Kultur Bühne

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Freddie (Dennis Laubenthal, l.) glaubt Tom Ripley (Felix Strüven) nicht, dass Dickie spurlos verschwunden ist.

Freies Werkstatt-Theater zeigt „Der talentierte Mr. Ripley“

Köln | Tom Ripley ist eine arme Sau. Aber gerissen. Wie er durch Lug, Betrug und Mord zu Reichtum kommt, erzählt Patricia Highsmith in ihrem Kriminalroman „Der talentierte Mr. Ripley“. Ein Film wurde danach gedreht, er wurde für die Bühne dramatisiert. Jetzt hatte das Stück im Freien Werkstatt-Theater Premiere.

Für den, der weder Buch noch Film kennt: Tom Ripley erhält vom reichen Werftbesitzer Greenleaf den Auftrag, seinen Sohn, der in Italien als Maler dilettiert, zurück in die Staaten zu bringen. Ripley stößt dort auf Ablehnung, freundet sich aber – zum Schein – mit Dickie Greenleaf an. Bei einem Bootsausflug nutzt er die Chance und stößt den Unternehmersohn über Bord. Anschließend mietet er sich unter dessen Namen in Rom ein.

Hier taucht Freddie auf, ein alter Freund von Dickie. Ripley gibt vor, nicht zu wissen, wo der ist. Als Freddie misstrauisch wird, ermordet er auch ihn. Die Polizei kann er davon überzeugen, dass Dickie Selbstmord begangen hat. Schließlich zaubert er ein Testament hervor – und Vater Greenleaf erfüllt den letzten Willen seines Sohnes: Ripley wird dessen Vermögen erhalten. Und Marge, Dickies Freundin, kriegt er noch obendrauf.

Kampf mit Tennisbällen und Perücken

Zwei Schauspieler und eine Schauspielerin reichen Regisseur Thomas Hupfer, um das Stück zu inszenieren. Felix Strüven spielt durchgehend den Titelhelden. Anfangs wirkt er etwas naiv, wächst dann aber langsam in die Rolle des heimtückischen, von Selbstzweifeln freien Betrügers und Mörders hinein. Dennis Laubenthal ist Dickie und Freddie, spielt mit dem Publikum Tennis, kämpft (eingeplant?) zu dessen Freude mit seinen Perücken. Er gibt auch noch die gekonnte Karikatur eines Polizisten, der mit Mütze und Pfeife allerdings eher an Sherlock Holmes als an einen Comissario erinnert.

Schließlich ist da noch Mona Mucke als Freundin Marge. Sie ist Schriftstellerin, und als solche – eine charmante Anspielung auf Patricia Highsmith, die lange in Italien lebte – liest sie die erklärend-verbindenden Texte zwischen einigen Szenen.

Szenenapplaus, wenn eine Leiche entsorgt wird

„Der talentierte Mr. Ripley“ passt wunderbar zum Motto „Lüge und Wahrheit“, unter das das Freie Werkstatt-Theater diese Spielzeit gestellt hat. Doch diese Inszenierung zieht sich und zieht sich mit 140 Minuten Spielzeit und einer etwa 20-minütigen Pause. Daran ändern auch originelle Einfälle nicht, wenn etwa aus Bodenplane ein Boot wird.

In der letzten Stunde nimmt das Stück zwar Tempo auf. Als Ripley Freddies Leiche in einem Reisekoffer entsorgen will, gibt es für diesen Slapstick sogar Szenenapplaus. Doch die Entschleunigung der ersten Hälfte wird auch dadurch nicht aufgeholt. Schade.

„Der talentierte Mr. Ripley“ – die nächsten Vorstellungen: 29. September, 26. bis 29. Oktober, jeweils 20 Uhr, weitere Vor Freies Werkstatt-Theater, Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, Tel. 02 21 / 32 78 17, www.fwt-koeln.de

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