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Tolles Motto, tolle Grafik nur dem Festkomitee und dem WDR gelingt es auf der Proklmation 2020 nicht es mit Herzblut und Leben zu füllen.

Kommentar zur Prinzenproklamation 2020: Die Veedel gucken in die Röhre

Köln | Was für ein Sessionsmotto: „Et Hätz schleiht em Veedel“. Selten dürfte das Kölner Festkomitee so viel Zustimmung für ein Motto erhalten haben. Und so waren alle gespannt wie das Motto in Szene gesetzt wird – auf dem karnevalistischen Moment, mit dem das neue Jahr beginnt, der Prinzenproklamation. Außer Papptafeln mit den Namen von Kölner Veedeln. Leuchtschriften und dem Song den jeder bei diesem Motto sofort im Kopf hört, fand wenig Veedel statt. Ganz im Gegenteil: die Veedel guckten in die Röhre. Ein Kommentar von Andi Goral.

Gut, die Kinder mit den gelben Ortseingangstafeln beim Aufgang zum Gürzenich, sind ein nettes aber wenig kreatives Bild. Das fällt jeder Schülerin oder Schüler im Kunstleistungskurs ein. Die Live-Schalten in Veedelskneipen sind ein modernes, wenn auch nicht mehr ganz neues Element. Hier zeigte sich aber besonders die Schwäche der Proklamation und wie weit Festkomitee und Proklamation, aber auch WDR von den Veedeln und ihren Menschen entfernt sind.

Da wird ein Büttenredner und Impro-Comedian, den der WDR als Moderator einsetzt, in ein paar sogenannte Veedelskneipen gestellt. Als Staffage kommt ein weiterer Top-Star des WDR Wilfried Schmickler zum Einsatz oder Ehrengardisten und Nippeser Bürgerwehr. Gut, die Düxer Clowns im Brauhaus in Deutz waren aus dem Veedel. Metzger moderierte uninformiert, wirkte deplaziert und die Kneipen waren leer. Wo waren die Menschen aus den Veedeln? Wollte die das Festkomitee oder der WDR nicht zeigen? Oder hatten die Menschen aus den Veedeln keine Lust auf TV und Karneval? Das war Anti-Werbung für den Karneval und Köln. Wo ist das bunte Bild von Köln, das auf der Proklamation mit Worten beschwört wurde? Oder haben die Programmverantwortlichen und Festkomiteekarnevalisten schlicht keinen Draht zu den Menschen in den Veedeln?

Der Verdacht drängt sich auf, wer genau hinschaut, wie sich der Karneval in den Veedeln zunehmend etwa durch Dorfgemeinschaften selbstständig macht, feiert und sich selbst organisiert. Und das sogar mit großem Erfolg. Das Motto lud dazu ein, die Vielfalt des Kölner Karnevals zu zeigen und gleichzeitig zu reflektieren, dass es genau diese Vielfalt ist, die gleichzeitig auch durch gesellschaftliche Veränderungen bedroht ist. Etwas, was die großen Gesellschaften, deren Präsidenten und Vertreter, die in der Prinzenproklamation vorrangig vertreten sind, gar nicht kennen. Denn ihnen rennen neue Mitglieder und Sponsoren die Bude ein und ihre Sitzungen sind proppevoll. Themen hätte es also genug gegeben und die Möglichkeit, alle die ins Rampenlicht der Prinzenproklamation zu holen und damit zu danken, die den Veedelskarneval so lebendig halten, von den Veedelsvereinen, den Bezirksbürgermeistern, wo waren die eigentlich oder den Dorfgemeinschaften.

Statt dessen ein unkreatives Programm ganz nach den Mainstream-Regeln von Funk und Fernsehen. Man nehme Kinder, kommt immer gut an, die mit den Papptafeln und den Ortsnamen, das bekannteste Lied „Bei uns em Veedel“, eine bekannte Moderatorin mit Bettina Böttinger, einen bekannten Büttenredner Marc Metzger und einen bekannten Kabarettisten Wilfried Schmickler. Da kann nicht viel schief gehen und wenn doch kann beim Management-Feedback-Meeting keiner sagen, es sei nicht alles versucht worden. Boring. Und dass, obwohl eine Kernidee, die mit dem Büdchen in der Mitte der Bühne als zentralem Ort im Veedel, wie der Kaffeebud, eigentlich brillant, einfach zu verstehen und optimal visualisiert war. Warum ist die eigentlich nicht ausgebaut worden?

Was für ein Kontrast dagegen das neue Dreigestirn mit Prinz Smile Christian II., Bauer Frank und Jungfrau Griet. Ihnen nimmt man ab, dass sie mit Herzblut in die Veedel und zu den Jecken gehen werden. Und so ist es kaum verwunderlich, dass sie so lange im hinteren Bereich des Gürzenichs verbrachten und dort mit den Freunden aus ihrem Korps und den Jecken dort feierten, bevor sie sich auf den langen Weg durch den Hauptgang machten. Denn miteinander feiern, einander zu respektieren heißt auch einander Zeit und Aufmerksamkeit zu schenken. Und genau das haben Festkomitee und WDR bei diesem Motto „Et Hätz schleiht im Veedel“ ausgerechnet denen nicht geschenkt, denen das Motto gilt. Schade eigentlich. Aber die können ja am Sonntag in die Röhre gucken und all den Stars und Sternchen des Fernsehens und Fastelovends zusehen, wie jedes Jahr.

Die Berichterstattung zur Prinzenproklamation 2020 finden Sie hier >

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