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Rosenmontagszugleiter Holger Kirsch mit Entwürfen von Persiflagewagen für den Kölner Rosenmontagszug 2020

Rosenmontagszugleiter Holger Kirsch: „Man muss alles tun, um Mensch und Tier zu schützen.“

Köln | Der frühere Karnevalsprinz Holger Kirsch ist als neue Zugleiter für den Rosenmontag in seiner ersten Session im Einsatz. Im Interview mit Stephan Eppinger spricht er über Themen wie Pferde im Zug, Nachhaltigkeit und Inklusion.

Wie sind Ihre Erfahrungen in Ihrem ersten Jahr als Zugleiter?

Holger Kirsch: Das erste Jahr war sehr anstrengend, sehr lehrreich und sehr bereichernd. Ich war 2015 als Prinz der Protagonist im Rosenmontagszug und hatte nicht mal eine vage Vorstellung, welches logistische Monstrum hinter diesem Großereignis steckt und wie es wirklich funktioniert. Aber inzwischen habe ich mich tief in die Materie eingearbeitet und habe dabei von meinem Team eine große Unterstützung bekommen. Der erste Schritt war eine Powerpoint-Präsentation „Rosenmontagszug – wie geht das“. Da habe ich mich wieder wie ein Schuljunge gefühlt.

Es gab auch die Diskussion den Zug über den Rhein nach Deutz zu führen.

Das war eine bereichernde Diskussion. Wenn der Zug mit dem Prinzenwagen über die Rheinbrücke zieht mit dem Dom und der Altstadt als Hintergrund, das könnten tolle Bilder für die Stadt werden. Solche Bilder gehen um die Welt. Aber bei der Diskussion gab es für mich auch Einblicke in die Sorgen und Nöte der Gesellschaften, für die wir als Festkomitee Interessensvertreter sind. Für die Gesellschaften wäre eine solche große Umstellung im Zug in der Kürze der Zeit nicht umsetzbar gewesen. Deshalb haben wir die Pläne abgesagt, aber mit der Option sie später wieder hervorzuholen, dann mit einem längeren Vorlauf.

Was bedeutet der Rosenmontag und der Karneval für Sie?

Die Zeit als Prinz 2015 war die schönste Zeit meines Lebens. Es schmerzt demnach, wenn negative Begleiterscheinungen wie Wildpinkeln oder übermäßiger Alkoholkonsum in der Außenwahrnehmung mehr Aufmerksamkeit erhalten als sie verdienen. Meine Aufgabe als Zugleiter ist es auch, ein positives Bild des Karnevals nach außen zu transportieren. Denn der Karneval leistet so viel Gutes für und aus der Gesellschaft. Das muss man deutlicher hervorheben.

Sehen Sie in diesem Jahr irgendwelche Problemstellen am Zugweg?

Nein, das gibt es keine ernsthaften Probleme. Bei der Baustelle Am Hof werden wir die gleiche Lösung wie im Vorjahr mit dem Tunnel wieder umsetzen. Was mich begeistert ist, dass man in Köln mit dem Produkt Karneval überall offene Türen einrennt. Jeder will mitgestalten und jeder bietet seine Unterstützung an – vom Ordnungsamt über die Polizei bis zur Feuerwehr. Es ist toll, was da im Zusammenspiel alles möglich ist.

Das Thema Pferde im Zug gehört zu den Dauerbrennern.

Unsere Kernkompetenz ist es, einen Zug zu organisieren, der den Menschen Freude bringt. Dazu gehören für mich absolut die Pferde. Schon von Kindesbeinen an habe ich mich gefreut, wenn ich einen stolzen Gardisten auf seinem Pferd gesehen habe. Wir überlassen bei den Pferden nichts dem Zufall und arbeiten intensiv mit Experten zum Beispiel aus dem Reitsport und der Tiermedizin zusammen. Wir haben gemeinsam Richtlinien für den Einsatz von Pferden erarbeitet, bei denen es von unserer Seite null Toleranz bei Kontrollen gibt. Der Zug darf nicht zulasten der Pferde gehen, sondern zur Freude der Menschen. Es ist wichtig, absolut respektvoll mit Menschen und mit den Tieren umzugehen. Man muss alles tun, um Mensch und Tier zu schützen. Mit den neuen Richtlinien habe ich ein gutes Gefühl, und dass das NRW-Umweltministerium diese mittlerweile in ganz großen Teilen übernommen hat, ist eine Bestätigung für uns.

