Kultur Bühne

fc_PR_schuaspielKoeln

Die Puschel-Schwenker machen im Fußball-Oratorium „Effzeh! Effzeh!“ aus ihrer Liebe zum 1. FC Köln keinen Hehl. Hinter dem Mikrophon: Nicola Gründel. | Foto: David Baltzer/Schauspiel Köln

„Effzeh! Effzeh!“: Schauspiel feiert den 1. FC Köln mit einem Fußball-Oratorium

Köln | Himmelhoch jauchzend – zu Tode betrübt: Dem wahren Fan des 1. FC Köln ist beides bekannt. Was ihn an den Fußballverein fesselt, was den Club zu etwas Besonderem macht – dem Geheimnis ist Rainald Grebe auf der Spur. Das Fußballoratorium „Effzeh! Effzeh!“ des Autors, Regisseurs und Liedermacher hatte jetzt seine gefeierte Premiere im Schauspiel.

Es ist eine bunte Revue, natürlich mit viel Gesang, kleinen Theaterszenen und akrobatischen Einlagen wie einer atemberaubender Cher-Leader-Show. Die mitreißende Mischung aus Satire, Heldenverehrung und Parodie hielt das Premierenpublikum gut zweieinhalb Stunden gefangen – länger als ein Fußballspiel mit Pause, Verlängerung und möglichem Elfmeterschießen dauert. „Schuld“ daran war Ehrengast Franz Lambert: Der Komponist der DFB-Hymne unterhielt viele Jahre bei wichtigen Fußballspielen in der Pause die Fans mit seiner dröhnenden Elektroorgel. So auch jetzt in Köln – doch eine Pause gab es nicht und wird es auch nicht geben.

70 Jahre Vereinsgeschichte und die Reportage von einer Niederlage

Das „Oratorium“ führt durch 70 Jahre Vereinsgeschichte. Zusammengehalten wird es durch die Reportage des 2. Ligaspiels Köln gegen Paderborn vor wenigen Wochen. Die Heimmannschaft war Favorit, doch der Gast siegt mit 5:3. Die Radioreportage wird zu einer wüsten Collage: Die Reporterin verliert sich in unverständlichen Wortfetzen, eine Rettungssanitäterin funkt dazwischen und fordert Verstärkung an, der Kellner aus der VIP-Loge braucht Kaviar-Nachschub, der Stadionsprecher listet die Werbepartner auf.

Grebe gelang es, sämtliche Trikots mit den Geldgebern der letzten Jahre für seine Inszenierung zu ergattern: In einer grotesken Modenschau werden sie vorgestellt. Überhaupt: Werbung – da ist der FC gar nicht so „spürbar anders“ wie seine Konkurrenz. Die Kommerzialisierung des Sports hätte vielleicht kritischer beleuchtet werden können, doch ein dunkles Kapitel der Vereinsgeschichte spart Grebe nicht aus: Die Verwicklung des Torwarts Manfred Manglitz in den Bestechungsskandal der Spielszeit 1970/71.

23 schwarzgewandete und stummgewaltige Akteure stehen auf der Bühne

23 Akteure bevölkern die Bühne, die einer Konzertbühne gleicht mit Stühlen und Notenständern. Entsprechend erscheinen die Akteure in Schwarz – Frack oder die klassische kurzhosige Schiedrichterkluft. Den Chor bilden vor allem FC-Fans und einbekennender Fußballhasser, dazu junge Schauspielerinnen und Schauspieler, die sich um die Ensemblemitglieder Johannes Bennecke, Nicola Gründel, Stefko Hanushevsky und Benjamin Höppner. Stimmgewaltig sind sie – ob bei Fangesängen, Schimpforgien, Enttäuschungsstöhnen bei vertanem Torschuss oder bei gefühligen Chorälen.

Denn auch die Kirche spielt für den FC eine wichtige Rolle – von wegen Blasphemie. Der Dom ist so etwas wie seine Hauskapelle. Im Karneval ist er ebenfalls eine nicht mehr zu streichende Größe. Eher eine Randnotiz: der Frauenfußball. Nicht dagegen die Spielerfrauen. Im barocken Reifrock kommen sie auf die Bühne: Allen voran Gaby Schuster, die als erste für ihren Mann Bernd die Verträge aushandelte. Auch an Franz Kremer, erster Vereinspräsident, wird erinnert: Er pafft die Bühne mit Zigarrenqualm voll und verordnet seinen Spielern gesellschaftsfähige Anzüge: „Ihr seid Vorbilder!“, mahnt er.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können“

Donnernd laut wird die Erinnerung, wenn die Namen der großen Stars aufgerufen werden: wie hennes Weisweiler, Wolfgang Overath, Toni Polster, Wolfgang Overath oder Pierre Littbarski. Jeder wird mit einem „typischen“ Zitat vorgestellt. Da versichert Thomas Hässler: „Ich bin körperlich und physisch fit“. Und wenn Paul Steiner, in den 1980er Jahren beim FC unter Vertrag, sagte: „Ich kann mir nicht vorstellen, dass Schwule Fußball spielen können“, fragt sich der Zuschauer: Hat sich in der Fußballszene an dieser Einstellung seitdem etwas geändert? Als Zombie taucht die Erinnerung an das 1965 durch Münzwurf verlorene Viertelfinal-Spiel gegen den FC Liverpool auf.

Am Ende träumt der von seiner Größe selbstbesoffene Verein davon, den kompletten Äußeren Grüngürtel zu übernehmen, will den FC-Fan von der Wiege bis zur Bahre versorgen – von der Heinz-Flohe-Kita über das Hans-Schäfer-Seniorenheim bis zum FC-Friedhof. In der Realität gab’s zuletzt kein grünes Licht für einen weiteren Trainingsplatz neben dem Geißbockheim.

Der Fan nimmt’s hin. Und der Theaterbesucher ist amüsiert bis begeistert. Ein bisschen von Fußball und vom FC sollte er schon kennen, um alle kleinen Pointen zu verstehen – und wenn nicht, „Effzeh! Effzeh!“ macht auch so einen Heidenspaß. Eins allerdings fehlte bei der Premiere: Mitgesungen wurde nicht. Nicht einmal bei den einpeitschenden Fangesänge. Denn wie wurde gleich zu Beginn festgestellt: Mitsingen gab’s vielleicht bei Shakespeare, heute nur noch in den Fußballstadien. Da gehen auch mehr Leute hin als ins Theater. Im konkreten Fall eine krasse Fehlentwicklung!

„Effzeh! Effzeh!“ – die nächsten Vorstellungen: 30. Oktober, 2., 3., 22. und 23. November, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

bachmann_ehu_25052019

Köln | Mit einem Paukenschlag begann Schauspiel-Chef Stefan Bachmann die Vorstellung des Spielplans 2019/20: Er hatte seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Noch vor wenigen Wochen hatte die Stadt dies abgelehnt – da war sie wohl noch geschockt vom Rückzug des Bachmann-Nachfolgers in spe Carl Philipp von Maldeghem. Der hatte nach einer zum Teil unappetitlich geführten Kampagne gegen ihn beschlossen, in Salzburg zu bleiben.

Port-in-Air---Solms-010-2

Köln| Barfuß im Regen stehen. Es gibt schöneres als das. Regen verbindet Menschen und ihre Geschichten, wenn sie eng zusammengepfercht unter der Bushaltestelle Unterschlupf suchen. Richard AczelsTheatergruppe des Englischen Seminars der Universität zu Kölnbringt mit „Your Rain, My Rain“ einen wilden Mix aus Performance, Soundinstallation und Sprechtheater auf die Studiobühne.

Köln | aktualisiert | Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker hat einen Vorschlag zur Intendantinnenfrage am Kölner Schauspiel unterbreitet, der überschrieben werden könnte mit "Keine Experimente". Die Fraktionen des Kernbündnisses aus CDU und Grünen unterstützen den Vorschlag von Henriette Reker den Vertrag mit Bachmann zu verlängern, teilten diese getrennt voneinander mit. 

Interviews zur Europawahl 2019

koepfe_europawahl_2019

Interviews mit den Kandidaten zur Europawahl 2019

Die Redaktion von report-K fragte alle Parteien und Gruppierungen an und bat um die Nennung von Interviewpartnerinnen und -partner von Kandidatinnen und Kandidaten zur Europawahl 2019. Nicht alle Parteien antworteten oder schickten Kandidaten. Die Liste der Parteien, die keine Interviewkandidaten anboten, finden sie am Ende dieser Direktlinks zu den einzelnen Kandidateninterviews.

Martin Schulz, SPD, (kein Kandidat) im Europawahlkampf in Köln

Martin Schirdewan, Die Linke

Damian Boeselager, Volt

Marie-Isabelle Heiß, Volt Europa

Andre Veltens, Partei der Humanisten

Engin Eroglu, Freie Wählern

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Fabienne Sandkühler, Partei der Humanisten

Michael Kauch, FDP

Murat Yilmaz, Die Linke

Eileen O‘Sullivan, Volt

Hans Werner Schoutz, LKR

Prof. Dr. Holger Schiele, LKR

Birgit Beate Dickas, Die Partei
Sabine Kader, Die Partei

Inga Beißwänger, Bündnis Grundeinkommen

Inessa Kober, MLPD

Fritz Ullmann, MLPD

Reinhard Bütikofer, Bündnis 90/Die Grünen

Katarina Barley, SPD

Gerd Kaspar, FDP

Moritz Körner, FDP

Philipp Tentner, SGP

Renate Mäule, ÖDP

Elisabeth Zimmermann-Modler, SGP

Arndt Kohn, SPD

Dietmar Gaisenkersting, SGP

Claudia Walther, SPD

Alexandra Geese, Bündnis 90/ Die Grünen

Nadine Milde, Bündnis 90/Die Grünen

Sandra Lück, Tierschutzpartei

Daniel Freund, Bündnis 90/Die Grünen

Nicola Beer, FDP Spitzenkandidatin

Axel Voss, CDU

Felix Werth, Partei für Gesundheitsforschung

Karin Schäfer, Die Violetten

Marion Schmitz, Die Violetten

Claudia Krüger, Aktion Partei für Tierschutz – Das Original - Tierschutz hier!

Dr. Tobias Lechtenfeld, Volt Europa

Friedrich Jeschke, Volt Europa

Michael Schulz, Die Grauen – Für alle Generationen

Chris Pyak, Neue Liberale

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Georg Lenz, Die Partei

Niels Geucking, Familienpartei

Helmut Geucking, Familienpartei

Diese Parteien und Vereinigungen nahmen das Interviewangebot von report-K nicht wahr: Piratenpartei Deutschland, Graue Panther, DER DRITTE WEG,Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), DIE RECHTE,Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung, Menschliche Welt (MENSCHLICHE WELT), PARTEI FÜR DIE TIERE DEUTSCHLAND (PARTEI FÜR DIE TIERE), Alternative für Deutschland (AfD), Demokratie in Europa - DiEM25, Ökologische Linke (ÖkoLinX), Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit (BIG), Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz (Tierschutzallianz), Bündnis C - Christen für Deutschland (Bündnis C), Bayernpartei (BP), Europäische Partei LIEBE (LIEBE), Feministische Partei DIE FRAUEN (DIE FRAUEN), Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU).

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >