibt. Frau Holle fliegt lieber in den Süden statt Schneeflocken zu schütteln. Der Zalando-Bote bringt Goldmarie die ersehnten Kleider und nicht das Wunschbäumchen.

In bewährter Manier und mit aktuellen Spitzen führt „Präsi“ Christoph Stubbe durch das Programm. Mit den Neuzugängen Tim Müller (erliegt heftiger Abwehr dem Heul-Yoga) und Jana Marie Backhaus (unterstreicht ihr „Nein heißt nein!“ mit einem Killertampon) hat die Truppe sich merklich gesteigert. Dazu noch die neue Hausband „Spielmann’s Zöch“ um Namensgeberin Lisa Spielmann und ihren originellen Coverversionen – das Fazit lautet nach dreieinhalb Stunden, Pause inklusive: ein rundum gelungener Abend. (ehu)

Restkarten sind noch erhältlich. Insgesamt stehen bis Karnevalssonntag 19 Auftritte an.

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