Kultur Bühne

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„Wenn ich nicht hier bin“: Der Bus hat eine Panne? Kein Problem, Hauptsache die Butterbrotdose ist gut gefüllt.

„Old School“ weckt im Schauspiel die Reiselust

Köln | Die offizielle Eröffnung der Spielzeit steht für das Schauspiel erst am kommenden Freitag mit „Peer Gynt“ – inszeniert von Hausherr Stefan Bachmann – an. Am vergangenen Sonntag preschte das Ensemble „Old School“ schon einmal vor und begeisterte sein Publikum mit „Wenn ich nicht hier bin“, einen Dreiteiler über Frust und Lust des Reisens.

„Old School“ – das sind 30 Laien zwischen 60 und 85 Jahren, überwiegend Frauen, die sich am Schauspiel zum Theater spielen zusammengefunden haben. „Wenn ich nicht hier bin“, ist schon ihre dritte Produktion. Diesmal erzählen sie, was das Reisen für sie bedeutet, teils mit eigenen Erlebnissen und Erfahrungen, teils vagabundieren sie durch die Reise-Weltliteratur.

Bus, Kreuzfahrt und zu Fuß sind ihre Angebote an das Publikum. In drei Gruppen aufgeteilt, führt jeweils ein Sextett durch den „Carlsgarten“, den begrünten Vorhof zu den Interimsspielstätten des Schauspiels auf dem ehemaligen Gelände der Kabelfabrik Felten & Guilleaume in Mülheim. Nach jeder „Reise“ wird gewechselt, der Zuschauer kommt also in den Genuss aller Fortbewegungsarten. Ungefragt mischt sich auch der Flugreiseverkehr ein: Die Spielstätte liegt direkt in der Einflugschneise des Kölner Flughafens.

Wenn der deutsche Tourist auch ein Vertreter von Nazi-Deutschland ist

Am persönlichsten ist die „Busreise zur Loreley“. Weil der Bus dummerweise eine Panne hat, gibt es für die sechs – in diesem Fall nur Frauen – genug Zeit, eigene Erfahrungen und Einschätzungen auszutauschen. Die Neugier auf Unbekanntes zu stillen, war und ist allen eigen. Das wollen sie nach Möglichkeit bis zum letzten Atemzug, wenn der Körper denn mitmacht. Und zur Not: Auch in Köln lassen sich Abenteuer erleben.

Doch mischen sich in die schönen Erinnerungen auch weniger angenehme Erinnerungen und Gedanken. Etwa im Ausland auf die NS-Vergangenheit Deutschlands angesprochen zu werden – eine Vergangenheit, über die in Familie und Schule nicht gesprochen wurde. Oder das schlechte Benehmen anderer deutscher Touristen, das zum Fremdschämen verleitet. Und nachdenklich werden alle, wenn es um die letzte Reise geht. Da hilft nur ein Griff in die mitgebrachte Butterbrotdose.

Wenn ein Steinschlag das Besteigendes Monte Carlo verhindert

„Bitte Rasen nicht betreten“ steht auf dem Grashügel im Carlsgarten. Für die Wandergruppe mit zünftigen Wanderschuhen und Rucksack hat er sich in den Monte Carlo verwandelt. Betreten werden kann er trotzdem nicht, denn ein Steinschlag versperrt den Aufstieg. Vergeblich bemüht sich der Wanderführer, die Steine wegzuräumen und kurvt die gut 25 Minuten, die jede der Reiseepisoden dauert, mit einer Schubkarre im Kreis herum.

Derweil unterhalten seine Mitstreiterinnen das Publikum mit Hymnen auf die Vielfalt der Natur, an Blumen und Kleingetier. Sie ergötzt sich an den Idyllen des Verfalls – was unweigerlich an die eigene Vergänglichkeit erinnert. Da bleibt dann nur noch der individuelle Abmarsch, nachdem man zuvor noch einen Dylan-Song angestimmt an.

Wenn auf der Kreuzfahrt die Langeweile um sich greift

Schließlich die Kreuzfahrt. Da heißt es, sich für die Welt der Gutbetuchten und betagten elegant zurecht zu machen: Weißer Hut, weißer Anzug, Sonnenbrille, Fotoapparat und Filmkamera nicht vergessen. Die Brücke zwischen zwei Containern wird mit Liegestühlen zum Promenadendeck eines Luxusliners. Lässig an die Reling gelehnt, blickt man in die Weite des Meeres. Wäre da nicht die Langeweile, die vergeblichen Anbandelungsversuche...

Und überhaupt: Ist es moralisch vertretbar, bei den Landausflügen in fernen Ländern die Armut zu besichtigen? Und wie steht es mit dem Umweltschutz, wenn Kreuzfahrtschiffe mit giftigem Schweröl betrieben werden?

„Wenn ich nicht hier bin“ – das sind gut 80 Minuten unterhaltsames Nachdenken über das Reisen, das vor allem im Kopf stattfindet. Wer danach kein Fernweh hat, ist selber schuld.

„Wenn ich nicht hier bin“ – weitere Vorstellungen: 20. und 24. September (jeweils 17 Uhr), 1. Oktober (16 Uhr), Schauspiel Köln im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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