Kultur Bühne

Raub-nach-FSchiller_Copyright_GerhardRichter_Pressebild2

Die zwei ungleichen Brüder Jean Paul Baeck (l.) und Jonas Baeck. | Foto: Gerhard Richter

Ein Vater, zwei Söhne, viele Gedanken: „Raub“ im Orangerie Theater

Köln | Friedrich Schillers erstes Drama „Die Räuber“ ist kanonische Schullektüre. In „Raub“ im Orangerie Theater nehmen zwei Brüder das Werk zum Anlass, sich über die Beziehung zum Vater Gedanken zu machen. Ein amüsantes und visuell überzeugendes multimediales Experiment.

Am Anfang ist Vogelgezwitscher. So wie im Wald, in den es Karl von Moor in Schillers „Räuber“ als Räuberhauptmann zieht. Doch das Vögelchen, das sieht man auf einem kleinen Fernseher, wird festgehalten, darf nicht wegfliegen. Keine Freiheit.

Auf weißen Kästen sind Kindheitserinnerungen ausgestellt. Ein Super-Nintendo-Spiel, eine McDonald’s-Tüte, ein weißer Plüschhase. Dazwischen Jean Paul Baeck, der liest, vorliest, den Stimmen aus dem Nichts zuhört. Paul spielt sich selbst, so scheint es. Weiße Sneaker, hochgekrempelte rote Hose, weißes Hemd, schwarze Jacke mit goldenen Löwen. Cooler Typ.

Sein Bruder Jonas Baeck kommt rein, das genaue Gegenteil. Blau karierter Dreiteiler, wie er Alexander Dobrindt gefallen würde. Blaue Lederschuhe, rosa Hemd, passende gestreifte Krawatte. Er trägt einen knallgrünen Schildkrötenrucksack. Auch eine Kindheitserinnerung.

Papa, Paps, Vater, Vati – oder Väterchen?

Die zwei Brüder reden miteinander über das, was hier gerade vorgeht: Die Premiere von „Raub – nach F. Schiller“. Die Zuschauer sind Teil dieser Stückentwicklung, die gerade Premiere feiert. Jonas hat in letzter Minute noch etwas geändert, hatte eine Eingebung. Paul ist schockiert, er wurde übergangen. Sie schreien sich an, sie diskutieren, sie probieren sich aus. Wenn Franz und Karl von Moor nach knapp 250 Jahren nicht mehr auf der Bühne stehen können, dann müssen sie es eben tun.

Sie zeigen Dias vom Kindergeburtstag, untermalt durch ziemlich atmosphärische Geräusche, die die DJane live durch Scratching erschafft. Sie nähern sich dem Thema an, der Vater, das Väterliche, die Prägung, die Identität. Paul übt einen Monolog. Lieber Papa. Lieber Pa, was ich schon lange… Lieber Paps, nein, lieber Vater, was ich… liebes Väterchen... Sehr geehrter Herr. Ein Gespräch mit dem Vater ist nie leicht, und es fängt schon mit dem richtigen Namen an. Paul schaut kritisch zu, sagt seinem Bruder, seinem Mitspieler, die Meinung.

Eine rundum gelungene Spielzeiteröffnung

Von harmonisch über absurd bis aggressiv entsteht eine ausgesprochen spannende Dynamik zwischen den beiden echten Brüdern, die Brüder spielen. Wo das Spiel endet und der brüderliche Streit beginnt, wird nicht immer klar. Für die Zuschauer wird’s dadurch umso unterhaltsamer. Sie loben einander, doch vor allem motzen sie sich an. Ihnen beim Streiten, beim Schimpfen, beim Anschreien zuzusehen macht einfach Spaß.

Der Vater, der Abwesende, der Krieger, der Strafende, Gnädige, Lobende. Der lacht und weint (wirklich?). Der seine Söhne prägt, die wiederum Hermann Hesse, Michael Ende, Franz Kafka, Franz von Assisi, den König der Löwen und, natürlich, Schiller bemühen, um die richtigen Worte zu finden.

Die Zuschauer erleben ein Potpourri aus Film, Comic, Dia, Musik und Schauspiel, vereint zu einem bunten, multimedialen Experiment. Paul und Jonas kreieren Stück für Stück, visuell sehr eindrucksvoll, ein Vaterbild, das einlädt, selbst zu reflektieren und zu erinnern – das ist der große Verdienst der Performance. Wer von beiden nun Franz und wer Karl ist, wird da in dieser gelungenen Spielzeiteröffnung zur Nebensache.

„Raub – nach F. Schiller“ – die nächsten Vorstellungen: 13. bis 15. (18 Uhr), 25. bis 28. September, jeweils 20 Uhr, am 15. September 18 Uhr. Orangerie Theater, Volksgartenstr. 25, 50677 Köln.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

konzert_pixabay_03062020

München | Der Chef des Ticketvermarkters und Eventveranstalters Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, rechnet damit, dass Konzerte und andere Großveranstaltungen noch für viele Monate nicht stattfinden können. "Ich glaube, dass es erst wieder Veranstaltungen geben kann, wenn es einen Impfstoff oder ein wirksames Medikament gibt. Da werden wir noch einige Zeit warten müssen", sagte Schulenberg einem Podcast von "Capital", "Stern" und n-tv.

kultur_walk_step_02062020

Laura Kuhlen und Meik Gudermann sind zu Fuß 750 Kilometer von Köln nach Berlin unterwegs, um auf die Situation der Kulturschaffenden aufmerksam zu machen.

Köln | Die Corona-Pandemie hat bundesweit für die gesamte Kulturszene den Stillstand gebracht. Mit dem Shutdown Mitte März wurden alle Kulturbetriebe geschlossen und sämtliche Einnahmen brachen für die Kulturschaffenden auf und hinter der Bühne mit einem Schlag weg. Besonders die privaten Kulturbetriebe kämpfen jetzt um ihre Existenz. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 5000 Bühnen und Veranstaltungsstätten – viele könnten die Krise nicht überleben. Grund genug für Lauta Kuhlen (26) und Meik Gudermann (31) mit einer außergewöhnlichen Aktion auf die Situation, die Hunderttausende Jobs in Gefahr bringen könnte, hinzuweisen.

volksbuehne_step_29052020

Von Juni bis zum August gibt es im Theater an der Aachener Straße 30 Veranstaltungen. Die Zahl der Plätze wurde deutlich reduziert.

Köln | Theatermachen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie ist eine echte Herausforderung, der man sich stellen muss. Das hat auch die Volksbühne am Rudolfplatz erfahren, die am 8. Juni wieder ins Rampenlicht zurückkehrt. 30 Veranstaltungen sind bis zum August geplant und für jede muss ein eigenes Hygienekonzept vom Gesundheitsamt genehmigt werden. Auch im Saal gibt es Veränderungen – so wurden einzelne Sitzreihen entfernt und die Zahl der Plätze von 400 auf 130 reduziert.

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >