Kultur Bühne

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Anne Scherliess entführt als Fräulein Wunder ins Nachkriegsdeutschland.

Back to the Fifties: „Fräulein Wunder“ im Horizont-Theater

Köln | Von Wirtschaftswunder bis Wunder von Bern: Die Ein-Personen-Revue „Fräulein Wunder“ im Horizont-Theater entführt sehr kurzweilig und unterhaltsam ins Nachkriegsdeutschland, seine Musik, Literatur, Werbung – aber auch Sorgen und Nöte.

Sie strahlt. Wie sollte sie auch anders, wartet sie doch in einem Café auf ihr Blind Date, das damals sicher noch nicht so genannt wurde. Fräulein Wunder (Anne Scherliess) im schwarz-getupften roten Kleid, genauso rotem Haarband und Lippenstift wartet. Doch da ihr Mister Pumpernickel nicht kommt, beginnt sie ihre Revue.
Dafür hat sich Regisseurin Maren Pfeiffer am (alltags-)kulturellen kollektiven Gedächtnis Nachkriegsdeutschlands bedient: Wolfgang Neuss‘ und Wolfgang Müllers „Lied vom Wirtschaftswunder“ ist genauso Teil der losen Abfolge wie die tragische Geschichte der Frankfurter Edelprostituierten Rosemarie Nitribitt, Heinrich Bölls Trümmerliteratur, die Erfolgsgeschichte von Beate Uhse, der berühmten Reportage über die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 von Herbert Zimmermann sowie einem Quiz, etwa über Deutschlands erstes Playmate. Das Publikum freut sich über die Beteiligung. Maren Pfeiffer ist ein Rundumschlag gelungen, der die frühe Bundesrepublik in all seinen Facetten abbildet.

Der charmanten Anne Scherliess nimmt man das Fräulein Wunder ab

Es ist ein Rückblick in eine Zeit des Aufbruchs und der Möglichkeiten, aber auch der gesellschaftlichen Zwänge. Das Handbuch für die gute Ehefrau, aus dem zitiert wird, gestattete Frauen nur zwei wichtige Fragen: „Was ziehe ich an?“ sowie „Was koche ich?“. Für Männer gab es strenge Anweisungen, wann und wie sie den Hut zum Gruß zu zücken haben.
Getragen wird die Revue vom der charmanten und schüchtern-koketten Anne Scherliess, der man das Fräulein Wunder auf ganzer Ebene abnimmt, wie sie mit ihrem knallroten Herzluftballon – das Erkennungszeichen! – auf ihre Verabredung wartet. Ihren gelben Schal verwandelt sie je nach Situation eine Schärpe oder eine Schürze. Sie nutzt das gesamte Foyer des Horizont-Theaters und blickt auf die Litfaßsäule, auf der Bilder von Hildegard Knef, James Dean oder Mutter Teresa hängen.
Manchen Zuschauern ist anzumerken, dass „Fräulein Wunder“ ganz viele Erinnerungen weckt. Doch egal, ob mit der Zeit vertraut, nur aus Geschichten bekannt oder ganz weit weg: Die kurzweilige Revue überzeugt allen Altersgruppen des Premierenpublikums.

„Fräulein Wunder“ – die nächste Vorstellung: 3. Februar, 20 Uhr. Horizont-Theater, Thürmchenswall 25, 50668 Köln, Tel. 0221 / 13 16 04

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