Kultur Bühne

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Die Schauspielschülerinnen und – schüler der Film Acting School Cologne nehmen uns mit auf eine postapokalyptisch angedeutete Märchenreise ins Metropol-Theater.

Metropol-Theater: Schneewittchen neu gedacht und damit gescheitert.

Köln | „Spieglein, Spieglein an der Wand…“: 1821 von den Gebrüdern Grimm erstmals veröffentlicht, erzählt Schneewittchen die Geschichte von Eifersucht, Macht und Schönheit. Was passiert, wenn wir den Spiegel in die Gegenwart ausrichten und ihn der Gesellschaft vorhalten? Das versucht das Metropol-Theater mit „Schneewittchen. Kein Kindermärchen“ und scheitert kläglich.

Äpfel liegen auf dem alten Klavier, ein großer Spiegel im Vorraum lädt ein, eine Märchenwelt zu betreten und sich verzaubern zu lassen. Doch der Schein trügt. Hinter dem roten Vorhang verbirgt sich ein Albtraum. Seltsame Leierkastenmusik ertönt. Der Saal verdunkelt sich. „Die Königin ist tot. Die Königin ist tot“, flüstert es aus allen Ecken des Raumes und möchte jedem Zuschauer im ausverkauften Haus einen kalten Schauer über den Rücken laufen lassen. Doch zu oft wiederholt sich das anfangs noch bedrohliche Geflüster und verpufft so seine Wirkung.

Vielversprechende Besetzung

Schneewittchen sitzt auf einem kleinen Hocker. Gekleidet in einem gar nicht mal so keuschen roten Kleid, die Lippen so rot wie Blut, das Haar schwarz wie Ebenholz. Gespielt wird sie von Andrea Guo, wie auch die anderen Mitglieder des Ensembles Schülerin des 2017er Jahrganges der Film Acting School Cologne. Sie ist 19 Jahre alt, jung und schön. Die perfekte Besetzung für ein modernes, nicht an Ethnien gefesseltes, Schneewittchen. Denn Guo hat asiatische Wurzeln.

Vielversprechend auch die geänderte Vita: Schneewittchen weint um ihre gütige und liebevolle Ziehmutter (Conny Brandt). Ausgetragen wurde das Mädchen von der Zofe, da die Königin unfruchtbar war und anscheinend auch Kräuterbäder nicht halfen: „Zum Teufel mit deinen Kräuterbädern.“, brüllt der König (Salim Angelo Karas). Kurze Zeit später kam Schneewittchen zur Welt und mit ihr 90 Minuten vergeudete Inszenierungschance.

Eisenmangel, Froschmund und weil es eben Holz ist

Besonders die erste Hälfte verirrt sich bei Kostüm (Julia Thoms) und Text (Mareike Marx) in der Historizität des Stückes. Soll sich das Publikum doch in eine postapokalyptische Zeit versetzen, wirken die Darstellerinnen und Darsteller in altertümlicher Sprache und Kleidung gefangen.

Der stringent fehlende Mut ist ein entscheidender Grund, warum sich die Schauspielschüler nicht beweisen können. Die dürftigen einfalls- und witzlosen Gags tun ihr Übriges. Als der an Tolkiens Gollum erinnernde, an diesem Abend jedoch überzeugende, Sklave und Spiegel (Marc Weinmann) über die Schönheit Schneewittchens spricht, entgegnet die Königin (Denise Gerhardt): „Weiß wie Schnee? Ich glaube das liegt am Eisenmangel. Lippen rot wie Blut? Eher die Fratze eines Frosches.“ Auf die Frage, warum es eigentlich Ebenholz heißt, kommt der Schenkelklopfer „Na, weil es eben Holz ist.“ Traurig. Es ist erstaunlich, dass es Denise Gerhardt am Ende des Tages trotzdem gelingt, eine überzeugende böse Königin zu verkörpern.

„In meinem kleinen Apfel, da steckt ein kleiner Wurm“

Ein Schwabe, ein Homosexueller und eine Russin stehen im Wald. Hört sich an wie ein schlechter Scherz, ist aber der gescheiterte Versuch der zweiten Hälfte, aus Schneewittchen noch ein aktuelles, gesellschaftskritisches Stück zu machen. Doch warum muss der Zwerg mit dem einfallsreichen Namen „Beule“ (Niels Bernard) auf High-Heels über die Bühne staksen und mit nasaler Säuselei Stereotype befeuern?

Das mit „Kein Kindermärchen“ propagierte Stück oszilliert zwischen albernem Kinder- und Jugendtheater und Unterhaltung für Erwachsene. Diese seltsame Verortung des „Irgendwo dazwischen“ tut jedoch keiner Gruppe gut. Am Ende bleibt ein durchaus überraschender Twist, im Gesang vom Kinderlied „In meinem kleinen Apfel“, welches nun auch Guos durchaus vorhandenes Talent erkennen lässt. Letztlich ist man jedoch froh, die Verzierung der Treppenstufen, die nach draußen führen, begutachten zu können: Macht. Gier. Wollust. Rache. Neid. Zorn. Hoffnung.

„Schneewittchen. Kein Kindermärchen“ - die nächsten Vorstellungen: 14., 26. und 27.April sowie 3., 4., 10. bis 12. und 19. bis 22. Mai, jeweils 20 Uhr. Metropol-Theater, Eifelstr. 33, 50677 Köln.

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