Kultur Bühne

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Don Quijote (Felix Witzlau, l.) schafft sich seinen Knappen Sancho Pansa (Maximilian Hildebrandt). Der weiß nicht so recht, wie ihm geschieht.

Doppelter „Don Quijote“ im Theater im Bauturm

Köln | Mit seinem „Don Quijote“ entführt Miguel Cervantes den Leser in eine doppelte Traumwelt. Die von ihm durch Literatur geschaffene und die, in der der Ritter von der traurigen Gestalt lebt. In seiner Bühnenfassung hinterfragt Regisseur Kieran Joel diese zweifache Illusion, zerschlägt die Konstruktion, und setzt sie – mit Hilfe des Publikums  – genüsslich wieder zusammen. Dafür gab’s im Theater der Bauturm kräftigen Premierenbeifall.

Der Titelheld ist ein Büchernarr, der sich auf der Bühne im Meer der Bücher (zum Glück nur aus Schaumstoff) mit diesen verkämpft. Dürr und schlacksig ähnelt Felix Witzlau dem Don Quijote, wie man dessen Aussehen mit den Bildern von Honore Daumier verbindet. Nun sucht er statt der Welt, wie sie die Literatur erfindet, das wahre Leben – und beschließt Don Quijote zu werden.

Sancho Pansa ist ein Zuschauer – denkt man

Seinen Knappen Sancho Pansa findet er im Publikum. Dass dieser dann überhaupt nicht so aussieht wie ihn Cervantes beschreibt – geschenkt. Und natürlich ist es auch kein „Zufallsfund“ aus den Reihen des Publikums, sondern der Schauspieler Maximilian Hildebrandt, der nun mit weiser Zurückhaltung und kritischen Fragen seinen Herrn begleitet.

Nun hätte es ja auch tatsächlich ein zufälliger Zuschauer sein können, der da auf die Bühne gebeten wird, angelockt von einer Insel als Lohn. Solche Einbeziehungen des Publikums sind ja durchaus Mode. Regisseur Joel spielt mit solchen Gedanken und Ideen, blendet sich mit seinen Kommentaren immer wieder aus dem Off ein: Erzählt von den Proben, wo man solche Einfälle ausprobierte oder von der Diskussion mit der Theaterleitung, die nicht von allem begeistert war.

Schauspieler und Publikum schaffen gemeinsam Theater-Illusion

Ob diese Kommentare oder „Berichte“ echt oder erfunden sind? Auch das ist eigentlich egal. Denn alles zusammen ergibt ein Spiel von Schauspielern und Publikum: Gemeinsam erschaffen sie aus der fass- und sichtbaren Realität auf der Bühne und im Zuschauerraum die Traumwelt von Cervantes und Don Quijote. Ein anregendes, bisweilen atemberaubendes Spiel.

Und wenn Witzlau dafür mit großer Geste und sichtlichem Vergnügen die Zuschauer zu Rittern zweier verfeindeter Heere erklärt und einen (und nicht eine!) von ihnen zu Dulcinea ernennt, der großen Liebe, der zu Ehren Don Quijote seine Heldentaten vollbringen will – dann gibt’s anschließend Plätzchen für jeden. Und jede.

Heftiger Kampf mit Schaumgummi-Schwertern

Von einer stringenten „Nacherzählung“ des spanischen Klassikers bleibt da nicht viel übrig. Stattdessen werden einzelne Episoden herausgegriffen. Da befehden sich zwei gegnerische Knappen aufs heftigste mit Schaumgummischwertern. Don Quijote versucht vergeblich, sein Pferd „Ross“-inante zu besteigen, für das sich Hildebrandt einen Pferdekopf überstülpt. Und für den Kampf mit den Windmühlen reicht ein Spielzeug, wie man es auf dem Jahrmarkt für Kinder kaufen kann.

Nach knapp 80 Minuten ist das ernste Spiel dann schon vorbei. Leider, möchte man sagen.

„Don Quijote“ – die nächsten Termine: 1., 2., 3. (18 Uhr), 13. bis 15., 20. und 21. Dezember, jeweils 20 Uhr. Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.off-ticket.de, www.koelnticket.de und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen

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