Kultur Bühne

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Foto: Wolfgang Breiteneicher/SWR

Am Samstag moderiert der Kölner Guido Cantz „Verstehen Sie Spaß?“

„Humor wird von Tag zu Tag wichtiger“

Köln | Guido Cantz ist Comedian, Karnevalsredner und Fernsehmoderator. Am Samstag steht er um 20.15 Uhr bei der ADR-Fernsehsendung „Verstehen Sie Spaß?“ vor der Kamera. Im Karneval droht ihm durch die Pandemie als Redner ein Totalausfall. Als Vater weiß er wie schwierig Homeschooling sein kann und hofft, dass die Schulen geöffnet bleiben.

Wie funktioniert versteckte Kamera in Zeiten von Corona?

Guido Cantz: Das Drehen für „Verstehen Sie Spaß“ hat erstaunlich gut funktioniert. Es sind Filme mit tollen Streichen mit und ohne Prominente entstanden. Das Ganze erfordert wie auch jetzt die Livesendung deutlich mehr Aufwand. Ich wollte in der vergangenen Woche noch etwas in Potsdam drehen. Köln ist aber derzeit Risikogebiet und so musste ich vor der Abreise noch einen Schnelltest machen. Gewisse Dinge, die eigentlich fest zu den Streichen gehören, sind allerdings nicht möglich. In der Regel nimmt man den Betroffenen nach der Auslösung des Streichs in den Arm und gibt ihm so das Erleichterungssignal. Das geht jetzt natürlich nicht, da ist Abstand gefragt.

Wie funktioniert das bei der Livesendung und wie moderiert man mit Abstand?

Guido Cantz: Ob wir Publikum bei der Livesendung haben werden ist derzeit noch nicht sicher. Das Ganze gestaltet sich sehr aufwendig. Das komplette Team und die Gäste vor der Kamera müssen sich vorher testen lassen. Und natürlich muss man auch Abstand halten, da nehmen wir die Regeln sehr ernst. Mit Publikum macht es deutlich mehr Spaß, das habe ich schon bei der Livesendung im April gesehen. Wir schaffen es aber trotz allem, gute Unterhaltung für die gesamte Familie zu bieten.

Sie moderieren inzwischen seit zehn Jahren „Verstehen Sie Spaß“. Was macht für Sie den Reiz der Sendung aus?

Guido Cantz: Das ist eine der wenigen Livesendungen, die im deutschen Fernsehen übriggeblieben ist. Wir haben zwei Livesendungen pro Jahr und das gesamte Team ist fokussiert und hoch motiviert. Wenn am Samstagabend die Tagesschau und das Wetter durch sind, geht es für uns los. Da kann man dann nichts mehr zurückdrehen oder schneiden. Wir haben Leute im Team, die sind seit mehr als 20 Jahren dabei und sind trotzdem immer noch aufgeregt, wenn es losgeht. Spannend finde ich auch, dass man nie weiß, wie die Leute bei den Streichen reagieren.

Wie wichtig ist Humor in Zeiten der Krise?

Guido Cantz: Humor wird von Tag zu Tag wichtiger. Die Leute rennen derzeit mit hängenden Köpfen durch die Gegend, weil die Infektionszahlen steigen und es immer mehr Risikogebiete gibt. Die Leute sind auch ängstlicher und ziehen sich nach Hause zurück. Treffen mit den Familienmitgliedern werden schwieriger, da man gerade ältere Menschen schützen möchte. Da ist dann oft nur ein Telefonat möglich. Und wir bieten in diesen schweren Zeiten den Leuten ein paar Stunden vor dem Fernsehen, die sie unbeschwert genießen können. Ohne solche Auszeiten geht es nicht.

Sie sind Kölner und der Elfte im Elften steht vor der Tür. Er wird in diesem Jahr deutlich anders sein.

Guido Cantz: An dem Tag stehe ich nicht selbst auf der Bühne, aber ich gehe hin und schaue mir an, was passiert. Ich bin seit 30 Jahren beruflich im Karneval unterwegs, trotzdem gehe ich auch noch immer gerne feiern. Das wird in diesem Jahr nicht möglich sein. Es ist konsequent und richtig, jetzt alles ausfallen zu lassen. Man darf die Menschen nicht in Gefahr bringen. Und Karneval mit angezogener Handbremse zu feiern, ist enorm schwierig. Da bleibt nur die Hoffnung, dass wir 2021 wieder unbeschwert feiern können. Aber den Menschen wird in diesem Jahr schon etwas fehlen.

Wie betrifft Sie die Situation als Redner im Karneval?

Guido Cantz: Für mich ist das ein Totalausfall, aber das geht allen so. Das ist insofern schwierig, da hier in Köln viele Redner hauptberuflich unterwegs sind. Ich mache das schon lange, da muss man entsprechend auf solche Situationen vorbereitet sein und sich etwas zurücklegen. Da kommt mir wohl zugute, dass mein Vater Schwabe ist.

Wie war es für Sie als Comedian über das Jahr?

Guido Cantz: Geplant war, im Mai mit meinem neuen Programm auf Tour zu gehen. Insgesamt gab es aber nur zwei Auftritte in Dortmund, wo man ein besonderes Hygienekonzert am Start hatte. Da wurde ein großes Zelt ohne Dach in einer großen Stahlhalle aufgebaut. Ansonsten wurden alle Tourtermine verlegt. Im Autokino wollte ich nicht auftreten, das funktioniert für mich als Comedian nicht. Ich brauche die unmittelbare Reaktion des Publikums. Zumindest ein paar TV-Auftritte habe ich gemacht.

Wie gehen Sie persönlich mit Corona um?

Guido Cantz: Mein Sohn ist in der fünften Klasse und der geht sehr entspannt mit der Situation um, auch wenn er jetzt nach den Herbstferien wieder eine Schutzmaske im Unterricht tragen muss. Das bewundere ich sehr und alles ist besser als Homeschooling. Wir selbst gehen verantwortungsvoll mit der Situation um und vermeiden zum Beispiel den persönlichen Kontakt mit meinen Eltern, die zur Risikogruppe gehören. Ich fahre gerne alleine Rad und koche sehr gerne gemeinsam mit meiner Frau.

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