Kultur Bühne

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Der „Rechtsausleger“ (Felix Höfner), der „Strippenzieher“ (Slim Weidenfeld) und die „inhaltliche Kompetenz und kosmopolitisches Gesicht“ (Lucia Schulz) proben den Ersatz-Auftritt, weil Björn Höcke auf sich warten lässt. | Foto: Nö-Theatergruppe

Rechtsruck in 90 Minuten: „Inside AfD“ im Theater Tiefrot

Köln | Die AfD sitzt im Bundestag, doch wie mit ihr umgehen? Ignorieren – und damit verharmlosen, oder thematisieren – und damit eine Bühne bieten? Im Theater Tiefrot hat die „Nö-Theatergruppe“ mit ihrem Stück „Inside AfD“ eine dritte Möglichkeit gefunden: Dokumentieren. Das ist politisches Theater, wie es die Zeit erfordert.

Der Zähler kommt gar nicht mehr mit, die Zahl wird immer größer. Gezählt wird, wie oft das Wort „AfD“ auf der Bühne fällt. Vielleicht zu oft, wie überhaupt in der letzten Zeit, insbesondere vor der Bundestagswahl. Der Partei wurde so erst eine Bühne geboten, auch die Medien seien am Aufstieg der rechten Partei Schuld, so der Vorwurf.

Irgendwann löst das auch einen abstumpfenden Effekt aus. Zu oft gehört, zu häufig gelesen, nichts Besonderes mehr. Jetzt, wo 92 AfD-Abgeordnete im Bundestag sitzen, ist es jedoch an der Zeit, die Strukturen und Strategien der Partei auf der Bühne zu präsentieren – und zu entlarven.

Das Triumvirat der AfD: Rechtsausleger, Strippenzieher, inhaltliche Kompetenz

Das gelingt der „Nö Theatergruppe“, die „Inside AfD“ im Theater Tiefrot aufführt. Sie präsentiert die drei typischen AfD-Funktionäre: Die „inhaltliche Kompetenz und kosmopolitisches Gesicht“ (Lucia Schulz), eine intellektuell-arrogante Theoretikerin mit Hang zur Hysterie nach dem Vorbild von Alice Weidel. Der „Strippenzieher“ (Slim Weidenfeld), ein größenwahnsinnig-beschwörerischer Koordinator, der mit seiner Dackel-Krawatte an Alexander Gauland erinnert. Der „Rechtsausleger“ (Felix Höfner), der dümmlich-ideologische Hipster der Identitären Bewegung, dem es gelingt, rechtes Gedankengut im Netz zu verbreiten.

Realsatire, Dystopie und politisches Theater – genau zur rechten Zeit

Die Charaktere sind auch die große Stärke des Stücks. So stereotyp sie sind, so wahrhaftig bilden sie auch das ab, was die AfD ausmacht. Die drei sitzen auf einer satten, grünen Lichtung eines deutschen Waldes (Bühne: Marek Mauel). Sie warten auf ihren großen Redner – Björn Höcke, – der jedoch nicht auftaucht. Also muss Ersatz her. Regisseur Janosch Roloff, der auch für den Text verantwortlich zeichnet, arbeitet hier mit vielen Redundanzen: Ganze Dialoge werden wiederholt und wiederholt. Das erinnert an AfD-Strategien, die immer denselben Mustern folgen. Ob Schießbefehl, Jerome Boateng als Nachbar, „Denkmal der Schande“: Die Empörungs-Kette gleicht sich. Jeder neue Tabubruch verschiebt die Grenze des Sagbaren, analysiert die „inhaltliche Kompetenz“ treffend.

Je länger die drei auf Björn Höcke warten, desto größer wird der Personenkult um ihn, bis sich ein Mythos bildet. Das ist genau nach dem Geschmack der Partei – und zugleich ein dunkler Blick in die Zukunft. So düster sie ist, so lustig sind die ganzen 90 Minuten auch, was nicht nur, aber vor allem an den musikalischen Einlagen liegt. Da dringt sich die Frage auf: Woher stammt die Komik auf der Bühne, wo die Realität doch eher wütend macht? „Inside AfD“ ist Realsatire, Dystopie, politisches Theater, zur rechten Zeit.

„Inside AfD“ – die nächsten Vorstellungen: 21., 22. und 23. November, 25., 26. und 27. Januar, jeweils 20.30 Uhr, Theater Tiefrot, Dagobertstr. 32, 50668 Köln

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