Kultur Bühne

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Zwei tragische Figuren: Der sterbende Herr (Martin Reinke, l.) und sein selbstvergessen posierender Diener Clov (Bruno Cathomas). Foto: Krafft Angerer / Schauspiel

"Endspiel" im Kölner Schauspielhaus

Am Ende gab’s langen begeisterten Beifall und Bravo-Rufe für alle Beteiligten – und für Martin Reinke noch einen Blumenstrauß extra: Mit seiner Rolle des Hamm in Samuel Beckett „Endspiel“ feierte er im Kölner Schauspiel seine 200. Premiere.

Alles hat ein Ende – lassen wir hier einmal die Wurst außer acht. So hat auch das Leben und Zusammenleben der vier Menschen ein Ende, die Beckett in seinem Einakter „Endspiel“ zusammenbringt. Aber wann? Und wie? Sie quälen sich darauf hin, ohne sich aus den gegenseitigen Abhängigkeiten lösen zu können. Eine Qual, die die Zuschauer allerdings immer wieder zum Lachen reizt. Denn nur mit der – unfreiwilligen – Komik des Quartetts lässt sich das Warten auf das Ende ertragen.

Im Mittelpunkt des Geschehens – und das ist wörtlich zu nehmen – sitzt der blinde Hamm, der Herr, inmitten der leeren, schwarzen Bühne, auf der nur eine Kette weißer Matratzen leuchtet. Wehe, Hamms Stuhl wird verrückt, dann knarzt Reinke los, dann hagelt es widersprüchliche Befehle, dann wird er ärgerlich und böse. Er kann aber auch wehleidig sein, sein Schicksal voller Selbstmitleid bejammern.

Abhängig von ihm ist sein Diener Clov, gespielt von Bruno Cathomas. Ein beflissener Knecht, stets bemüht, die Wünsche seines Herrn zu erfüllen – und gleichzeitig den Traum von Freiheit träumend. Demütig und widerspenstig zugleich befolgt er die Befehle. Klettert auf hohe Leiter, um durch zwei hellerleuchtete Fenster durchs Fernglas Neues aus der Außenwelt verkünden zu können. Doch sieht er immer nur „Grau, grau!“.

Einmal leistet er sich einen kleinen Ausbruch: Von Hamm bis auf die Unterhose seiner Kleider beraubt, übt er sich selbstvergessen in Body-Builder-Posen – ein tragisches Bild, lächerlich und poetisch zugleich. Reinke und Cathomas – hier hat Regisseur Rafael Sanchez ein Traumpaar zusammengebracht.

Darüber sollen Margot Gödrös und Pierre Siegenthaler als Hamms Eltern nicht vergessen werden. Sie sitzen meist schweigend auf einer Bank, Mahnmal an eine Vergangenheit, die nicht weniger trostlos war als die Gegenwart ist. Zwar haben sie beide bei einem Tandem-Unfall ihre Beine verloren, das hindert ihn aber nicht daran, in eine Tonne nach einem Zwieback zu tauchen, und sie darf eine Runde um die Bühne schlurfen.

Schließlich ein Streicherinnen-Quartett. Überwiegend hinter einem Paravent verborgen, kommen die schwarzgekleideten und blondperückten Musikerinnen (Sophie Moser, Zuzana Leharová, Pauline Moser, Ella Rohwer) mit ihren Instrumenten immer wieder auch nach vorne, um Reinke ein dahinschmelzendes Ständchen zu bringen.

Am Ende stirbt Hamm. Ob Clov mit der gewonnenen Freiheit etwas anfangen kann?

„Endspiel“ – die nächsten Vorstellungen: 25. und 31. Januar, 2. und 6. Februar, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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