Kultur Bühne

theater_04_05_17

„Du bess ming Stadt“ –Bernd Reheuser, Frank Maier, Franziska Seifert, Sabine Wolf und Assim Asmani nehmen das kölsche Selbstbild unter die Lupe (v.l.).

„Du bess ming Stadt“: kölsche Nabelschau im Theater der Keller

Köln | „100 Prozent Gegenwart“ verspricht das Theater der Keller mit seinem Programm. Dazu gehört regelmäßig auch eine Nabelschau auf Köln. Für diese Spielzeit hat Marcus Seibert das Stück „Do bess ming Stadt – Köln, eine Baustelle“ geschrieben. Es sind vergnügliche witzige 90 Minuten, denen allerdings der letzte Biss und ein Spannungsbogen fehlen. Das erheiterte Premierenpublikum spendete viel Beifall.

Das ist die Rahmenhandlung: Drei Männer und zwei Frauen haben sich für das Fernsehquiz „Du bist Köln“ beworben. Gesucht wird, wer sich am besten in Köln auskennt. Sprache, Liedgut, Kultur, Geschichte, Karneval, Örtlichkeiten, Klüngel – alle haben sich vorbereitet. Nun warten sie gemeinsam auf ihren Auftritt, der immer wieder verschoben wird.

Fünf Kandidaten wollen ihr Wissen über Köln unter Beweis stellen

Fünf Kandidaten, fünf Konkurrenten, fünf etwas grob gezeichnete Typen: konservativ, gediegen und kulturbeflissen der Bildungsbürger (Bernd Reheuser), die aktive freie Tänzerin (Sabine Wolf), die google-affine und darum allwissende junge Frau mit Migrationshintergrund (Franziska Seifert), der etwas plumpe Rapper, ebenfalls mit Migrationshintergrund () und der kölsche Musik-Bohemien (Frank Maier). Hausherr Heinz Simon Keller hat ihnen Leben eingehaucht, flott und zügig inszeniert, sein Ensemble zieht voller Elan mit.

Da warten sie nun, horchen sich aus, verbünden sich in wechselnden Konstellationen, protzen mit Wissen und treten in manches Fettnäpfchen. Da geht es bald nicht mehr nur darum, wer der beste Kölnkenner ist, sondern vor allem: Wer ist der beste Kölner? Peinlich, wenn dann der Einzige der penetrant Kölsch spricht, nicht in Köln geboren wurde, sondern in Hürth. Was also ist Heimat, wie und auch warum grenzt man sich voneinander ab? Der oft weinerliche Stolz der Kölner, die sogar stolz auf das sind, was sie nicht können, bietet Gelegenheit für genug Witze und Gags.

Thema sind auch die realen Probleme der freien Theaterszene

Gelegenheit auch, für die freie Theaterszene, ihre aktuellen und realen Sorgen aufs Tapet zu bringen. Doch wenn der Niveauverlust der Oper unter Birgit Meyer, das Kaputtsparen der Tanzszene in den 1980er Jahren, das Fehlen einer Spielstätte beklagt werden – dann schwankt das zwischen Larmoyanz und beleidigter Rechthaberei. Hier hat die freie Kölner Szene in der Realität mehr Pfeffer zu bieten – und sicher nicht von ungefähr lockt sie in einer Spielzeit mehr Zuschauer als die städtischen Bühnen. Was angesichts der im Bundesvergleich niedrigen städtischen Förderung zu Recht angemerkt wird.

So kommt die Unterhaltung nicht zu kurz, aber am Ende bleibt doch ein leicht schaler Nachgeschmack.

„Do bess ming Stadt – Köln, eine Baustelle“ – die nächsten Vorstellungen: 6., 24. und 26. Mai, 8., 10., 18. und 28. Juni, jeweils 20 Uhr,Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), tickets@theater-der-keller.de, www.offticket.de, www.köln-ticket.de und an allen Vorverkaufsstellen.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

theater_Mirko_Plengenmeyer_ehu_23_06_17

Köln | Seit Jahren treffen sich die fünf zu einer „coolen“ Silvesterparty. Doch diesmal läuft die Stimmung aus dem Ruder: Statt fröhlich auf das neue Jahr anzustoßen, sind plötzlich lautstarke Selbstzweifel angesagt. In „Nicht jetzt!“ bündeln sich die Fragen nach der Zukunft und dem Selbst. Jetzt hatte das Stück Premiere im Freien Werkstatt-Theater.

MeyerOriginals_ehu_22_06_17

Köln | „Es hat sich bewährt, die Spielzeit unter ein Motto zu stellen“, sagt Gerhard Seidel. „Man muss sich aber auch eng daran halten“, ergänzt der Ko-Chef des Freie Werkstatt-Theaters (FWT). Für die kommende Spielzeit 2017/18 steht das Programm unter dem Leitthema „Lüge und Wahrheit“. Fünf Neuproduktionen werden sich damit beschäftigen.

Berlin | Der Filmregisseur Wim Wenders hat anfängliche Vorurteile gegenüber der Kunstform Oper gehabt: "Oft habe ich in der Oper bald das Interesse verloren, visuell zumindest, und gedacht, wenn ich die Augen zumache, gefällt es mir besser", sagte Wenders anlässlich seiner Inszenierung an der Berliner Staatsoper der Wochenzeitung "Die Zeit".

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

digital_21122014

Aktuelle Nachrichten zur Netzpolitik und Netzökonomie in Deutschland.
---
Digitale Gadgets