Kultur Bühne

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„Clockwork Orange“ im Theater der Keller: Der anfangs lustvolle Tanz der fünf Akteure schlägt in schamvolles Entsetzen

„Clockwork Orange“ fasziniert im Theater der Keller

Köln | Fünf Jungs, die sich die Zeit mit Schlägereien und Vergewaltigungen „vertreiben“. Einer landet im Knast – und unterzieht sich einer neuen Therapie, die ihn zu einem dauerhaft guten Menschen machen soll. Die Bühnenfassung von Anthony Burgess’ „Clockwork Orange“ läuft jetzt im Theater der Keller – eine Inszenierung, die nach knapp 100 Minuten wohl keinen unberührt nach Hause gehen lassen dürfte.

Alex (Denis Merzbach) langweilt sich. Seine vier Freunde (Madieu Nguyen, Liliom Lewald, Frank Casali und Markus J. Bachmann) wissen Abhilfe mit Rat und Tat. Zuerst gibt’s Drogen, dann Zufallsopfer. Sie schlagen einen Lehrer zusammen und machen sich über seine Bücher lustig. Dann „besuchen“ sie ein Ehepaar, die Frau wird vergewaltigt. Gleiches widerfährt danach noch zwei Schulmädchen.

Alex landet wegen Mord im Gefängnis. Er kann nach zwei Jahren entlassen werden, wenn er sich einer neuen, nicht ungefährlichen Therapie unterzieht, die ihn unwiderrufbar zu einem „guten Menschen“ macht. Er willigt ein – und ist am Ende eine Marionette seiner moralischen Umwelt. Bis seine alten Freunde auftauchen...

Ein düsteres Kammerspiel über Gewalt in unserer Gesellschaft

Mancher aus dem Publikum wird sich an den opulent und effektvoll inszenierten „Clockwork Orange“-Film von Stanley Kubrick aus den 1970er Jahren erinnern. Dagegen kann Charlotte Sprenger nicht ankommen. Stattdessen liefert sie ein düsteres, intensives und explosives Kammerspiel über Gewalt in unserer Gesellschaft und den (Alp-)Traum, diese für immer aus der Welt zu schaffen.

Die ganze Welt ist bei ihr nur die Zelle einer Irrenanstalt, Boden und Wände der Bühne sind mit gelbem Noppenschaustoff ausgelegt. Hier dreht das grotesk kostümierte Männerquintett voll auf. Ein aufreizendes Stakkato, wenn sie exakt im Chor sprechen. Nur die gewollte Jugendsprache irritiert stellenweise, dazwischen aber auch überraschende „klassische“ Sätze. Überzeugend übernehmen sie auch die Rolle der Opfer oder Therapeuten. Sie sind brutal und verletzlich, prahlend und anrührend schamvoll, wenn sie sich im Anschluss an die Vergewaltigung in völliger Nacktheit tanzend verschlingen.

Am Ende ist nicht einmal der Pfarrer von der Gewalttherapie überzeugt

Dann der Versuch, den Häftling durch eine Schocktherapie zum dauerhaft guten Menschen zu wandeln, kriminelle Reflexe für immer auszuschließen. „Rekultivierungsbehandlung“ nennen sie es, wenn Alex das erfahren muss, was vor seine Opfer durchlitten haben – wenn auch „nur“ als Film. Eine qualvolle Prozedur, deren Ergebnis selbst den anfangs überzeugten bigotten Gefängnispfarrer an dieser Methode zweifeln lässt: Er kreuzigt sich.

Alex aber bleibt allein auf der Bühne, schweigend, regungslos, sich als ein tugendhaftes Monster beäugend, ohne eigenen Willen. Es sind die stärksten Minuten eines starken Theaterabend. Dann kauert sich der Schauspieler wie in der Anfangsszene in eine Ecke – und wieder erlösen ihn seine Freunde. Oder ist es nur ein Wunschtraum?

„Clockwork Orange“ – die nächsten Vorstellungen: 3., 17. und 28. Februar, jeweils 20 Uhr, Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), tickets@theater-der-keller.de, www.offticket.de, www.köln-ticket.de und an allen Vorverkaufsstellen.

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