Kultur Bühne

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Stefan Bachmann überrascht die Kölner mit einer Vertragsverlängerung um zwei Jahre.

Kölner Schauspiel: Stefan Bachmann bleibt, Bilanz und Blick in die Zukunft

Köln | Mit einem Paukenschlag begann Schauspiel-Chef Stefan Bachmann die Vorstellung des Spielplans 2019/20: Er hatte seinen Vertrag um zwei Jahre bis 2023 verlängert. Noch vor wenigen Wochen hatte die Stadt dies abgelehnt – da war sie wohl noch geschockt vom Rückzug des Bachmann-Nachfolgers in spe Carl Philipp von Maldeghem. Der hatte nach einer zum Teil unappetitlich geführten Kampagne gegen ihn beschlossen, in Salzburg zu bleiben.

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Hanna Koller freut sich über eine Stärkung der Sparte Tanz am Schauspiel.

Sichtlich befreit begründete ein „glücklicher“ Bachmann seine Entscheidung. Er könne nun – zusammengefasst – die Früchte seiner Arbeit ernten: Alle Visionen, die er mit dem „Kraftakt“ Interim im Mülheimer Carlswerk verbunden habe, seien endlich wahr geworden. Er habe eine „wunderbare Beziehung zum Publikum“ aufbauen können.

Zuschauerzahlen gegenüber der Vorsaison um 10 Prozent gesteigert

Dies zeige sich in der erneut gestiegenen Besucherzahl. Für diese Spielzeit rechnet er mit 123.000 – gegenüber der vorigen eine Steigerung um 10 Prozent. Leicht gestiegen sei auch die Abo-Zahl, die Auslastung liege bei 84 Prozent. Die Nachfrage zeige: „Das Publikum ist entgegen dem Trend zur Vereinfachung und Polarisierung an einer reflektierten Form der Auseinandersetzung interessiert“ – auch wenn das Theater nicht immer eine Antwort geben könne.

Diese erfolgreiche Arbeit will er mit dem neuen Spielplan fortsetze. Unter dem Motto „Utopie“ stehen 14 Premieren an – darunter sechs Uraufführungen und zwei deutsche Erstaufführungen. Eröffnet wird die Spielzeit am 20. September mit „Vögel“ von Wajdi Mouawad unter Regie von Stefan Bachmann. Die Besetzung der Familiengeschichte – sie spielt in Nahost, Europa und den USA und wird in Deutsch, Englisch, Arabisch und Hebräisch erzählt – bereitet ihm noch Kopfschmerzen: Soll, muss er die Rollen angesichts der aktuellen hektischen Diskussion über „kulturelle Aneignung“ mit Muttersprachlern besetzen?

Das Stück „Das Werkzeug des Herrn“ muss noch geschrieben werden

Erste Uraufführung ist schon einen Tag später „Gegen den Hass“, die Dramatisierung des gleichnamigen Buches von Carolin Emcke, Trägerin des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2016. Bachmann inszeniert auch „Das Werkzeug des Herrn“ – Autor Lukas Bärfuss schreibt gerade noch an der Geschichte einer fiktiven Industriellen-Familie, die sich von der Weimarer Republik bis heute erstreckt.

Nicht nur die Kölner Theaterfans dürften gespannt sein auf die Uraufführung von „Gefangen in Granada“ – Nuran David Calis bringt den autobiografischen Bericht von Dogan Akhanli auf die Bühne. Der Kölner Schriftstellers beschreibt darin, wie er 2017 während eines Spanien-Urlaubs aufgrund eines Interpol-Haftbefehls im Befängnis landete. Die türkische Regierung hatte ihm – unberechtigt – Terrorismus vorgeworfen. Das Stück wird in der Außenspielstätte am Offenbachplatz uraufgeführt. Sie kann damit noch ein Jahr länger als geplant bespielt werden, ehe sie wegen Bauarbeiten wieder geschlossen werden muss.

Auch Frank Castorf, Robert Borgmann und Ersan Mondtag wieder dabei

Weitere Uraufführungen sind „Der endlose Sommer“ von Madame Nielsen über die Unsicherheit von gesellschaftlichen Rollenzuweisungen, „Bomb“ von Maya Arad Yasur und „Der Wilde“ nach dem Roman von Guillermo Arriaga. David Kehlmanns „Die Reise der Verlorenen“ und „Eine Frau bei 1000 Grad“ nach dem Roman von Hallgrimur Helgason haben in Köln ihre deutsche Erstaufführung.

Ein Wiedersehen gibt es mit zwei Alt-Stars der deutschen Regie-Szene sowie Shooting-Star Ersan Mondtag. Mondtag inszeniert „Die Verdammten“ nach dem Visconti-Film, Robert Borgmann Ibsens „Nora“ und Frank Castorf wird gleich vier Stücke des Gesellschaftskritikers Carl Sternberg – darunter der Klassiker „Die Hose“ – unter dem Titel „Aus dem bürgerlichen heldenleben“ zusammenfassen. Premiere feiern Schillers „Jungfrau von Orleans“, „Schöne neue Welt“ von Aldous Huxley und „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ von Eugene O’Neill, inszeniert von belgiens Star-Regisseur Luk Perceval. Zum Abschluss der Spielzeit organisiert die Gruppe Rimini Protokoll“ mit „Utopolia“ ein Stück, das gleichzeitig an mehreren Stellen in beginnt.

Tanz dank Millionenspritze des Landes mit rosa Zukunft

Dank einer kürzlichen Finanspritze des Landes von fast einer Million Euro kann das Schauspiel die Sparte Tanz ausbauen. So kann der Choreograph Richard Siegal mit seiner Compagnie „Ballet of Difference“ mittelfristig ein Ensemble zusammenstellen. Tanzkuratorin Hanna Koller und Intendant Bachmann hoffen, dass daraus – auch dank der Kooperation mit München – bald wieder eine feste Sparte Tanz in Köln wird.

Siegal ist in der kommenden Spielzeit mit drei Stücken dabei. Am 27. September wird „New Ocean“ uraufgeführt, es folgen im nächsten Jahr „Liedgut/Neukreation“ und „Metric Dozen/Made for Walking/Neukreation“. Hinzukommen sechs internationale Gastspiel. Darunter das Nederlands Dans Theater 2 mit jungen Tänzerinnen und Tänzern.

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