Kultur Bühne

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Guido Rademachers beherrscht als Werther nicht nur Menuett und Kontratanz, sondern auch HipHop. | Foto: MeyerOriginals / FWT

Freies Werkstatt-Theater leidet mit „Werther“

Köln | Als der junge Goethe 1774 „Die Leiden des jungen Werthers“ veröffentlichte, wurde dieser bald ein internationaler Bestseller. Und mancher soll dem unglücklich verliebten Titelheld in den Selbstmord gefolgt sein. Lassen sich die alten Herzensergüsse ins Heute übertragen? Dem geht „Werther“ im Freien Werkstatt-Theater nach.

Guido Rademachers hat sich des Briefromans angenommen und ihn für die Bühne umsetzt. Er übernimmt es auch, ihn über zwei Stunden umzusetzen. Eine anerkennenswerte Leistung. Doch was an Emotionen in der unglücklichen, zum Teil autobiografischen sittsamen Ménage à trois steckt, bleibt leider meist auf der Strecke.

Ein Liebesgeschichte mit vielen Hochs und Tiefs

Und der Text hat einiges an Hoch und Tiefs zu bieten – Glücksgefühle, die das Herz zu sprengen drohen, und tiefste Enttäuschung, die schließlich zum Selbstmord führt. Da verliebt sich der junge Werther in die bildhübsche Lotte, die dieses Gefühl zu erwidern scheint. Doch tatsächlich ist sie schon mit Albert verlobt. Als dieser von einer Geschäftsreise zurückkehrt, freundet sich Werther auch mit ihm an.

Auch als Albert und Lotte heiraten, bleibt das Verhältnis der beiden Männer distanziert freundschaftlich. Aus niederem Stand kommend, verursacht Werther am gräflichen Hof allein durch seine Anwesenheit für einen Skandal und wird aus der Gesellschaft vertrieben. Veranlasst hat das die Tante von Fräulein von B., die ebenfalls das Gefallen von Werther gefunden hat.

Als er das Verhältnis zu Lotte wiederbeleben will, erhält er eine diskrete Abfuhr – und greift zur Pistole. Hier soll der Selbstmord aus verschmähter Liebe eines Freundes Goethe inspiriert haben.

Im Film auf Goethes Spuren durch Wetzlar

Rademachers Vortrag entbehrt nicht der schreienden Verzweifelung, über die gut zwei Stunden Spielzeit aber der bewussten Höhen und Tiefen. Statt auf Stimme setzt er vor allem auf Bewegungen, schluckt Emotionen herunter, läuft im Kreis, zieht den eleganten Anzug aus und wieder an. Immer wieder sucht er den Vergleich mit der Gefühlswelt von heute, blendet dazu Gedankensplitter ein, tanzt HipHop oder führt – diesmal mit einer Allonge-Perücke bekleidet – in kurzen Filmszenen nach Wetzlar, dem Ort des historischen Geschehens. Einfälle, die aber alle verpuffen.

„Werther“ – die nächsten Vorstellungen: 28. und 29. März, 17., 20. und 24. April, jeweils 20 Uhr. Freies Werkstatt-Theater, Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, Tel. 02 21 / 32 78 17, www.fwt-koeln.de

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