Kultur Bühne

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„Eurexit“: Stephanie Meisenzahl (l.), Stella Veinoglou (vorne) und Lisa Sophie Kusz erhoffen sich in Athen Antwort auf ihre Fragen. Foto: MeyerOriginals / TiB

„Eurexit“: Wirres Spiel im Theater im Bauturm

Köln | Regelmäßig greift das Deutsch-Griechische Theater antike Klassiker auf und findet heraus, was sie mit dem Heute verbindet. Jetzt ließ man sich im Theater im Bauturm sehr frei von Aischylos’ „Agamemon“ zum Spiel über die Zukunft der zerstrittenen Europäischen Union inspirieren. Ist der Zerfall, ist „Eurexit“, was der EU bevorsteht?

Autor und Regisseur Kostas Papakostopoulos beginnt seine Inszenierung mit der Erinnerung an die große Aufbruchstimmung für ein gemeinsames Europa, vorangetrieben von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle, den Staatschefs der ehemaligen Dauerfeinde Deutschland und Frankreich. Während deren Bilder projiziert werden, befreien sich drei Frauen auf der Bühne mit viel Mühe aus ihrer Fesselung.

Sie stehen stellvertretend für drei Mitglieder der EU, letztlich aber für die gesamte zerstrittene Union: Lisa Sophie Kusz für Kroatien, Stella Veinnoglou für Griechenland und Stephanie Meisenzahl für Deutschland. Sie sprechen für sich und treten gleichzeitig als Chor auf.

Die Segel gehisst: Auf nach Athen, der Wiege der Demokratie!

Mit schriller Stimme und wildem Durcheinander-Geschnatter streiten sie sich: Wer ist schuld am aktuellen Zustand? Deutschland? Griechenland? Brüssel? Der Nationalstaat? Die Angst vor dem Islam, vor den Flüchtlingen? In einer fantasievollen Umsetzung setzen sie unter Blitz und Donner die Segel Richtung Athen – doch auch in der Wiege der Demonkratie finden sie letztlich keine Antwort. Weder von der Zeus-Geliebten Europa noch von Kassandra.

Wie in einem wirren Parforce-Ritt geht es durch die aktuellen Probleme. Da sind die Lobbyisten, die mächtiger sind als die Bürger. Die Verflechtung Europas mit dem Rest der Welt. Die fehlende Transparenz, die Krise des Euro. Und manchmal blitzt bitterer Spott auf, wenn etwa ein Flüchtling durch ein Aufbaustudium den Mangel an Facharbeitern beheben soll – bei den Straßenkehrern. Und am Ende ist es eine bittere Pointe, dass offenbar nur die Wirtschaft das alle verbindende Glied ist.

„Eurexit“ hatte im vorigen November Premiere. Das Stück reicht – leider – in seiner Unentschiedenheit und Wirrnis nicht an die erfolgreichen und fantasievollen Produktionen vergangener Jahre heran. Um so mehr Beifall haben das energiegeladene Frauen-Trio sowie Thomas Franke als leicht schmieriger Wirtschaftspräsident, Vassilis Nalbantis als selbstbewusster Flüchtling und Anastasia Avenidou als enttäuschtes Volk verdient.

„Eurexit“ – die nächsten Aufführungen: 25. und 26. Januar (jeweils 20 Uhr), 27. Januar (19 Uhr), 28. Januar (18 Uhr). Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.off-ticket.de, www.koelnticket.de und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen

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