Kultur Bühne

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Opernintendantin Meyer

Die Causa Opernintendantin Meyer wirft Fragen auf – „l’opéra c’est moi“?

Köln | aktualisiert | Opernintendantin Dr. Birgit Meyer soll gehen. Bevor sich die Stadt Köln am Mittwochmittag zu dieser Personalie öffentlich äußerte, berichtete ein Kölner Medium bereits intensiv über diese und kommentierte sogleich. Am Mittwoch verlautbarte die Stadt Köln in einer schriftlichen Pressemitteilung dann: „Oberbürgermeisterin Reker schlägt Wechsel an Opernspitze vor“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußern in einem offenen Brief, den diese Redaktion am Ende des Artikels dokumentiert, ihr Unverständnis über diese Entscheidung.

Reker will neue Handschrift für die Kölner Oper

Oberbürgermeisterin Henriette Reker lässt über Ihren Sprecher mitteilen, dass sie zwar der Opernintendantin Meyer ihren Respekt zolle für 10 Jahre Arbeit als Intendantin in der Zeit des Interims, aber der Umzug ins Stammhaus am Offenbachplatz von jemand anderen an der Spitze der Kölner Oper geleitet werden soll. Reker lässt sich zitieren: „Nach den erfolgreichen zehn Jahren halte ich es für entscheidend, wenn mit einer neuen Intendanz der Umzug der Kölner Oper zurück an den Offenbachplatz mit einer neuen Handschrift beginnt. Daher habe ich mich dazu entschlossen den zuständigen Gremien keine Vertragsverlängerung vorzuschlagen.“ Die oder der neue Intendantin oder Intendant soll durch eine externe Auswahlkommission und durch ein Personalberatungsunternehmen gefunden werden.

Der offene Brief der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oper

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter (Hinweis der Redaktion: Ein Mitarbeiter meldete sich bei dieser Redaktion und sagte nicht alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien zu dem offenen Brief der mit "Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern" unterzeichnet ist, befragt worden. Es handelt sich dabei um eine Unterschriftensammlung, die in der Belegschaft der Oper durchgeführt wurde) sprechen davon, dass die Entscheidung von Reker unverständlich sei. Sie betonen die Qualität der Aufführungen im Staatenhaus und sprechen von Unkenrufen, die von Anbeginn an die Arbeit von Intendantin Meyer torpedierten. Die Mitarbeitenden sprechen davon, dass die Entscheidung jeglicher sachlicher Begründung entbehre. In dem offenen Brief heißt es: „Es ist uns unverständlich, dass Sie es tatsächlich riskieren, die ohnehin interimsbedingt komplizierte Planung der Oper für die nachfolgenden Spielzeiten einer solchen Gefährdung auszusetzen. Die Atmosphäre an der Oper Köln ist überaus positiv und motivierend, der Führungsstil von Birgit Meyer ist sachorientiert und fair. Nebenbei bemerkt ist Birgit Meyer die einzige weibliche Intendantin unter allen Führungsspitzen der großen deutschen Opernhäuser.“

Kommentar: Typisch Kölsch-Schach

Der Ablauf der Diskussion um die Intendanz an der Kölner Oper ist mit den Worten „Typisch Kölsch-Schach“ zu kommentieren. Zunächst erfolgt in einem Kölner Medium die Eröffnung der Partie und das natürlich öffentlich. Dann rückt die Stadtspitze, in diesem Fall sogar die Oberbürgermeisterin höchstpersönlich mit einem „Wunsch“ zum „Schach“ vor und später folgt, oft für den oder die Betroffene das „Matt“, ohne sachlich begründete Diskussion. Warum lässt Reker diese Frage nicht erst in dem dafür zuständigen Kulturausschuss diskutieren, sondern nutzt die Interimszeit im Rat bis dieser sich vollständig konstituiert hat? Dabei stellt sich eine Frage: Über welche künstlerische Opernkompetenz verfügen eigentlich Juristinnen und Menschen die jahrelang Verwaltungstätigkeiten ausführen, wie Reker? In Anlehnung an das Zitat des Absolutismus ist man fast versucht zu schreiben „l’opéra c’est moi“. Dabei war schon die Entlassung von Meyers Vorgänger Uwe Eric Laufenberg für Köln alles andere als ein Ruhmesblatt, auch wenn damals andere wie Oberbürgermeister Roters und Kulturdezernent Quander die Verantwortung trugen.

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Den offenen Brief finden Sie hier im Wortlaut:

Sehr geehrte Frau Reker, sehr geehrte Frau Laugwitz-Aulbach,

wie wir heute der Presse entnehmen mussten, beabsichtigen Sie offenbar, den laufenden Vertrag mit Opernintendantin Dr. Birgit Meyer nicht zu verlängern.

Als Grund wird Ihr persönlicher Wunsch nach einem „Neuanfang" genannt – außerdem gebe es Stimmen, dass der „Führungsstil" an der Oper zu wünschen übrig lasse.

Als Mitarbeiter*innen der Oper Köln bedauern wir Ihre Entscheidung nicht nur, sondern sie ist uns auch schlechterdings unverständlich.

An der Oper Köln wurden in den vergangenen Spielzeiten im Staatenhaus hervorragende künstlerische Ergebnisse erzielt – all dies gelang unter Leitung von Frau Dr. Meyer und allen Unkenrufen zum Trotz, die vorab – wenig hilfreich – die Tätigkeit der Intendantin von außen torpediert hatten.

Auch in der jetzigen Pandemie-Situation war und ist es Birgit Meyer, die – gemeinsam mit dem Technischen Direktor – unermüdlich und über die offiziellen Verordnungen hinaus die bestmöglichen Bedingungen für alle Ensemblemitglieder, Gewerke und Mitarbeiter*innen geschaffen hat, um den Betrieb zu stabilisieren und eine Fortsetzung des Probenbetriebs zu ermöglichen.

Die erfolgreiche Führungskonstellation an der Oper zum jetzigen Zeitpunkt, mit derart knappem Vorlauf, zu sprengen, sehen wir als grob fahrlässig an. Diese Entscheidung entbehrt jeglicher sachlicher Begründung.

Es ist uns unverständlich, dass Sie es tatsächlich riskieren, die ohnehin interims-bedingt komplizierte Planung der Oper für die nachfolgenden Spielzeiten einer solchen Gefährdung auszusetzen.

Die Atmosphäre an der Oper Köln ist überaus positiv und motivierend, der Führungsstil von Birgit Meyer ist sachorientiert und fair. Frau Dr. Meyer ist eine Intendantin, die nicht nur für hervorragende Opernabende einsteht, sondern auch hinter den Kulissen ihre Aufgabe mit einem Höchstmaß an Einsatzbereitschaft wahrnimmt. Wir verwahren uns gegen die ‚protektionistische' Unterstellung, die Mitarbeiter*innen würden unter ihrem ‚Führungsstil' leiden.

Nebenbei bemerkt ist Birgit Meyer die einzige weibliche Intendantin unter allen Führungsspitzen der großen deutschen Opernhäuser. Hat das für Sie, sehr geehrte Frau Reker, denn überhaupt keine Bedeutung?

Wir bitten Sie eindringlich, Ihre Entscheidung zu überdenken.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Oper Köln, 19.11.2020

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