Kultur Bühne

fwt_ehu_29102019

Vier Monate dauerten die Bauarbeiten im Freien Werkstatt-Theater: Den Zuschauern fällt vor allem die neue Trennwand zwischen Foyer und Garderobe und Toiletten ins Auge.

Freies Werkstat Theater: Nach vier Monaten Bauzeit beginnt endlich die neue Spielzeit

Köln | Und jetzt? Die Frage stellen sich aktuelle viele, nicht nur in Thüringen. Im Freien Werkstatt-Theater hat man sich die Frage schon vor Wochen gestellt und sie dann zum Motto der neuen Spielzeit gemacht. Welche Antworten die neuen Produktionen geben, stellten Hausherr Gerhard Seidel und Dramaturg Guido Rademachers vor.

Und jetzt – das heißt erst einmal Neuanfang nach gut vier Monaten Bauzeit. Das Publikum sieht davon den kleinsten Teil: frisch gestrichene weiße Wände im Foyer und eine Trennwand vor Garderobe und Toiletten. Das meiste – unter anderem ein neuer Notausgang – geschah im hinteren Teil des Hinterhauses statt.

Einen höheren sechsstelligen Betrag kostete die Anpassung an neue Brandschutzvorschriften, gezahlt von der Stadt als Eigentümerin des Gebäudes. Immerhin wurde alles termingerecht fertigt, bilanziert Seidel. Die Spielzeit fängt allerdings – geplant – später an als bei der Konkurrenz. Nämlich erst am 22. November.

Das neue Programm sucht Antworten auf die Frage „Und jetzt?“

Und jetzt? „Wir leben in einer Zeit des Wandels. Parteien lösen sich auf, die ökonomische und ökologische Krise schreitet voran. Doch wir können nur erahnen, was passieren wird“, erklärt Rademachers. „Stattdessen leben wir schlafwandlerisch weiter.“ In den neuen Stücken soll das eigene Tun am Beispiel aktueller Themen hinterfragt werden. Theater biete sich dazu ganz besonders an, denn „es ist die einzige Kunstform, in der der Mensch nicht nur Gegenstand, sondern auch Material ist“. Nun müsse es vom Leben der Menschen in dieser Zeit verzählen.

Den Anfang macht „Null Komma irgendwas“ – eine deutsche Erstaufführung nach dem Roman der Rumänin Lavinia Braniste: die Geschichte einer jungen Frau zwischen der Ungewissheit ihres Jobs, dem Frust einer Wochenendliebe und einem hochkapitalistischen Alltagsleben.

Die Killer-Schwestern sehen das Land mit feministischen Blick

Ein feministisches Manifest ist „Revolt. She said. Revolt Again“, eine FWT-Eigenproduktion, inszeniert von Killer & Killer, den beiden Schwestern Sophie und Thalia Killer, die im Vorjahr den Kunstsalon-Theaterpreis gewannen. „Eine Reise durch den Alltag von Frauen, die daran erinnert, wie tief unsere Sprache, unsere Sitten, all unsere grundlegenden Vorstellungen von Arbeit und Privatleben vom Erbe der Gewalt durchdrungen sind“, so das Versprechen.

Auch wenn man nicht auf Theaterklassiker zurückgreifen will, an Shakespeares „Kaufmann von Venedig“ kam man beid er Programmplanung nicht vorbei. Allerdings wird er hier mit dem – auch verfilmten – Roman „Cosmopolis“ verknüpft. Darin muss der Globalisierungsstratege Antonio erfahren, dass Geld nicht glücklich macht, sondern melancholisch. „Ein Gedanke, den auch Shakespeare aufgreift, dann aber nicht weiter verfolgt“, verspricht Seidel einen Mehrwert.

Zwei neue Kinder- und Jugendstücke wird es geben: Subbotnik beendet mit „Götter. Helden. Städte“ seine Antiken-Trilogie; in einer Koproduktion mit pulk fiktion, FWT & FFT Düsseldorf sowie dem Theater an der Ruhr wird das Kinderbuch „Hieronymus“ dramatisiert. Günter Schwanenberg wird die 10. Ausgabe seiner „Musikalischen Stadtgeschichten“ vorstellen. Wiederaufgenommen wird unter anderem der Dauerbrenner „Der Nazi und der Friseur“ und „Für immer schön“, deren Hauptdarstellerin Fiona Metscher 2018 zur besten Schauspielerin gekürt wurde.

FWT und Orangerie-Theater wollen enger zusammenarbeiten

Enger zusammenarbeiten wollen Freies Werkstatt Theater und Orangerie-Theater. Das Projekt ist zunächst auf vier Jahre angelegt. In dieser Spielzeit wird man sich vor allem finanziell gegenseitig bei zwei Produktionen unterstützen. Im FWT kommt im Dezemeber die Performance „These Magnificent Bodies“ zur Aufführung, eine Koproduktion der beiden neuen Partner und dem theater wrede+ aus Oldenburg. Im Orangerie-Theater inszenieren im Mai 2020 Killer & Killer „Frau lacht laut“.

Gerhard Seidel und Orangerie-Geschäftsführer Marko Berger erhoffen sich nicht nur Synergieeffekte, sondern auch bessere Möglichkeiten für Gastspiele Kölner Gruppen und damit bessere Werbung für die Freie Theaterszene außerhalb der Domstadt.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

Astrid Meyerfeldt als beste Schauspielerin geehrt

Köln | Der Deutsche Bühnenverein hat seine diesjährigen Theaterpreise bekannt gegeben. In der Kategorie "Darsteller/Darstellerin Schauspiel" erhält den "Faust" die Schauspielerin Astrid Meyerfeldt für ihre Rolle der Mary Tyrone in "Eines langen Tages Reise in die Nacht" am Schauspiel Köln.

meyer_rothwangl_19112020

Köln | aktualisiert | Opernintendantin Dr. Birgit Meyer soll gehen. Bevor sich die Stadt Köln am Mittwochmittag zu dieser Personalie öffentlich äußerte, berichtete ein Kölner Medium bereits intensiv über diese und kommentierte sogleich. Am Mittwoch verlautbarte die Stadt Köln in einer schriftlichen Pressemitteilung dann: „Oberbürgermeisterin Reker schlägt Wechsel an Opernspitze vor“. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter äußern in einem offenen Brief, den diese Redaktion am Ende des Artikels dokumentiert, ihr Unverständnis über diese Entscheidung.

meyer_rothwangl_19112020

Interview mit der Intendantin der Kölner Oper, Dr. Birgit Meyer

Wie erleben Sie gerade die Situation im zweiten Lockdown?

Dr. Birgit Meyer: Die Situation jetzt ist fast noch bedrückender, als das im Frühjahr der Fall war. Man dachte damals, dass man jetzt durch ein tiefes Tal hindurch ist und sich wieder der Normalität annähert. Dass es jetzt ein neues Aufflammen der Pandemie gibt und es wieder zum Lockdown kommt, haben wohl nur wenige erwartet. Jetzt stellt sich die Frage, wie es weitergeht. Für Theater und Oper sind das keine guten Aussichten.

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >