Kultur Bühne

foto_theater_ehu_04022018

Der Bürgermeister (Philipp Pleßmann, hinten) will „sein“ Einkaufszentrum haben – die Gemeinde folgt ihm gehorsam. Foto: Ana Lukenda / Schauspiel

„Herzerlfresser“: Trash-Unterhaltung in der Schauspiel-Grotte

Köln | Politsatire, tragische Liebesgeschichte und blutiger Krimi: In seinem Stück „Herzerlfresser“ mixt der österreichische Autor Ferdinand Schmalz alles zusammen. Das Ergebnis ist eine knappe Stunde geballte trashige Unterhaltung, jetzt zu sehen in der Schauspiel-Grotte – ein gelungenes Regiedebüt von Alina Fluck, die dabei auf ein starkes Schauspieler-Quintett zurückgreifen kann.

Irgendwie erinnert die Politposse aus der österreichischen Provinz an Köln: Der Oberbürgermeister (ein blasierter Philipp Pleßmann) will sich mit einem neuen Einkaufszentrum profilieren. Die Gemeinde folgt ihm wie die Schafe dem Leithammel. Kurz vor der Eröffnung werden auf dem Gelände zwei Frauenleichen entdeckt, ihnen wurde das Herz aus dem Körper gefressen. Eine Katastrophe, die die Eröffnung gefährdet. Dann zeigt der Bau auch noch Risse, der Politiker steht buchstäblich im Regen.

Er beauftragt einen von ihm abhängigen Security-Mann (dienstbeflissen: Nikolaus Handwerker) den Fall abseits des offiziellen Wegs aufzuklären. Worauf der den Lockvogel spielt und sich als Frau verkleidet. Denn das ist den beiden klar: Der „Herzerlfresser“ war kein Marder. Und auch nicht der Serienmörder, der vor langer Zeit fünf Frauen auf ähnliche Weise ermordete und im Moor versenkte, wo jetzt das Einkaufszentrum entstehen soll. Wer also ahmt ihn nach?

Derweil muss sich der Bürgermeister der verliebten Irene erwehren (Magda Lena Schlott: schwankend zwischen Esoterik und Coolness). Die hat das ewige Dilemma der Liebenden erkannt: Ich will doch nur, dass der andere mich will – aber zu meinen Bedingungen. Aber das soll der andere von selbst wollen. Wenn er es aber will, will er es, weil er es will oder weil ich es will? Dieses Problem kann sie nicht lösen, wohl aber kann sie in die Zukunft ihrer Kunden blicken, die sie aus den Füßen abliest.

Für Florentina (Elisa Schlott verzehrt sich in unglücklicher Liebe) sieht sie Dunkles voraus. Was dann auch zutrifft: Florentina verliebt sich in einen Metzger (ein gerissener Nils Hohenhövel). Der entpuppt sich als der gesuchte Frauenmörder – und wird von Florentina erschossen. Nun kann die Eröffnung gefeiert werden. Und das Publikum hat seinen Spaß gehabt.

„Herzerlfresser“ – die nächsten Vorstellungen: 6. und 23. Februar, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Grotte Depot im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

sladek_ehu_13012018

Köln | Am Anfang des Jahres 1968 stand in der Tschechoslowakei der Prager Frühling, der am 21. August durch den Einmarsch von Truppen des Warschauer Paktes jäh beendet wurde. Alexander Dubˇcek, Leitfigur des Prager Frühlings, hat der Kölner Pantomime Milan Sladek 50 Jahre später mit seinem Stück „Dubˇcek Spring“ ein Denkmal gesetzt. Jetzt führt er es in der Volksbühne am Rudolfplatz auf.

Blue_Man_Group-toom-store-3_c)thomas-brill

Köln |  Würden Sie ihre Musikinstrumente in einem Baumarkt kaufen? Nein, sicherlich würden Sie eine Musikalienhandlung aufsuchen, und dort nach einem wohl gestimmten Instrument Ausschau halten. Nicht so die drei Männer der „Blue Man Group“, die machten in Köln Zollstock den dortigen „toom Baumarkt“ unsicher und performten mit ihrem Röhreninstrument aus weiß lackierten Abflussröhren und schauten sich nach neuen klanglichen Dimensionen im Sortiment um.

17122018_TheaterderKeller_LueckeMeyerOriginals

ehu | Viele Romane wollen auf die Bühne und scheitern. Doch ein Roman ist wie für die Bühne gemacht: Joachim Meyerhoffs „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. Er erzählt von der Kluft zwischen Lachen und Weinen, vom Drahtseilakt zwischen Rolle und Person und der ständigen Frage nach Verortung – und das passenderweise im Theater der Keller.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN

Studierende beleuchten Europawahl 2019

europawahl2019_studentengruppe01

Studierende der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) beschäftigten sich im November 2018 mit europäischen Themen, wie Flüchtlings- oder Umweltpolitk sowie regionalen Förderprogrammen oder dem "Erasmus+"-Programm der EU. Am 26. Mai 2019 wählt Europa ein neues Parlament.

Hier gehts zum Spezial: Kölner Studierende blicken auf die Europawahl 2019 >