Kultur Bühne

159_Zwischenfall_cMEYER_ORIGINALS-b

Marius Bechen, Maria Ammann und Charlotte Krenz (v.l.) in „Möglicherweise gab es einen Zwischenfall“. Foto: meyerOriginals / FWT

„Möglicherweise gab es einen Zwischenfall“ im Freien Werkstatt-Theater

Köln | Etwas ist passiert. Oder doch nicht? Wann war der Punkt, als das Geschehen den entscheidenden Wendepunkt nahm? Als es zu einem Ereignis wurde – entscheidend für das persönliche Schicksal, wichtig genug für die Medien? In Chris Thorpes „Möglicherweise gab es einen Zwischenfall“ werden vier Ereignisse miteinander verwoben. Jetzt hatte es im Freien Werkstatt-Theater Premiere.

Catherine Umbdenstock hat das Stück streng und karg inszeniert. Wenige Gerüstrohe verwandeln die Bühne in eine Baustelle. Darin Charlotte Krenz, Marius Bechen und Maria Ammann in goldglänzendem Partylook. Ab und zu tanzen sie zum Licht einer Discokugel. Wer an der Reihe ist, tritt vor an die Rampe.

Nicht die Handlung, das Wort beherrscht die Inszenierung

Eine „Handlung“ gibt es nicht, das Wort beherrscht die Szene. Und das Trio beherrscht die Sprechkunst, ob im Monolog oder – seltener – im Chor. Allein das ist schon den Abend wert. Jede hat eine eigene Geschichte zu erzählen. Abwechselnd wird sie vorgetragen, setzt sich – die Spannung wächst – erst langsam zu einem Ganzen zusammen.

Charlotte Krenz blickt mit einem Hauch von Selbstkritik zurück auf ihre Karriere als Revolutionärin: Das abgesetzte Diktatoren-Ehepaar ließen sie und ihre Genossen erschießen. Von der versprochenen Freiheit ist aber im Laufe der Jahre nichts geblieben: Jetzt üben sie Zensur aus, lassen auf Demonstranten schießen – und drücken sich vor der Verantwortung.

Der eine hält Panzer auf, der andere entkommt der tödlichen Explosion

Maria Amann erzählt von einer Menschenmenge, die sich auf einer Autobahn versammelt hat. Ein einzelner Mann löst sich aus ihr – und stellt sich einer Kolonne Panzer entgegen. Marius Bechen ist der lässige erfahrene Vielflieger. Doch plötzlich merkt er bei der Landung: Da stimmt etwas nicht. Das Flugzeug bricht auseinander, die Passagiere können fliehen, er versucht noch einen eingeklemmten Jungen zu retten – die Maschine explodiert.

Schließlich noch – vom Band – eine vierte Geschichte. Ein Attentäter, der es gezielt auf Jugendliche abgesehen hat: Sie seien – schon früh indoktriniert – diejenigen, die in der Zukunft der Islamisierung Europas den Weg bereiten.

Alles ist erfunden — und doch irgendwie bekannt

Das alles ist erfunden und erinnert doch an tatsächliche Ereignisse: Etwa die Erschießung des rumänischen Herrscherehepaares Ceausescu und die Korruption, die das ehemals kommunistische Land bis heute beherrscht. An die Fotos von den Männern, die sich 1968 in Prag den russischen Panzern oder 1989 auf dem Pekinger Tianmen-Platz den Panzern der chinesischen Volksarmee entgegenstellten. Oder an den Attentäter von Oslo, der 2011 77 Menschen, vor allem Jugendliche in einem Zeltlager tötete. Aber hat der sich als Muslima verkleidet?

Etwas ist passiert. Etwas ist nicht passiert. Zwei Sätze, die mehrfach gesprochen werden. Erst im Nachhinein wird klar, welcher Satz zutrifft. Und wann er seine Wertigkeit erhalten hat.

Zwei Jahre lang lag das Stück beim Freien Werkstatt-Theater in der Schublade, erzählt Ko-Intendant Gerhard Seidel. Jetzt habe man es – passend zum Motto „Lüge und Wahrheit“ der aktuelle Spielzeit – endlich auf die Bühne gebracht. Es wurde Zeit – der Premierenbeifall nach 70 Minuten bestätigt ihn.

„Möglicherweise gab es einen Zwischenfall“ – die nächsten Vorstellungen: 4., 5., 16. und 17. November, jeweils 20 Uhr, Freies Werkstatt-Theater, Freies Werkstatt-Theater, Zugweg 10, 50677 Köln, Tel. 02 21 / 32 78 17, www.fwt-koeln.de.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

konzert_pixabay_03062020

München | Der Chef des Ticketvermarkters und Eventveranstalters Eventim, Klaus-Peter Schulenberg, rechnet damit, dass Konzerte und andere Großveranstaltungen noch für viele Monate nicht stattfinden können. "Ich glaube, dass es erst wieder Veranstaltungen geben kann, wenn es einen Impfstoff oder ein wirksames Medikament gibt. Da werden wir noch einige Zeit warten müssen", sagte Schulenberg einem Podcast von "Capital", "Stern" und n-tv.

kultur_walk_step_02062020

Laura Kuhlen und Meik Gudermann sind zu Fuß 750 Kilometer von Köln nach Berlin unterwegs, um auf die Situation der Kulturschaffenden aufmerksam zu machen.

Köln | Die Corona-Pandemie hat bundesweit für die gesamte Kulturszene den Stillstand gebracht. Mit dem Shutdown Mitte März wurden alle Kulturbetriebe geschlossen und sämtliche Einnahmen brachen für die Kulturschaffenden auf und hinter der Bühne mit einem Schlag weg. Besonders die privaten Kulturbetriebe kämpfen jetzt um ihre Existenz. Insgesamt gibt es in Deutschland mehr als 5000 Bühnen und Veranstaltungsstätten – viele könnten die Krise nicht überleben. Grund genug für Lauta Kuhlen (26) und Meik Gudermann (31) mit einer außergewöhnlichen Aktion auf die Situation, die Hunderttausende Jobs in Gefahr bringen könnte, hinzuweisen.

volksbuehne_step_29052020

Von Juni bis zum August gibt es im Theater an der Aachener Straße 30 Veranstaltungen. Die Zahl der Plätze wurde deutlich reduziert.

Köln | Theatermachen unter den Bedingungen der Corona-Pandemie ist eine echte Herausforderung, der man sich stellen muss. Das hat auch die Volksbühne am Rudolfplatz erfahren, die am 8. Juni wieder ins Rampenlicht zurückkehrt. 30 Veranstaltungen sind bis zum August geplant und für jede muss ein eigenes Hygienekonzept vom Gesundheitsamt genehmigt werden. Auch im Saal gibt es Veränderungen – so wurden einzelne Sitzreihen entfernt und die Zahl der Plätze von 400 auf 130 reduziert.

KOMMUNALWAHL 2020

wahlbox

Report-K berichtet intensiv über die Kommunalwahl am 13. September 2020. Hier finden Sie alle Informationen rund um die Kommunalwahl, Interviews mit Kandidatinnen und Kandidaten. 2020 wählt Köln einen neuen Rat, 9 Bezirksvertretungen, den Integrationsrat und eine oder einen Oberbürgermeisterin oder Oberbürgermeister. Hier finden Sie alle Infos zur Kommunalwahl 2020 in NRW >

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

3_g_10012020klein

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >