Kultur Bühne

comedia_01032021

Nessi Tausendschön und Robert Griess bei der Haarschneideaktion. | Foto: Eppinger

Comedia-Theater: Haareschneiden für die Kultur

Künstler und Theatermacher mit einer ungewöhnlichen Aktion im Comedia-Theater

Köln | Die Musik passt – zur „Hochzeit des Figaro“ werden auf der Bühne des Comedia-Theaters in der Südstadt Scheren, Kämme und Bürsten geschwungen. Auch ein silberner Föhn und eine Trockenhaube dürfen nicht fehlen. Dazu kommen mit der Ast- und der Heckenschere auch Geräte zum Einsatz, die in Friseursalon eher etwas unüblich sind.

Seit Montag haben in Deutschland die Friseure wieder ihre Geschäfte geöffnet. Dies haben Künstler wie Willibert Pauels (De Bergische Jung), Christoph Sieber, Nessi Tausendschön, Anka Zink, Barbara Ruscher, Torsten Schlosser (Atelier-Theater), Holger Müller (Ausbilder Schmidt), Markus Riedinger (Onkel Fisch), Sebastian Rüger (Ulan&Bator), Andrea Volk und Janus Fröhlich zum Anlass für eine ungewöhnliche Aktion genommen. Sie haben sich im Comedia-Theater in der Südstadt zum Haareschneiden verabredet.

„Die Friseur-Geschäfte dürfen wieder öffnen, weil ein Friseurbesuch laut Innenminister Seehofer 'eine Frage der Menschenwürde' ist. Wir Künstlerinnen und Künstler freuen uns auch sehr für, mit und über die Friseurinnen und Friseure. Da die Würde des Menschen sich jedoch immer über die Kultur definiert, möchten wir die Gelegenheit nutzen und mit einer kleinen Artistis-Live-Haircut-Performance die Öffentlichkeit auf die Lage der Kultur-Branche in Deutschland aufmerksam machen: Künstler schneiden Künstlern im Theater die Haare, um die Facon zu wahren“, sagt Robert Griess. Man stehe mit dieser Aktion, die in Bonn beim Pantheon und im Düsseldorfer Kom(m)ödchen Anklang gefunden hat, stellvertretend für andere Künstler und Theatermacher in der Krise.

„Studien der TU Berlin zeigen, das Veranstaltungen in Theater mit den entsprechenden Hygienekonzepten mit Publikum möglich sind. Theater sind nach der Studie die sichersten Orte im öffentlichen Raum. Die meisten Ansteckungen passieren im privaten Bereich. Macht die Privathaushalte zu und öffnet die Theater. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der TU Berlin sollten Eingang finden in die politischen Entscheidungen. Wir brauchen eine klare Öffnungsperspektive und klare Kriterien für die Öffnung der Kulturszene und des gesamten Veranstaltungsbereichs“, fordert Griess, dem Nessi Tausendschön an die Haare gehen darf.

Willibert Pauels betont: „Der Glanz der Kultur ist das Brot für die Seele. Gebt den Menschen ihr geistiges Brot und gebt der Kultur und den Theatern ihre Freiheit.“ Bei den Äußerungen aus der Politik ist Anka Zink, die Janus Fröhlich als Friseurkunden vor sich hat, eher skeptisch: „Ich würde gerne glauben, dass es bei Seehofer um die Würde geht. Aber ihm geht es wahrscheinlich vor allem um die Mehrwertsteuer.“

Was Homeschooling bedeutet weiß Kabarettistin Barbara Ruscher, die Entertainer Linus unter der Trockenhaube hat: „Meine Kinder haben gefragt: Mama, bist Du systemrelevant. Da habe ich geantwortet, zu Hause bin ich systemrelevant, im Beruf nicht mehr. Kultur ist wichtiger, als sie von der Politik wahrgenommen wird.“ Kollegin Nessi Tausendschön sieht das ähnlich: „Ich gönne es den Friseuren, dass sie wieder öffnen dürfen. Uns Kulturschaffenden gönnt man das nicht, weil wir keine Waffen, Autos oder Eierlikör produzieren.“

Der Humor darf nach Christoph Sieber, dem Andrea Volk mit der Heckenschere an die Frisur rückt, nicht ins Hintertreffen geraten: „Humor ist ein Ventil in Krisen und Notsituationen, die man nur so ertragen kann. Es braucht die Kabarettisten auf der Bühne, die sagen, besser wird es nicht“, ist sich der neue Mann bei den „Mitternachtsspitzen“ sicher.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

comedia_step_10042021

„Impulse für Kinder und Jugendliche fehlen“

Köln | „Wir machen uns Sorgen um Kinder und Jugendliche. In Zeiten, in denen die Schulen schließen müssen, fehlen Impulse und emotionale Erlebnisse. Es fehlt die Lebendigkeit. Hier stehen wir als Kinder- und Jugendtheater in der Pflicht“, sagt die künstlerische Leiterin des Comedia-Theaters in der Südstadt, Jutta M. Staerk. Beim digitalen Weltkongress der Kinder- und Jugendtheater habe sich gezeigt, dass Deutschland beim Umgang mit der Pandemie noch verhältnismäßig gut unterwegs sei. „Eine Erhebung in den Niederlanden hat beispielsweise gezeigt, dass dort schon ein Drittel der Kulturschaffenden ihren Beruf aufgegeben habe.“

ballett_pixabay_31032021

Köln | Der Spielbetrieb an den städtischen Bühnen, der Oper und im Hänneschen Theater bleibt bis zum 30. April ausgesetzt. Im Klartext: Keine Bühnenshows vor Publikum. Es bleibt als Alternative nur die virtuelle Form als Streamingangebot.

volksbuehne_PR_foto_25022021

„Wir brauchen ein gutes, konstruktives Konzept für den Neustart“

Wie erleben Sie gerade die Situation im zweiten Lockdown?

Axel Molinski: Ich erlebe die Situation relativ konstant. Es ist ein klarer Lockdown mit klaren Anweisungen. Anfänglich hatten wir befürchtet, dass wir das Theater komplett schließen müssen. Wir dürfen jetzt zwar keine Veranstaltungen mit Publikum machen, dagegen sind Reparaturarbeiten möglich und wir können das Haus auch für Dreharbeiten öffnen, die im Moment etwa zwei- bis dreimal in der Woche laufen. Das hat Vorteile für uns und unser Personal, das so immer etwas zu tun hat. Ich erhoffe mir vom Neustart, dass dieser gradueller verläuft als beim letzten Mal. Da hatten wir in einer Woche drei verschiedene Anordnung von Stadt, Land und der Berufsgenossenschaft. Jetzt ist es besser, zur Not einen Monat länger im Lockdown zu bleiben und dann wieder strukturiert das Theater hochzufahren.

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >