Kultur Bühne

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Theaterleiter des Musical Dome, Henning Pillekamp

Interview mit dem Theaterleiter des Musical Dome, Henning Pillekamp

„Wir wünschen uns endlich eine Perspektive zur Wiedereröffnung“

Wie erleben Sie die Situation jetzt im zweiten Lockdown?

Henning Pillekamp: Die Situation bleibt schwierig. Seit dem März 2020 hat sich für uns nichts getan. Das Haus ist abgesehen von einer Veranstaltung im vergangenen Oktober, bei der wir unser Hygienekonzept testen konnten, durchgehend geschlossen. Wir wünschen uns endlich eine Perspektive zur Wiedereröffnung. Die ist aber bislang noch nicht vorhanden.

Welche Folgen hat diese Entwicklung für den Musical Dome?

Pillekamp: Die wirtschaftlichen Folgen sind gravierend. Wir haben seit März keine Shows, keine Gastronomie und damit auch keine Einnahmen. Das betrifft viele Menschen von den Künstlern über die Techniker bis zum Servicepersonal. Seit dem Sommer 2020 arbeiten wir intensiv an unserem Hygienekonzept für die Wiedereröffnung, das wir kontinuierlich überarbeiten und aktualisieren. Wenn wir wieder aufmachen, brauchen wir auf jeden Fall einen gewissen Vorlauf für die Vermarktung und den Ticketverkauf. Wichtig sind auch die Bedingungen und Auflagen. Bei einer Kapazität von 20 bis 30 Prozent sind Shows im Musical Dome wirtschaftlich nicht denkbar. Bei den hochwertigen und kostenintensiven Shows und Musicals, die wir hier anbieten, braucht es eine Auslastung von mindestens 50 bis 70 Prozent. Wir hoffen nun, dass wir im November mit der Rocky Horror Show wieder durchstarten können.

Wie sieht aktuell Ihr Berufsalltag aus?

Pillekamp: Die meisten Mitarbeiter sind seit dem März 2020 anteilig in Kurzarbeit – eine sehr schwierige Situation. Für uns in der Verwaltung gibt es genügend zu tun, auch wenn sich die Aufgaben verändert haben. Wir müssen das Unternehmen stabil durch die Krise bekommen. Dafür haben wir auch die Anträge für Fördermittel und Subventionen gestellt. Wir sind allerdings ein sehr komplex aufgestelltes Unternehmen und drohen so durchs Raster zu fallen. Dazu kommt der permanente Austausch mit den Veranstaltern. Bei der Schließung im März waren wir gut gebucht. Manche Veranstaltungen mussten wir inzwischen sechsmal verschieben. Das ist ein permanenter Planungsprozess, bei dem man immer nur auf Sicht fährt. Über die neuen Termine müssen wir auch stets unsere Kunden informieren, die teilweise seit anderthalb Jahren ein Ticket für eine Show besitzen, die immer noch nicht stattgefunden hat.

Können Sie die Zeit der Schließung auch noch anderweitig nutzen?

Pillekamp: Natürlich versuchen wir jetzt den Musical Dome weiter zu optimieren. Über die Subventionen aus dem Programm „Neustart Kultur“, die pandemiegebundene Investitionen verlangen, rüsten wir unsere Lüftungsanlage mit UVC-Lampen auf, die Viren vernichten. Dazu kommen die vielen anderen Regelungen wie Desinfektionsmittel, Masken, Abstandhalten oder der Einbau von Plexiglasscheiben. Wir wollen unseren Gästen den höchstmöglichen Sicherheitsstandard anbieten. Das ist die zentrale Voraussetzung für eine Wiedereröffnung.

Wie ist aktuell die Stimmung bei den Mitarbeitern?

Pillekamp: Im März 2020 war für alle plötzlich Schluss. Damals war nicht absehbar, wie lange die Krise andauern wird. Für viele unserer Mitarbeiter ist die Situation wie ein Berufsverbot, hinter dem individuelle Schicksale stehen. Wir konnten das mit der Kurzarbeit abfedern, die Entlassungen vermieden hat. Aber ist gibt auch den psychischen Aspekt, wenn man ein Jahr seinen Beruf nicht mehr ausüben kann. Da sind kleine Videodrehs oder Streamings schon echte Lichtblicke, die den Menschen zeigen, dass sie noch gebraucht werden.

Wie schwer wird es, bald wieder internationale Produktionen nach Köln zu holen?

Pillekamp: Das ist für uns ein großes Thema und eine große Herausforderung. Unsere Shows haben in der Regel internationale Darsteller, bei deren Einreise nach Deutschland die aktuellen Bestimmungen und Quarantäneregeln beachtet werden müssen. Dazu kommen regelmäßige Tests bei uns vor Ort. Das ist eine Logistikfrage für unsere Tourabteilung. Ein Vorteil ist, die Tatsache, dass wir zu einem internationalen Konzern gehören, der unter anderem in England 45 Theater betreibt. Das Land ist uns bei der Pandemie schon weit voraus und wir können jetzt von den Erfahrungen der Kollegen profitieren.

Wie sehen im Moment die Perspektiven für den Musical Dome aus?

Pillekamp: Wir hoffen, dass wir im November mit der Rocky Horror Show wieder voll durchstarten können. Für den Dezember haben wir das Disney-Musical „Die Schöne und das Biest“ eingeplant. Auch der Kalender für 2022 ist schon gut gefüllt. Die Nachfrage der Veranstalter und der Kunden ist gleichermaßen groß.

Wo stehen im Moment die Planungen für den Umzug vom Musical Dome in das neue Musicaltheater im Staatenhaus?

Pillekamp: Die Planungen dafür gehen weiter, auch wenn wir aktuell noch voll für den Standort Musical Dome planen. Da hoffen wir, dass wir dort noch eine lange Zeit bleiben können, um dann den Übergang nach Deutz möglichst reibungslos zu gestalten. Hier laufen die Gespräche unserer Geschäftsführung mit der Stadt. Köln ist ein wichtiger Markt für uns und wir stehen zu NRW, wo wir drei Theater betreiben.

Wie wird sich die Kölner Kulturszene durch die Pandemie verändern?

Pillekamp: Wenn die Theater wieder öffnen, wird es den großen Run auf die Veranstaltungen geben. Voraussetzung ist natürlich, dass diese sicher sind und die Besucher so einen unbeschwerten Abend erleben können. In bestimmten Bereichen werden auch künftig Streamingformate eine Rolle spielen. Bei unseren Shows und Musicals bringen diese dagegen eher wenig. Dazu kommt, dass die Menschen den Wunsch haben, sich wieder vor Ort zu treffen, um gemeinsam etwas zu erleben.

Was macht Ihnen derzeit Hoffnung und was Sorgen?

Pillekamp: Hoffnung macht mir, dass das Impftempo anzieht. Das ist der einzige Weg aus der Pandemie. Das Virus wird aber bleiben und wir müssen in unserer neuen Normalität Wege finden, damit umzugehen. Sorgen macht mir, dass neue Varianten des Virus kommen, bei denen die Impfung keine Wirkung mehr hat. Dann müssten wir wieder von vorne beginnen. Aber bei einer Million Impfungen pro Tag überwiegt aktuell die Hoffnung.

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