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Buch-Tipp: Mord in bester kölscher Gesellschaft

In ihrem Kölner Krimi „Luxuslügen“ nimmt Autorin Edith Niedieck das Wohlfühlmilieu der Domstadt ins Visier.

Köln | Jean Baptist Frings entstammt den höchsten Kölner Gesellschaftskreisen. Als dynamischer Wirtschaftsconsultant mit Sitz in den extravaganten Kranhäusern im Rheinauhafen hat er Einfluss in viele Bereiche. Der Vernetzung in eigener Sache dient auch sein Engagement bei der vornehmen und elitären Karnevalsgesellschaft Kölsche Köpp rut-wieß kurz die KöKös genannt. Dort steht er als General an der Spitze der Karnevalisten.

Auch seine Frau Agi verkehrt bei den oberen 10.000 der Domstadt und gilt dort als durchsetzungsstark und stets misstrauisch – insbesondere was das vermeintliche Liebesleben Ihres Mannes angeht. Prägend ist auch Oma Janne, die in Sachen Haute-Couture sich einen Namen gemacht hat. Komplettiert wird die Familiendynastie durch die Kinder Emily und Paul, die ihren Weg nach oben machen sollen.

Allerdings läuft das Leben von Jean nicht so wie geplant: seine umtriebige Assistentin wird an der Flora brutal ermordet und Jean selbst wird unweit davon an der Riehler Redoute, der Residenz der KöKös, von einem Unbekannten niedergestochen. Dabei war er gerade auf dem Weg zu seinen Karnevalisten, bei denen so wichtige wie auch luxuriöse Veranstaltungen zu planen sind.

Sein bester Freund ist Ferdinand Krämer, der Inhaber der Rheinischen Überlandwerke und Premier bei den frankophilen KöKös. Er ist Urkölner, besitzt Mutterwitz und Naturliebe genauso wie Bauland und Immobilien. Er bekommt genauso wie Jean mysteriöse Morddrohungen auf Kölsch, mit denen die beiden Freunde zunächst noch nicht viel anfangen können. Bei Jean wächst vor allem die Sorge um die eigene Familie und um seine Handlungsfähigkeit im Karneval, der bald loslegen wird.

Feinde gibt es in Köln reichlich. Dazu zählt zum Beispiel der Gewerkschaftssprecher der Rheintron, Hannes Schacht, die Jean als Berater auf Vordermann bringen soll. Mit Jeans Assistentin kam er bislang bestens zurecht, aber mit dem Chef kann er überhaupt nicht. Beleidigt ist der Halbschotte Anthony McBright, dem Jean den Posten des Schatzmeisters bei den KöKös zugunsten eines Finanzprofis verwehrt hatte.

Dazu kommen er Münchener Modedesigner Xaver Zettlmair, der die KökÖs optisch modernisieren will, und der Bauunternehmer Justus Jever, ein Schnösel der Sylter Szene, dem Jean und Ferdinand bei einem wichtigen Bauprojekt im Weg stehen. Auch ansonsten sägen viele in der vornehmen Gesellschaft am Stuhl ihres mächtigen Generals.

Noch neu in der Stadt ist Raphael Brandt, der als Kriminalhauptkommissar die beiden Fälle aufklären soll. Er kommt als Nordlicht aus Oldenburg an den Rhein und ermittelt mit seinem nordischen Charme nicht immer in Sinne von Jean und Ferdinand, die gerne den Fall selbst lösen wollen, um so Schaden für sich und die KöKös abzuwenden. Neben dem kölschen Eigensinn sind Brandts ärgste Feinde kölsche Spezialitäten wie das obergärige Bier und der leckere Sauerbraten, die seine Figur aus dem Gleichgewicht bringen. Mit grünen Smoothies kämpft er in der Fremde ums gesunde Überleben.

Der neue Kölner Krimi von Edith Niedieck ist ein humorvoller und gut recherchierter Spiegel der gehobenen Kölner Gesellschaft mit all dem Klüngel und dem karnevalistischen Treiben, die die High Society am Rhein ausmachen. Für die Protagonisten geht es darum, sich durch ein dichtes Geflecht aus Luxus und Lügen zu kämpfen.

Edith Niedieck: Luxuslügen, CMZ-Verlag, 305 Seiten, 12.95 Euro

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