Kultur Bühne

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Oberbürgermeisterin Henriette Reker bei der virtuellen Pressekonferenz (Screenshot) zum Opern-Desaster und der Findungskommission zur Intendanz der Kölner Oper.

Opernbau in Köln erneut teurer und später fertig

Köln | Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker und der technische Betriebsleiter Bernd Streitberger informierten über den Sachstand zur Baustelle Oper Köln. Die könnte vor dem Hintergrund aller Risiken erneut teurer werden. Die Kalkulation beläuft sich auf 72,9 Millionen Euro und statt dem 3. Quartal 2023 sollen die Schlüssel jetzt erst im 1. Quartal 2014 übergeben werden. Aktuell ist der Rohbauer insolvent und damit muss dieses Gewerk neu ausgeschrieben werden. Zudem hat die Oberbürgermeisterin eine Findungskommission unter ihrer Führung eingesetzt, die eine neue Intendantin oder Intendanten finden soll. Die Kölner FDP kritisiert die Kostenexplosion an der Kölner Opernbaustelle.

Kölnerinnen sollen ab Mitte des Jahres wieder Bauarbeiten am Offenbachplatz sehen

Ab Mitte des Jahres soll an der Kölner Opernbaustelle am Offenbachplatz auch wieder von außen Baubetrieb zu sehen sein, verspricht die Kölner Oberbürgermeisterin. Sie ist überzeugt davon, dass die Stadt und die Kölner Bürgerinnen und Bürger die Bühnen brauchen als Ort der Begegnung, der neuen Erfahrung, der Unterhaltung, des Diskurses, neuer Erfahrungen, Begeisterung, Auseinandersetzung und Streit. Reker erinnerte an die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, den Wiederaufbau und dass sogar Maria Callas an der Kölner Oper bereits gesungen habe.

Die Frage der Intendanz will die Kölner Oberbürgermeisterin jetzt schnell klären und dazu hat sie unter ihrer Führung eine sechsköpfige Findungskommission eingerichtet. Auch die Kölner Personalberatung ifp sei eingeschaltet. In der Findungskommission sind neben der OB, auch Kölns Kulturdezernentin Susanne Laugwitz-Aulbach, Stefan Englert, Managing Director des Gürzenich Orchesters, Pamela Rosenberg, Intendantin der Berliner Philharmoniker, Peter Theiler, Intendant der Semperoper Dresden und Viktor Schoner, Intendant der Staatsoper Stuttgart. Reker will eine schnelle Neubesetzung, die eine klare Ausrichtung der Intendanz auf die Wiedereröffnung der Oper hat und diese präzise vorbereiten kann. Die Findungskommission tagte bereits am vergangenen Freitag via Videokonferenz.

Baukosten könnten bei 644 Millionen Euro landen

Der frühere Kölner Baudezernent Bernd Streitberger, den OB Reker als Technischen Betriebsleiter einsetzte, beschrieb die aktuelle Situation an der Opernbaustelle und die Kosten. Insgesamt erwartet Streitberger Baukosten von 618 Millionen Euro. Bei einer höheren Risikoannahme summieren sich diese auf 644 Millionen Euro. Nicht eingerechnet sind dabei die Kosten für das Interim und die Finanzierungskosten. Wer diese zu den Baukosten addiere, der handele nicht korrekt stellte Streitberger fest. Vor allem die Baunebenkosten stiegen auf rund 240 Millionen Euro. Dies, so Streitberger hänge mit der Havarie der Baustelle zusammen. Jetzt muss Streitberger den Rohbau neu ausschreiben lassen, weil das Rohbauunternehmen pleite ging. Allerdings sei hier bereits die Ausschreibung erfolgt und er rechne mit der Verlesung der eingangenen neuen Angebote der europaweiten Ausschreibung am 9. Februar. Streitberger machte noch einmal auf die Komplexität der Baustelle und der Ausschreibungen aufmerksam. In den 2.280 Räumen befänden sich alleine über 190.000 Einzelpositionen die neu ausgeschrieben wurden. Diese seien jetzt alle so überprüft, dass sie sowohl zum Gebäude, als auch zueinander passten. Bei den abgeschlossenen Ausschreibungen die im vergangenen Jahr durchgeführt wurden ist die Auftragssumme von kalkulierten 34 Millionen auf 49,5 Millionen Euro gestiegen. Die bisher prognostizierten Finanzierungskosten der Baukosten in Höhe von 554,1 Millionen Euro (ohne Risikozuschläge) lag bisher bei 287 Millionen Euro. Durch die niedrigen Zinsen sind die Finanzierungs- und „sonstigen“ Kosten nach aktuellem Stand um 27 auf 260 Millionen Euro korrigiert worden.

Interim gesichert?

Oberbürgermeisterin Henriette Reker erklärte, dass es beim Interim keinen Zeitdruck gebe. Dieses, so Streitberger, sei bis 2022 gesichert. Aber eine Weiterführung des bisherigen Interims sei nicht gefährdet. Streitberger betonte, er lasse sich bei den Planungen und Ausführungen auf der Baustelle davon auch nicht beeindrucken. Reker kann sich vorstellen, dass die neue Intendanz rund ein halbes Jahr benötige, um nach der Schlüsselübergabe den Spielbetrieb aufzunehmen. Streitberger betonte, er werde spielfertige Häuser übergeben.

FDP mit klarer Kritik

Die FDP-Ratsfraktion kritisiert die Kostenexplosion der Kölner Bühnen. „Die düsteren Vorahnungen zu Kosten und Terminen scheinen sich nun zu realisieren. Wir erwarten allerdings, dass die jetzt bekannt gegebenen Rahmendaten nach der inzwischen schon vierjährigen Bestandserhebung und Neuplanungsphase verlässlich sind und nicht bald von neuen Hiobsbotschaft überholt werden. Das Projekt muss endlich zuverlässig in die Fertigstellung geführt werden. Das bedeutet auch, dass die nun erarbeiteten Planungen einen ungestörten Bauverlauf garantieren müssen. Wir erwarten dazu klare Aussagen von Herrn Streitberger. Zu vieles wurde in Rahmen dieses Projektes schon versprochen und spektakulär nicht eingehalten. Die jetzt vorzulegende Planung wird sich gründlichen Fragen nach ihrer Machbarkeit stellen müssen. Die FDP-Ratsfraktion vertritt seit Jahren die Auffassung, dass die Fehler der Vergangenheit schonungslos aufgeklärt werden müssen, um die Zukunft erfolgreich zu gestalten. Der neu gewählte Rat der Stadt Köln sollte endlich ein unabhängiges Sachverständigengutachten in Auftrag geben, nach dem sich das Zeitfenster zur Wiedereröffnung der Bühnen verdoppelt und sich die mit der Sanierung verbundenen Kosten vervierfacht haben“, so Lorenz Deutsch, kulturpolitischer Sprecher der FDP-Ratsfraktion.

Die kulturpolitische Sprecherin der SPD-Ratsfraktion Maria Helmis: „Die Sanierung ist und bleibt ein Fass ohne Boden. Die Budgeterhöhungen kommen mittlerweile so regelmäßig, dass man die Uhr danach stellen kann. Von ursprünglich 253 Millionen Euro sind die Kosten jetzt auf im schlimmsten Fall 643 Millionen Euro gestiegen. Für die Fehlentscheidung von CDU und Grünen, gegen den Rat aller Fachleute diese Sanierung zu beschließen, müssen nun die Kölnerinnen und Kölner die Quittung bezahlen. Dass der Rat und seine Gremien diese neuen Horror-Zahlen nun in einem Hau-Ruck-Verfahren absegnen soll, ist irritierend. Wir werden uns die Vorlage genau anschauen und uns ein Bild des aktuellen Standes der Sanierung machen. Die ständigen Verzögerungen und Kostenexplosionen beschädigen das Vertrauen in die Stadt schwer."

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