Kultur Bühne

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„Du bess ming Stadt“ –Bernd Reheuser, Frank Maier, Franziska Seifert, Sabine Wolf und Assim Asmani nehmen das kölsche Selbstbild unter die Lupe (v.l.).

„Du bess ming Stadt“: kölsche Nabelschau im Theater der Keller

Köln | „100 Prozent Gegenwart“ verspricht das Theater der Keller mit seinem Programm. Dazu gehört regelmäßig auch eine Nabelschau auf Köln. Für diese Spielzeit hat Marcus Seibert das Stück „Do bess ming Stadt – Köln, eine Baustelle“ geschrieben. Es sind vergnügliche witzige 90 Minuten, denen allerdings der letzte Biss und ein Spannungsbogen fehlen. Das erheiterte Premierenpublikum spendete viel Beifall.

Das ist die Rahmenhandlung: Drei Männer und zwei Frauen haben sich für das Fernsehquiz „Du bist Köln“ beworben. Gesucht wird, wer sich am besten in Köln auskennt. Sprache, Liedgut, Kultur, Geschichte, Karneval, Örtlichkeiten, Klüngel – alle haben sich vorbereitet. Nun warten sie gemeinsam auf ihren Auftritt, der immer wieder verschoben wird.

Fünf Kandidaten wollen ihr Wissen über Köln unter Beweis stellen

Fünf Kandidaten, fünf Konkurrenten, fünf etwas grob gezeichnete Typen: konservativ, gediegen und kulturbeflissen der Bildungsbürger (Bernd Reheuser), die aktive freie Tänzerin (Sabine Wolf), die google-affine und darum allwissende junge Frau mit Migrationshintergrund (Franziska Seifert), der etwas plumpe Rapper, ebenfalls mit Migrationshintergrund () und der kölsche Musik-Bohemien (Frank Maier). Hausherr Heinz Simon Keller hat ihnen Leben eingehaucht, flott und zügig inszeniert, sein Ensemble zieht voller Elan mit.

Da warten sie nun, horchen sich aus, verbünden sich in wechselnden Konstellationen, protzen mit Wissen und treten in manches Fettnäpfchen. Da geht es bald nicht mehr nur darum, wer der beste Kölnkenner ist, sondern vor allem: Wer ist der beste Kölner? Peinlich, wenn dann der Einzige der penetrant Kölsch spricht, nicht in Köln geboren wurde, sondern in Hürth. Was also ist Heimat, wie und auch warum grenzt man sich voneinander ab? Der oft weinerliche Stolz der Kölner, die sogar stolz auf das sind, was sie nicht können, bietet Gelegenheit für genug Witze und Gags.

Thema sind auch die realen Probleme der freien Theaterszene

Gelegenheit auch, für die freie Theaterszene, ihre aktuellen und realen Sorgen aufs Tapet zu bringen. Doch wenn der Niveauverlust der Oper unter Birgit Meyer, das Kaputtsparen der Tanzszene in den 1980er Jahren, das Fehlen einer Spielstätte beklagt werden – dann schwankt das zwischen Larmoyanz und beleidigter Rechthaberei. Hier hat die freie Kölner Szene in der Realität mehr Pfeffer zu bieten – und sicher nicht von ungefähr lockt sie in einer Spielzeit mehr Zuschauer als die städtischen Bühnen. Was angesichts der im Bundesvergleich niedrigen städtischen Förderung zu Recht angemerkt wird.

So kommt die Unterhaltung nicht zu kurz, aber am Ende bleibt doch ein leicht schaler Nachgeschmack.

„Do bess ming Stadt – Köln, eine Baustelle“ – die nächsten Vorstellungen: 6., 24. und 26. Mai, 8., 10., 18. und 28. Juni, jeweils 20 Uhr,Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), tickets@theater-der-keller.de, www.offticket.de, www.köln-ticket.de und an allen Vorverkaufsstellen.

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