Kultur Bühne

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Die „reale“ Mary Page Marlowe (Nicola Gründel) steht vorne, dahinter sie als die Personen, als die sie die Umwelt sieht.

„Mary Page Marlowe“ im Schauspiel: Ein Leben vor und zurück erzählt

Köln | „Ich habe nur wenig zu bereuen“, blickt die Titelheldin – zum Sterben bereit – auf ihr Leben zurück. Und das, obwohl es mehr Tiefen als Höhen gab. Im Schauspiel inszenierte jetzt Lilja Rupprecht das Stück „Mary Page Marlowe“ von US-Erfolgsdramatiker Tracy Lett – und wurde mit ihrem Ensemble bei der Premiere begeistert gefeiert.

Vielleicht waren es die alkoholsüchtigen Eltern, die Mary Page Marlowe auch zum Alkohol brachten. Vielleicht war es deren selbstsüchtiges Vorbild, das Mary Page bei ihrer ersten er Scheidung keine Rücksicht auf die Wünsche ihrer beiden Kinder nehmen ließ. So genau weiß man das hinterher nicht mehr. Genauso wenig, wie man weiß, ob das Leben einem alle Träume erfüllen wird.

Wie ein Puzzle setzt Tracy Lett die Biografie seiner Heldin zusammen, springt dabei vor und zurück. Am Ende stehen da elf Lebensepisoden , deren Zusammenhang und Lücken sich so erst im Nachhinein erschließen – wenn überhaupt.

Regisseurin Rupprecht treibt das Puzzlespiel des Lebens voran

Regisseurin Rupprecht greift dieses Puzzlespiel auf und treibt es voran: Mit einem „Hörspiel“ lässt sie das Stück beginnen, mischt dann sichtbare Spielszenen mit „unsichtbaren“ hinter der Kulisse, die live auf eine Hausfassade projiziert werden. Auch dieses Haus ist wie ein Puzzlespiel, lässt sich in Einzelteile zerlegen und wieder zusammenfügen.

Gleich fünf Schauspielerinnen übernehmen abwechselnd und manchmal auch gleichzeitig die Rolle der Mary Page in ihren verschiedene Lebensstadien – in denen Sensibilität und Gefühlsausbrüchen wechseln. Allen vorn Sabine Orleans: Schreiend und tobend im Ehekrieg, verantwortungsvoll und selbstbewusst, wenn sie ihre Haftstrafe akzeptiert: zehn Jahre Gefängnis, weil sie mit 3,2 Promille einen Mann tot gefahren hat.

Eine Affäre mit dem Chef – Mary Page beendet sie selbstbewusst

Selbstbewusst war Mary Page schon als Teenager, hat auf dem College dem Schwarm der anderen Mädchen einen Korb gegeben. Und als Ehefrau (hier gespielt von Lou Zöllkau). lässt sie ihren liebestollen Chef nach einmaligem Sex stehen. Mary Page ist also durchaus eine starke Persönlichkeit, doch warum zwei Ehen scheitern und erst die dritte klappt (bis zu ihrem Tod), warum sie sich den Teenager-Wunsch „Paris“ nicht erfüllt hat, warum der Sohn zum Junkie wurde und sie zur Alkoholikerin? Die Zufälle des Lebens lassen sich nur selten erklären. Und dieses Stück verzichtet darauf – was ihm aber nicht schadet.

Die jüngste in diesem Frauen-Quintett ist die beeindruckende Ida Fayl (im Wechsel mit Ruth Grubenbecher): Sie ist das Kind Mary und schlüpft dann in die Rolle der alten Frau, die auf ihr Leben zurückblickt. Margot Gödrös und Nicola Gründel schließlich und Lou Zöllkau stehen diesem leidenschaftlichen Spiel nicht nach.

Alle neun Ensemble-Mitglieder stehen im gleichen Kleid auf der Bühne

Ebenso glänzen Stefko Hanushevsky, Winfried Küppers, Guido Lambrecht und Sean McDonagh. Sie spielen nicht nur die Männer in Mary Pages Leben, sondern übernehmen auch Frauenrollen. Und einmal kommen alle neun Akteurinnen im gleichen schrillen Kleid auf der Bühne: In einer „Therapiesitzung“ stehen sie stellvertretend für die vielen, sich oft widersprechenden Rollen und Selbstbilder, mit denen sich Mary Page auseinandersetzen soll.

Lässt sich also ein Leben in der Erinnerung klar und eindeutig beschreiben? Geht’s nach dem Schlussbild – nein! Da will Mary Page einen Quilt zur Reinigung bringen. Zusammengestellt ist der Flickenteppich aus Stücken, die Frauen unabhängig voneinander angefertigt haben. Einige sind schon stark verblichen, die Muster kaum noch zu erkennen. Und während Mary Page das erzählt, quillt – wie auch schon zu Beginn – langsam der Nebel über die Bühne. Da schrammt die ansonsten beeindruckende Inszenierung hart am Kitsch vorbei.

„Mary Page Marlowe“ – die nächsten Termine: 28. November, 2., 10. (18 Uhr) und 14. Dezember, jeweils 19.30 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

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