Kultur Bücher

renschke_step_11032020

Deutscher Hörbuchpreis: „Wir sollten auf die Jugend hören“

Köln | Die Kölner Schauspielerin Camilla Renschke bekommt den Deutschen Hörbuchpreis als beste Interpretin für ihre Lesung von Irmgard Keuns Roman „Gilgi – eine von uns“. Camilla Renschke im Gespräch mit report-K.

Nutzen Sie selbst auch Hörbücher?

Camilla Renschke: Leider eher selten. Das liegt auch daran, dass ich mich da voll konzentrieren möchte. Hörbücher im Auto oder Zug zu hören, funktioniert bei mir nicht. Aber ich lese sehr gerne.

Welche Herausforderung ist für Sie als Schauspielerin ein Hörbuch zu machen?

Renschke: Hörbücher sind Kopfkino. Mein Anspruch ist daher, diese Aufgabe besonders gutzumachen. Alles, was ich sage, sehe ich und fühle ich auch in diesem Moment. Nur so ermöglicht man es dem Hörer, dass er das auch so erleben kann.

Was bedeutet Ihnen der Roman „Gilgi – eine von uns“, mit dem Sie jetzt zur besten Hörbuchinterpretin gewählt worden sind?

Renschke: Ich habe mich sehr darüber gefreut, als die Anfrage kam. Als Kölnerin ein Buch von Irmgard Keun lesen zu dürfen, ist für mich eine große Ehre. Obwohl die Handlung in den 1920er Jahren spielt und das Buch 1931 veröffentlicht wurde, ist das Ganze unglaublich authentisch und nah. Die Sprache ist modern, ja fast zeitlos. Die Welt der Gefühle und Gedanken funktioniert heute wie damals. Als wir mit dem Buch komplett fertig waren, ist mir der Abschied vom Buch und seiner Protagonistin richtig schwergefallen. Gilgi war mir sehr ans Herz gewachsen.

Was macht Gilgi als Frau aus?

Renschke: Sie ist eine sehr junge Frau, der zum Beginn der Geschichte Egoismus vorgeworfen wird. Sie selbst findet ihr Handeln aber eher als zielstrebig. Sie denkt, dass sie mit 21 die Welt verstanden hat. Das ist ein Phänomen, dass wohl für alle Menschen mit Anfang 20 zutrifft. Im Laufe der Geschichte lernt sie dazu. Insgesamt ist Gilgi eine sehr moderne und emanzipierte Frau.

Hätte Sie selbst gerne in den 1920ern gelebt?

Renschke: Was den ganzen Stil der 1920er und die Musik angeht, war diese Zeit schon sehr reizvoll. Aber wir wissen, was danach an schrecklichen Dingen passiert. Und hinter der bunten Glitzerwelt gab es damals eine unfassbare Armut und eine große Unzufriedenheit bei den Menschen, wegen der politischen und gesellschaftlichen Unsicherheit. Daher würde ich eher ungern in dieser Zeit gelebt haben.

Was macht den alten Stoff auch heute noch reizvoll?

Renschke: Gilgi hat nicht alles, aber schon sehr viel in ihrer Zeit verstanden. Dabei bringt sie uns die Wünsche, Sorgen und Vorstellungen dieser Zeit sehr nahe. Wir sollten daraus die Lehre ziehen, dass man auf die Jugend hören sollte. Die wissen, wovon sie reden und was sie sich von der Zukunft erhoffen, das darf man auch heute nicht unterschätzen. Schade ist, dass eine Bewegung wie „Fridays for Future“ gerne ins Lächerliche gezogen wird. Man sollte die Jugend in ihrem Denken und Handeln aber ernstnehmen und unterstützen.

Was bedeutet der Deutsche Hörbuchpreis für Sie?

Renschke: Es ist der erste Preis, den ich überhaupt bekomme. Entsprechend groß ist die Freude darüber.

Sie sind Kölnerin. Was mögen Sie an Ihrer Stadt?

Renschke: Ich bin in Köln groß geworden und die Stadt bedeutet mir sehr viel. Ich mag die Mentalität der Kölner – ihre offene, freundliche Art.

Gibt es einen Lieblingsplatz in Köln?

Renschke: Ich wohne zwar in Ehrenfeld, bin aber durch die Arbeit beim WDR auch oft im Zentrum. Jedes Mal, wenn ich auf dem Weg zum Funkhaus am Dom vorbeikomme, berührt mich das sehr. Das ist für mich ein ganz besonderer Ort.

Zurück zur Rubrik Bücher

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bücher

dat_wat_step_26042021

Von Männekes und Männeken – Sprache zum Angucken

Köln | Wie sich Sprache verändert hat Autor Georg Cornelissen in seinem Leben ganz anschaulich erfahren, als er seine Heimat am Niederrhein verlassen hat, um in die Bundesstadt Bonn zu ziehen. Damit ging es für den Sprachforscher vom „Männekes- ins Männeken“-Gebiet. „Männeke“ ist im niederrheinischen Dialekt die gebräuchliche Verkleinerungsform. Im Plural wird daraus im Norden des Rheinlandes „Männekes“. Südlich der Benrather Linie wird bevorzugt „Männeken“ oder auch „Männekens“ verwendet.

tatort_buch_21042021

Vom Tatort ins Labor an Melaten

Köln | Bei den Fernsehkrimis gehören die Rechtsmediziner zu den Stars. Das war schon bei der US-Serie „Quincy“ so und ist auch bei beliebten „Tatort“-Folgen nicht anders. So schlüpft Joe Bausch für den Kölner „Tatort“ in die Rolle von Dr. Joseph Roth und in Münster stellt sich Prof. Karl-Friedrich Boerne – gespielt von Jan-Josef Liefers - gerne einmal in den Mittelpunkt des Geschehens.

hippe_cover_11032021

Ein literarisches Denkmal für eine starke Frau

Köln | Leicht hat es Gussy Fink nicht, als sie Anfang der 60er Jahre nach Köln zieht, um dort mit ihren beiden kleinen Kindern ein neues Leben zu beginnen. Die Frau, die zunächst nach dem Krieg aus dem schlesischen Breslau nach Frankfurt am Main fliehen musste, ist geschieden, alleinerziehend und auch noch evangelisch. Was das bedeutet merkt sie spätestens, als sie ihre Tochter im katholischen Köln für die Schule anmelden möchte. Auch die Nachbarn beäugen die Neue misstrauisch und stehen ihr von Anfang an ziemlich abweisend gegenüber. Die strengen gesellschaftlichen Normen stehen über allem – wer die falsche Kleidung zur falschen Jahreszeit trägt oder wer alleine als Frau ein Brauhaus betritt, wird gnadenlos an den Pranger gestellt.

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >