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Politischer Biss bei „Fatal banal 2018“ : Warum FDP wählen, wenn das AfD-Original die Hetze gegen Flüchtlinge besser kann?

„Fatal banal“-Premiere im Büze Ehrenfeld gefeiert

Köln | Knapp 250 Jecke passen ins Bürgerzentrum Ehrenfeld. Wenn die alternativen Karnevalisten von „Fatal banal“ zu ihrer Sitzung einladen, kocht der Saal – wie auch jetzt, als das Publikum die Premiere der mittlerweile schon 27. Auflage feierte. Bis zum 11. Februar stehen insgesamt 20 Auftritte an.

Wie immer prächtig vorbereitet und glänzend aufgelegt führte „Präsi“ Christoph Stubbe durch das – inklusive Pause – gut dreieinhalbstündige Programm. Er hatte das Publikum fest im Griff und sorgte für die aktuellen Sticheleien. Politischen Biss zeigte das Ensemble diesmal allerdings etwas weniger als in den Vorjahren. Stattdessen mehr höchst unterhaltsamer Klamauk.

Keine Gnade für eine FDP, die um rechte Stimmen buhlt

Wohl am besten der närrische Angriff auf die FDP, die als selbsternannte Alternative für die bürgerliche Mitte mit verschärfter Politik gegen Flüchtlinge am rechten Rand Stimmen absahnen will. Aus dem liberalen Freudenchor nach der erfolgreichen Bundestagwahl – „Wir sind wieder hier, in unserem Revier“ a la Marius Müller-Westernhagen – wurde schnell das rechte Original: eine AfD-Truppe in braunen Hemden und roten Armbinden. Abmarsch mit: „Wir war’n niemals weg, haben uns nur versteckt!“.

Dass technischer Fortschritt seine Tücken hat, zeigte nicht nur der Sketch, bei dem Senioren dank virtueller Brille am Rosenmontagszug teilnehmen können, ohne ihr Wohnheimn verlassen zu müssen. Für ein wahres Pointengewitter sorgte der „Karnevalsflirt“: Zwei Computer kontrollieren ein Pärchen, dass sich frisch gefunden hat und sich nun bei ihm auf die Nacht freut. Sie wissen nicht nur, wie viel Wein noch im Kühlschrank steht (keiner!), sondern auch, dass es keine Kondome mehr gibt, der letzte Sex schon lange zurückliegt und der Ex-Lover in der nächsten Kneipe wartet. Dummerweise verkünden sie ihr Wissen lautstark, sind auch nicht abzustellen, worauf das geplante Rendezvous platzt – und Computerstimme Jenny die eigenen Liebesansprüche an ihren Besitzer anmeldet.

Die Bundeswehr auf dem Weg zu gender-gerechtem Umgangston

Die Jamaika-Koalitionsverhandlungen wurden in eine Tanzstunde verwandelt, bei der Links- und Rechtsdrehungen geübt werden, Fortschritte und Rückschritte, auch Anfassen – was bekanntlich nicht geklappt hat. Köstlich dann die fatal-banalen Lösungsvorschläge für die Probleme der Bundeswehr, die sich gegen Nazis in Uniform und den Vorwurf von Sexismus wehren muss. Ob es damit getan ist, alle braunen Flecken aus der Tarnhose zu schneiden? Und ob – nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts über das 3. Geschlecht – die gender-korrekte Anrede „Männer-Sternchen-Frauen“ die Kommandos eher befolgt werden?

Running Gag war der Blick in die Kinderstube der Diktatoren: Wie wurden sie, was sie sind? Vater Erdogan war stolz, dass schon der kleine Recep Tayyip schon als Schüler all die in den Keller gesperrt hatte, die ihn nicht zum Klassensprecher wählten. Mutter Trump freute sich, dass Sohnemann Donald keine Angst vor Mädchen hatte.

Wohnungssuche in Köln: Wenn die Realität die Satire übertrifft

Dass es Realsatire gibt, bewies die „Hessin“ Sabine Putzler mit ihrem Bericht von der Wohnungssuche in Köln. Zustandsbeschreibungen von Wohnungsbesichtigungen und Maklern – erfunden oder nicht: Viele Zuschauerinnen und Zuschauer dürften Ähnliches erfahren haben. Etwas unentschieden wirkte dagegen das Spiel mit den Vorurteilen, mit denen sich rasende BMW-Fahrer und Radfahrer beharken. Auch die Schwierigkeiten eines Bestatters, unterschiedliche religiöse Beerdigungsrituale unter einen Hut zu bringen, versandete zum Schluss. Weitere Persiflagen gab’s zur Werbekampagne der Polizei, auf das Verbot, die Evolutionstheorie in türkischen Schulen zu lehren, auf Schwangerschaftskult und den TV-Serienwahn. Traditionell dabei: Schantalls Mutter und der finanzklamme Karnevalsverein Roggendorf-Thenhoven.

Nicht denkbar ist „Fatal banal“ ohne die Hausband „Spielmann’s Zoch“. Sie sorgte von Beginn an für Stimmung. Front-Frau Lisa Spielmann begeisterte mit einem kölschen Schängerei-Tourette, animierte das Publikum mit einem Police-Hit zu einer Lobeshymne auf den Kölner Dom. Und als es dann gegen Ende statt „Highway to hell“ „Schunkeln ist geil“ hieß, kochte der Saal. Nicht zum ersten Mal.

Restkarten über www.fatalbanal.de

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