Kultur Bühne

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Laina Schwarz (l.) und Maike Johanna Reuter werden auf die Spuren Frankensteins angesetzt. Foto: Alex Katona / TiB

„Frankenstein“ verschreit sich im Theater im Bauturm

Köln | „Frankenstein“ ist die Geschichte des Homunculus, der an seinen menschlichen Gefühlen zerbricht und zum Mörder an den Menschen wird. Jetzt kommt sie im Theater der Bauturm auf die Bühne. Regisseur Kieran Joel hat dort schon „Don Quijote“ und „Moby Dick“ auf Wirkung und Gegenwartsbezug hinterfragt . Jetzt hat er sich Mary Shelleys „Frankenstein“ vorgenommen, den Klassiker der Horror- und Science-Fiction-Literatur – und diesmal enttäuscht er.

Gemessen an „Don Quijote“ (Theaterstück des Jahres 2018) und „Moby Dick“ scheint Kieran Joel in seiner aktuellen Inszenierung seine bewährten Mittel ausgeschöpft zu haben. Besonders deutlich wird es, wenn er seine Darstellerinnen Laina Schwarz und Maike Johanna Reuter ins Publikum schickt, wo sie sich auf den Schoß eines Zuschauers setzen dürfen und fragen: „Wovor hast du Angst?“. Es läuft ins Leere, ohne jeden Bezug zur versprochenen neuen Sicht auf den Roman.

Die liegt im Wesentlichen im trendigen Verzicht auf männliche Darsteller und in der Besetzung mit den beiden Frauen. Zu Stückbeginn verkündet Joel aus dem Off die Verwandtheit des Regisseur-Jobs mit dem von Viktor Frankenstein, dem Erschaffer des künstlichen Menschen. Und – so im Video nachzuvollziehen – wird er zum „Sklaven der Darstellerinnen“, die die Gelegenheit nutzen wollen, sich endlich einmal ihren Traummann zu schaffen.

So tragen die beiden fast die ganze Zeit wallende weiße Kleider, und damit man sie beim sexuellen Schöpfungsakt trotz Ärztekittel als Frau erkennen kann, ziehen sie sich eigens dazu High Heels an. Doch führt dieser Geschlechterwechsel an keiner Stelle zu überraschenden Erkenntnissen, geschweige denn zu einer anderen Sichtweise.

Auch die verwickelte Geschichte der Familie Frankenstein wird in dieser Inszenierung nicht schlüssig wiedergegeben. Bleibt das hohe Lob für das Bühnenduo und dessen disziplinierter Sprechkunst. Doch setzt der Regisseur vor allem auf perfekte Akzentuierung und Synchronität mit zeitweiligem Verzögerungseffekt – verbunden mit vorherrschender Lautstärke (typisch weiblich?) nützt sich das im Laufe der Zeit ab. Auch zwei Blutschlachten sorgen nur für wenig Abwechslung.

Erschöpft fallen die beiden Darstellerinnen nach 70 Minuten zu Boden. Schlagartig wird es dunkel – das Publikum wartet. Vielleicht geschieht ja doch noch etwas? Doch nichts passiert. Und so gibt es dann nach langem Warten verhaltenen Schlussapplaus.

„Frankenstein“ – die nächsten Vorstellungen: 23. bis 25. Oktober, jeweils 20 Uhr, 2. (19 Uhr) und 3. (18 Uhr) November.

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