Ein anderes wichtiges Thema ist die Nachhaltigkeit im Zug.

Themen wie Müllreduzierung sind seit Jahren ein Thema im Rosenmontagszug, doch es kommen in jedem Jahr neue Komponenten hinzu, die wir heute unter der großen Überschrift Nachhaltigkeit zusammenfassen. Im Zug gibt es viele Themen, die sich darum drehen. Dazu gehört zum Beispiel auch das Wurfmaterial – so verzichten wir bei den Strüßjer auf dem Zugleiterwagen in diesem Jahr auf die Plastikhüllen. Auch ein Mehrwegbecher-Konzept am Zugweg ist sinnvoll. Das gilt auch für Teller und Besteck für Speisen. So etwas ist allerdings nicht von heute auf morgen umsetzbar. Positiv ist in diesem Jahr, dass wir die Bagagewagen dank Ford zur Hälfte elektrifizieren konnten. Auch die Umrüstung der ersten Traktoren mit Rußpartikelfiltern ist ein Schritt in die richtige Richtung. Um das weiter fortführen zu können, müssen wir uns Partner und Fördermöglichkeiten suchen. Wichtig ist, dass der Kölner Karneval deutschlandweit ein Aushängeschild ist – ein Vorbild, dem andere folgen werden. Die Nachhaltigkeit ist für uns Karnevalisten so auch eine Verpflichtung.

Welche Bedeutung hat Inklusion im Karneval?

Kirsch: Das soziale Projekt des Dreigestirns für einen inklusiven Festwagen finde ich super. Die Drei tragen das auf eine sehr sympathische Art und Weise in die Säle. Ich freue mich schon jetzt auf die Umsetzung für das kommende Jahr. Nach der Session gibt einen Wettbewerb dazu, bei dem auch jemand mit Handicap uns bei der Entscheidung unterstützt. Die Integration von Menschen im Zug hat in Köln schon eine lange Tradition – das gilt zum Beispiel auch für die LVR-Tribüne mit Moderatoren für Blinde und Gebärdendolmetscher für hörbehinderte Menschen. Wir haben es übrigens auch schon früher geschafft, Menschen im Rollstuhl mitzunehmen. Da hat uns die Feuerwehr dann mit Hubwagen unterstützt. Und in den Fußgruppen gehören Menschen mit Behinderung sowieso seit Jahren zum festen Bestandteil.

Welche Rolle spielt der Rosenmontagszug als Marke?

Er ist das größte deutsche Event unter freiem Himmel und für Köln nach dem Dom das Markenzeichen schlecht hin. Außenstehende bringen den Zug immer direkt mit der Stadt in Verbindung. Das ist eine Attraktion, wie es wohl kaum eine zweite gibt. Wenn man sieht, wie viele Menschen dazu nach Köln kommen und wie viele Gelder in dieser Zeit in die Stadt fließen, weiß man, dass der Zug ein wichtiger Eckstein für die Stadtgesellschaft ist.

Wie groß ist die Sorge, dass ein Unwetter wie das Sturmtief „Sabine“ den Zug trifft?

Kirsch: Von meiner Frau habe ich gelernt, dass man sich gutes Wetter erarbeiten muss. Und wenn ich sehe, wie fleißig die Karnevalisten sind, bin ich davon überzeugt, dass es an Rosenmontag nur gutes Wetter geben kann. Und sollte das nicht der Fall sein, sind wir darauf bestens vorbereitet und wissen genau, was zu tun ist.

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