Kultur Bühne

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Sie sind die Hauptpersonen an Bord der „Nautilus“: Oliver Schnelke als Pierre Aronnax, Michl Thorbecke als Kapitän Nemo und Irene Schwarz als Waljäger Ned Land (v.l.). Foto: Rene Achenbach / NN-Theater

NN-Theater-Festival: Begeisternder Start mit „20.000 Meilen unter dem Meer“

Köln | Mit „20.000 Meilen unter dem Meer“ schrieb Jules Verne vor fast 150 Jahren einen Roman über die Schwierigkeit, auf dieser Welt eigenmächtig Gerechtigkeit zu finden. Jetzt fiel er in die Hände des NN-Theaters, das ihn auf bewährte Art in die Gegenwart verpflanzte. Beim Festival im Südstadt-Friedenspark hatte das Stück jetzt seine Köln-Premiere und wurde begeistert gefeiert.

Wenn sich das NN-Theater einen Klassiker vornimmt, bleibt meist kein Stein auf dem anderen – was aber alles andere als Abriss bedeutet. Im Gegenteil – es entsteht etwas verblüffend Neues. So auch hier. Weil dem Ensemble die Romanvorlage zu „männerlastig“ vorkam, verschränken sie es mit Shakespeares „Sturm“ (wobei es durchaus Anknüpfungspunkte gibt) – und siehe da: Jetzt hat Kapitän Nemo (Michl Thorbecke) eine Tochter Miranda und aus Shakespeares Inselherrscher Prospero wird eine haschrauchende Zauberin. Voilá – zwei wunderbare Rollen für Christine Per und Irene Schwarz.

In Köln geht Kapitän Nemo mit Prosperos Tochter auf Tauchfahrt

Doch kurz die Grund- und Fast-Originalstory: Kapitän Nemos Frau und Sohn wurden ermordet, doch weil ihm keine Gerechtigkeit widerfuhr, baute er sich das U-Boot „Nautilus“ und macht nun als einsamer Rächer die Ozeane unsicher. Sein U-Boot wird für ein Meerungeheuer gehalten, der französische Wissenschaftler Pierre Aronnax (Oliver Schnelke) will das Geheimnis lösen. Doch sein Forschungsschiff wird von der Nautilus gerammt, und Arronax gerät mit seinem Begleiter, dem Harpunier Ned Land (Irene Schwarz kann auch Macho) in Kapitän Nemos Gefangenschaft. Während Land dauernd auf Flucht sinnt, ist Arronax fasziniert von den Möglichkeiten, Unterwasser-Studien betreiben zu können.

Währenddessen ziehen die Zauberin und ihr Gehilfe Ariel (Michl Thorbecke) die Fäden des Geschehens, können es durch ein Fingerschnipsen stoppen und wieder weiterlaufen lassen. So werden Arronax und Miranda ein Liebespaar und entkommen auf eine Insel – die von Prospero? Vergessen ist Nemo.

Perfekt vereint: Shanties, Charles Trenet und Shakespeare-Verse

Nicht vergessen ist das Heute. Die plastikvermüllten Meere kommen zur Sprache, die Zerstörung des Meeresbodens durch Rohstoffsuche und Ölbohrungen, das Leerfischen der Ozeane. Auch Gewalt und Selbstjustiz werden verhandelt. Das jedoch nie mit erhobenem Zeigefingern, sondern mit eher schnoddriger, wenngleich eindringlicher Beiläufigkeit. Verpackt mit viel Witz, mal fein gesponnen, mal kalauernd, aber immer zielgenau treffend. Dazu Shanties und Charles Trenet, Shakespeare-Verse, fangfrische Silberfische und ein laktosefreie Aufzug. Kurz: eine unterhaltsame, abwechslungsreiche Mischung aus Klamotte, Poesie und ernsten Tönen. Volkstheater vom Besten.

Wie immer verblüfft das Ensemble – wozu auch die Musik und Geräusche von Anne Hartkamp und Bernd Kaftan gehören – nicht nur rasant in wechselnde Kostüme, sondern auch in die die damit verbundenen Charaktere zu schlüpfen. Hinzu ein Bühnenbild, das mit einfachsten Mitteln Insel und U-Boot in sich vereint. Schließlich die phantasievollen Requisiten: Da wird ein Reif zum Steuerrad und dann zum Bullauge, durch das Arronax staunend in die dunkle Tiefe blickt, davor tanzen Zitronenfische ein poetisches Ballett: gefertigt aus den gelben Plastikfläschchen für Zitronensaft. Und mit viel Plastikfolie lässt sich auch faszinierender Oktopus zum Leben erwecken.

Da blieb dem Publikum zum Schluss nur, mitzusingen und lange Beifall zu spenden.

Mit „20.000 Meilen unter dem Meer“ eröffnete das NN-Theater sein Open-Air-Sommerfestival im Südstadt-Friedenspark. Jules Vernes Dramatisierung steht dort noch am heutigen Freitag und morgen auf dem Pogramm. Am Montag (16. Juli) gibt es „Luther – Ich fürchte nichts“, am Dienstag „Metropolis“. Den Schlusspunkt setzt „Der Brandner Kaspar“ am Mittwoch, 18. Juli. Beginn jeweils 20.30 Uhr.

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