Kultur Bühne

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Gastgeber und Moderator Hans-Georg Bögner (r.) hat Sabine Hahn (2.v.l.) und das Ensemble von „Theaterkönig“ zur Preisverleihung auf die Bühne geholt.

Freie Theater-Szene feiert ihre Besten

Köln | Gut 200 Inszenierungen feierten in den vergangenen 12 Monaten auf der Bühnen der freien Kölner Theaterszene Premiere. Jetzt wurden die besten in vier Kategorien prämiert – dazu die beste Darstellerin, der beste Nachwuchsdarsteller und einen Ehrentheaterpreis gab es auch noch. Traditionsgemäß feierte sich die Szene im Saal des Komed-Hauses im Mediapark.

Eingeladen hatte die SK Stiftung Kultur der Stadtsparkasse KölnBonn, die die Verleihung nun schon im 29. Jahre organisiert. 24 Produktionen waren diesmal im Vorfeld nominiert worden, „And the winner is...“ wurden die Gewinner in Hollywood-Manier verkündet. Die Empfängerin des Ehrentheaterpreises – ausgewählt von den bisherigen Poreisträgern – allerdings stand mit Sabine Hahn schon seit langem fest.

Sie durfte mit sieben Mitgliedern des von ihr gegründeten inklusiven Ensembles „Theaterkönig auf die Bühne“ als erste auf die Bühne. 2006 startete die Gruppe, die seitdem in der Comedia ihr Zuhause hat. Orientierte man sich zunächst an literarischen vorlagen, wurden bald eigene Stücke entwickelt. „Behindertenspezifisch sind diese Stoffe nichtz. Denn ist es nicht viel spannender, sich mit dem zu beschäftigen, was alle verbindet? Ängste und Nöte, Liebe und Freundschaft, das Ringen um Anerkennung?“, beschreibt die Jury Hahns Ansatz und lobt das „kleine Wunder, eine Gruppe extremer Individualisten zu einem Stück zu vereinen und erstrahlen zu lassen.“

Der Preis ist mit 2.600 Euro dotiert, die von Netcologne zur Verfügung gestellt werden.

Kurt-Hackenberg-Preis für politisches Theater: „Shit Island“

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Sie spielen „Shit Island“ in der Orangerie – das Stück wurde als bestes politisches Theater ausgezeichnet.

Nauru ist eine kleine Insel in der Südsee – bedeckt mit Phosphat, gewachsen aus Vogelscheiße. Sein Abbau machte sie zum reichsten Staat der Erde. Vorbei – heute herrscht Armut, einzige Einnahmequelle ist ein Flüchtlingslager, das Australien dorthin ausgelagert hat. Im Drei-Personen-Stück „Shit Island – ein postkolonialer Südsee-Traum“ zeichnet André Erlen diese Geschichte nach.

„Mit leichter Hand arrangiert er zugleich reflexiv und verspielt eine Fülle von Details, um Geschichte und Gegenwart des Inselstaates Nauru auf den Grund zu gehen“, so die Jury. Die unterschiedlichsten Mittel würden „oft ironisch und manchmal sogar richtig witzig (diese Formulierung sei nicht ironisch gemeint, betonte der Laudator in seiner Rede), ohne dabei den Stoff weniger ernst zu nehmen“, eingesetzt. „Nicht nur ein bemerkenswerter Theaterabend, sondern auch im besten Maße politisch im Sinne unseres Preises,“ so die Schlusswürdigung der Jury für die Koproduktion von Futur 3 und Freihandelszone.

Der Preis wird von der Freien Volksbühne ausgeschrieben, ist mit 2.500 Euro dotiert und bezieht als einziger aus Stücke der städtischen Bühnen ein.

Kinder- und Jugendtheaterpreis: „Papierstück“

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GAG-Vorstandsvorsitzender Uwe Eichner (r.) überreicht Scheck und Urkunde für das beste Kindertheater 2018.

Lehm, Gummi, Essen und Plastik – mit diesen Materialien hat sich Barbara Fuchs in ihren Kinder- und Jugendstücken schon beschäftigt. Nun also Papier. Aus der Begründung der Jury: „Auch hier entwickelt sie eigne Bewegungs- und Klangmuster. Das Papier leistet Widerstände, aber es besitzt auch Elastizität und lässt sich zerreißen. Eine Dialektik, die der Inszenierung Dynamik verleiht und mit ihren Effekten auch die Komik unablässig zu steigern vermag. Im kalkulierten Getöse des Papierdschungels ist ihr ein kleines Meisterwerk für Kinder und Erwachsene gelungen.“

Für Verwirrung bei der Preisträgerin sorgte Kulturstiftungschef Hans-Georg Bögner bei der Scheckübergabe. „Du hast ja schon dreimal einen Theaterpreis gewonnen“, konstatierte er. „Nicht das ich wüsste“, antwortete Fuchs und erinnerte sich lediglich an einen. Bögner – an diesem Abend nicht so sattelfest wie in den Vorjahren – will nachforschen.

Die 5.000 Euro Preisgeld werden von der GAG zur Verfügung gestellt.

Tanztheaterpreis: „MIRA7_THULEY“

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Julia Riera (l.) freut sich über die Auszeichnung für das Tanztheater „MIRA7_THULEY“.

Der Tanztheaterpreis ging an die Regisseurin und Choreographin Julia Riera und ihr Stück „MIRA7_THULEY“. Unter dem langjährigen Label MIRA treten dabei drei Professionelle Tänzer und Tänzerinnen sowie drei „tanzaffine“ Jugenmdliche aus Afghanistan auf. Über Musik entsteht dabei eine Verbindung zwischen Tänzern und Zuschauern, die zum Teil der Aufführung werden.

„Die Arbeit von Julia Riera zeichnet sich aus durch profunde Beobachtungsgabe und eine tiefe Sensibilität, die mit großer Ernsthaftigkeit abstrakte Ideen und Gedanken auf einer eotionalen Ebene visualisiert“, so die Jury. Und weiter: „Ihre Arbeit ist immer intelligent durchdacht, aber nie belehrend. Ihr vielfältiges Bewegungsvokabular ist eloquent, aber nie geschwätzig.“

Der TÜV Rheinland spendiert für diesen Preis 5.000 Euro.

Darstellerpreis: Fiona Metscher

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Fiona Metscher: Nach einer Nominierung jetzt zur besten Darstellerin gekürt.

Schon lange hatte die Jury Fiona Metscher im Blick. Gelernt hat sie in der Schauspielschule des Theaters der Keller. Schon einmal war sie für den Darstellerpreis nominiert. Den Ausschlag gab jetzt die tragikomische Hauptrolle als umtriebige, aber letztlich erfolglose Kosmetik-Vertreterin Cookie Close in „Für immer schön“, einer Produktion des Freien Werkstatt-Theaters.

Schon in den Vorjahren hatte Metscher die Jury durch „eine markante, etwas heisere Alt-Stimme und ihre expressive Mimik und Gestik“ sowie Komik überzeugt. Als Cookie Close zeige sie sich „stolz und stur als unbezwingbare Kraftmaschine, ist skrupellose Verführerin und zwanghaft Getrieben zugleich“. Die Anteilnahme des Publikums locke sie „nicht mit zur Schau gestellten Sentimentalitäten hervor, sondern zeigt in einem wahren künstlerischen Kraftakt den langsam zum Wahn gesteigerten Irrsinn von Cookies absurder Lebensmaxime“.

Das Preisgeld in Höhe von 3.500 stellt die Fachklinik CG Lympha zur Verfügung.

Nachwuchspreis „Puck“: Liliom Lewald

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Liliom Lewald hat nicht nur Bühnenerfahrung, sondern spielte auch schon in Filmen mit.

Auch Liliom Lewald ist für die Jury Überraschungscoup. Aktuell ist er in der 4. Klasse der keller-Schauspielschule. Schon im Vorjahr gewann er mit dem Comedia-Ensemble von „Das doppelte Lottchen“ den Kinder- und Jugendtheaterpreis. In der aktuellen Spielzeit zeichnete er sich gleich in zwei Stücken aus: „Auerhaus“ und „Clockwork Orange“, beide sind im Theater der Keller zu sehen.

Die Jury stellt zunächst klar, dass ein Schauspieler sein Können nur innerhalb eines großartigen Ensembles entfalten könne. Lewald aber sei hier ein „verbindendes Glied“. Er habe „große Bühnenpräsenz und Ausdruckskraft. Zudem kann er sich aber gegenüber seinen mitspielerinnen und Mitsppielern wunderbar zurücknehmen und bleibt dabei doch immer im Spiel“. Er sei „unglaublich wandelbar, verleiht seinen Figuren eine unglaubliche Kraft und berührt damit den Zuschauer.“

Der Preis ist mit 2.500 Euro dotiert, zur Verfügung gestellt von der Theatergemeinde Köln. Außerdem gibt es den Gutschein einer Casting-Agentur sowie eine jährlich neu gestaltete kleine Skulptur, diesmal gestaltet von Katja Welsch vom Goldenberg-Berufskolleg.

Theaterpreis: „Don Quijote“

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Ihr „Don Quijote“ stach bei der Jury die opulente Schauspiel-Konkurrenz aus.

Mit dem Preis für das beste Stück der Spielzeit begann die Geschichte der Kölner Theaterpreise. Seine Verleihung ist jedes Mal der Höhe- und Schlusspunkt der Veranstaltung. Der diesjährige Preisträger „Don Quijote“ von Regisseur Kieran Joel ist eine Produktion des Theaters im Bauturm.

„Don Quijote“ ist hier ein Zwei-Mann-Stück. Mit einfachen Mitteln wird die Geschichte von Don Quijote und seinem Knecht Sancho Pansa erzählt. Es entsteht ein Verwirrspiel von Illusion und Phantasie, in dem Wahrheit und Lüge kaum noch zu unterscheiden sind. Mehrfach wird das Stück gebrochen, etwa wenn sich aus dem Off die Stimme des Regisseurs meldet und zum Beispiel von den Proben berichtet.

„Aus diesen verschiedenen Ebenen vollzieht sich ein brillantes Spiel von Illusion und Wirklichkeit. Das Konzept des Regisseurs funktioniert und überzeugt, nicht zuletzt auch durch die ungebremste Spielfreude der beiden Darsteller leix Witzlau und Maximilian Hildebrandt“, fasst die Jury zusammen und verteilt zum Schluss noch eine kleine Watsch’n für das Schauspiel, das ebenfalls „Don Quijote“ auf dem Spielplan hatte. „Diese Inszenierung entspricht stärker dem Geist von Cervantes als das opulente Schauspiel im Depot.“

Stadtsparkasse KölnBonn, Kulturamt der Stadt Köln und der Arzt Manuel Cornely bringen gemeinsam das Preisgeld von 10.000 Euro auf.

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