Kultur Bühne

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Interview mit dem Produzenten des Musicals „Himmel und Kölle“, Frank Blase

„Für mich sind die jetzt getroffenen Maßnahmen nachvollziehbar“

Wie erleben Sie aktuell die Situation?

Frank Blase: Als Musicalunternehmer bin ich skeptisch, ob wir ab dem 1. Dezember wieder spielen können. Wir hatten schon vor dem Lockdown enorme Kapazitätsbeschränkungen und durften die Premiere Ende Oktober nur mit 80 Zuschauern machen. Ich stelle mich darauf ein, dass es für uns weiter schwierig wird.

Warum haben Sie so kurz vor dem Lockdown noch die Premiere laufen lassen?

Blase: Die Verträge mit dem Team haben wir schon im Juli bzw. Anfang September gemacht. Da war ich mir des Risikos, dass es so kommt, wie es jetzt der Fall ist, schon bewusst. Trotzdem wollten wir einfach nach dreieinhalb Jahren Vorbereitung das Projekt noch ans Ziel bringen. Die Situation in der Pandemie hat durchaus ihre Vorteile. Jetzt gibt es kaum ähnlich Stücke, mit denen wir mit unserem komplett neuen Musical bei der Aufmerksamkeit in Konkurrenz treten. Diese Chance wollten wir unbedingt nutzen.

Wie war das Feedback auf die Premiere?

Blase: Fantastisch. Es ist selten, dass Zuschauer und Kritiker einhellig so euphorisch sind. Wir haben das Stück inklusive der Vorpremiere achtmal vor Publikum aufgeführt – sieben Vorstellungen davon habe ich mir selbst angesehen. Die Leute sind ganz anders aus dem Theater rausgekommen, als sie reingegangen sind. Bei den Kritiken gab es Formulierungen wie „voll heiterer Energie“ und „zwei Stunden, in denen Corona keinen Platz mehr im Kopf hat“.

Wie ist jetzt die Perspektive für „Himmel und Kölle“?

Blase: Wir halten die Truppe zusammen und bezahlen sie auch in der Zeit, in der wir nicht spielen können. Das wurde vom angestellten Team sehr positiv aufgenommen, auch wenn wir jetzt Kurzarbeit beantragt haben, aber den Rest der Gehälter aufstocken. Das, was bis zum 7. Februar an Vorstellungen noch möglich ist, werden wir auf jeden Fall nutzen. Aktuell laufen die Verhandlungen mit der Volksbühne, wann wir im kommenden Jahr weitere Spielzeiten für das Musical bekommen.

Wie war das Feedback im Team, nachdem klar war, dass der Lockdown kommen wird?

Blase: Die Leute waren natürlich traurig, denn sie hatten beim Spielen vor Publikum richtig Spaß gehabt. Unsere Darsteller haben vor 80 Leuten so gespielt wie vor 1000. Jeder hat sich richtig reingehängt. Jetzt, nachdem klar ist, dass wir unsere angestellten Teammitglieder weiterbezahlen, ist die Stimmung trotz allem gut.

Wie beurteilen Sie das Verhältnis der Politik zur Kultur in der Krise?

Blase: Für mich sind die jetzt getroffenen Maßnahmen nachvollziehbar, weswegen ich die Politik für ihr Handeln immer verteidigt habe. Natürlich sind Liveaufführungen etwas Tolles, weil man die Menschen ablenken kann und es schafft, dass sie nach der Vorstellung heiter gestimmt das Theater verlassen. Es wäre schön, wenn wir das weiter fortführen könnten. Aber zurzeit geht es um andere Prioritäten in der Pandemie. Ich bin in meinem Hauptberuf Unternehmer und wir haben weltweit unsere Fabrikstandorte – auch in China. So bin ich seit Januar durchgängig im Krisenmodus. In unserer Kölner Fabrik mit 2000 Mitarbeitern haben wir alleine 250 Maßnahmen umgesetzt, um dort sicher weiterproduzieren zu können. Wer von außen kommt, darf zur Zeit nur, nachdem der Schnelltest negativ war, ins Gebäude. Dafür haben wir extra medizinisches Personal angestellt. Seit August haben wir bei den 2000 Leute nur acht positive Fälle, die sich wahrscheinlich im privaten Umfeld angesteckt haben. Daher weiß ich, wie wichtig Maßnahmen sind, die helfen die Pandemie in den Griff zu bekommen.

Was macht Ihnen derzeit Hoffnung und was macht Ihnen Sorgen?

Blase: Sorgen macht mir, dass immer mehr Menschen in der Krise die Nerven verlieren und sich Verschwörungstheorien zuwenden. Hoffnung macht mir, dass wir aus der Krise neue, gute Erkenntnisse ziehen können. Dazu gehört das Homeoffice und die Nutzung moderner Technik, um kommunizieren zu können. Toll ist auch, dass es Initiativen gibt, die Menschen zusammenrücken lassen, und die ich als gelebten Optimismus empfinde.

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