Kultur Bühne

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Beim Maskenball hat es gefunkt: Die tragische Liebesgeschichte zwischen Julia (Kristin Steffen) und Romeo (Thomas Brandt) nimmt ihren Lauf.

„Romeo und Julia“ begeistern im Schauspiel

Köln | Eine junge Liebe voller Hoffnungen, zerstört durch Zwist zwischen den Familien der beiden Verliebten: William Shakespeare gibt bei diesem Thema mit „Romeo und Julia“ seit gut 500 Jahren den Ton an. Immer wieder wurde sein Drama variiert und der Zeit angepasst. So jetzt auch von Pinar Karabulut im Schauspiel Köln: Sie wagt viel und gewinnt alles, nicht zuletzt ein begeistertes Publikum und langen Premierenbeifall belohnt.

„Cool“ und „ok“, selbst eine Beleidigung wie „arschglatte Fresse“ wirken hier nicht krampfhaft „modern“ aufgesetzt, wunderbar gliedern sie sich in Shakespeares Verse ein. Statt der tödlichen Florettduelle geht es hier mit Martial Arts zur Sache. Und auch laute Techno-Klänge, begleitet von grotesk-ekstatischen Tanzbewegungen passen zu dieser gekonnten Mischung aus Klassik und Jetzt.

Mit Techno beginnt es: ein Maskenball, bei dem sich Julia und Romeo zum ersten Mal begegnen – Liebe auf den ersten Blick. Ihre düsteren Masken lassen das spätere Ende ahnen. Doch jetzt herrscht erst einmal das Glück des ersten zärtlichen Kusses – und die Welt ringsum bleibt (fast) stehen. In Zeitlupe bewegen sich die anderen Akteure durch das Glaslabyrinth. Sobald der Kuss vorbei ist, verfallen sie wieder in ihre hektische Techno-Gestik.

Das Glaslabyrinth gestaltet das Spiel: Hier kann man sich verirren, Drehtüren öffen ungeahnte Abkürzungen (notfalls kann man auch drunter durch kriechen), man kann sich den kopf an den unsichtbaren Wänden stoßen, vor Spiegeln kapitulieren oder eine Pause zur Selbstbetrachtung einlegen. Kurz: ein ideales Spielfeld für die Tücken der Liebe und des Lebens überhaupt.

Hier also spielt sich das Drama ab: in rasantem Tempo, das aber immer wieder Zeit lässt für zärtliche und intime Momente. Also: erster Kuss, heimliche Trauung, Ablehnung der Verbindung durch Julias Mutter. Dann die tödliche Auseinandersetzung zwischen den männlichen Vertretern der verfeindeten Familien: Julias Vetter Tybaldt erschlägt Romeos Freund Mercutio, wird dann von Romeo getötet. Romeo wird verbannt, Julia soll Paris heiraten, den ihre Mutter für sie aus dem Zylinder zaubert.

Julia ist verzweifelt, erhält einen Gifttrunk, der sie für zwei Tage in Todesstarre versetzt. Der Plan: Paris kann sie nicht heiraten, und wenn Julia aufwacht, wird sie von Romeo entführt. Die Tragik: Pech: Romeo weiß nichts von diesem Plan – er kommt zu früh, erwürgt Paris, der an der Leiche Julias trauert, hält die Ehefrau für tot und begeht Selbstmord. Als Julia erwacht, erkennt sie den toten Romeo und ... Streng nach Shakespeare würde sie jetzt ebenfalls Selbstmord begehen. Doch das erspart Karabulut in ihrer ersten großen Inszenierung dem Publikum.

Muss auch nicht sein. Denn diesen mitleiderregenden Schluss braucht Kristin Steffen als Julia nicht. Sie hat das Publikum schon vorher auf ihrer Seite: zart, sensibel, gefühlvoll, aber in der Verzweiflung auch stimmgewaltig ist sie unbestreitbar der Mittelpunkt dieser Inszenierung.

Was nicht heißt, dass sie die anderen Ensemblemitglieder an die Wand spielt – alles andere als das!

Thomas Brandt durchlebt als Romeo ebenso die ganze Skala der Gefühle. Nikolaus Benda spielt Tybaldt mit der blinden Wut eines jungen Mannes, dem eine vermeintliche Familienehre über alles geht. Simon Kirsch und Nicolas Lehni sind Mercutio und Benvolio, die Freunde Romeos: stürmische halbstarke, aber doch um ihren Freund besorgt. Dann Yvon Jansen als Julias Mutter: Plateausohlen erhöht, affektiert, schrill, ganz um sich selbst kreisend, die Mitmenschen sind für sie nur Marionetten. Wie Mohamed Achnour als Paris: Er weiß nicht so recht, wie ihm als Ehemann in spe geschieht und trauert doch aufrichtig um Julia.

Nicht zu vergessen Benjamin Höppner und Sabine Waibel. Er als Bruder Lorenzo der Vertraute Romeos, sie als Amme Julias Vertraute. Er mit Heiligenbildchen behängt, sie mit sexy Minirock – so stellen sie nicht nur die Verbindung zwischen den Verliebten und Eheleuten her, sondern sind selber nicht frei von Liebesgefühlen. Die dürfen sie auch kurz ausleben, dabei sogar kurz die bekannten Worte von der Lerche und der Nachtigall zitieren. Da passt dann sehr zur Freude des Publikums auch die Kalauer-Frage: „Verstehst du was von Vögeln?“.

„Romeo und Julia“ – die nächsten Vorstellungen: 22. (18 Uhr) und 26. Oktober, 3. und 4. November, jeweils 19.30 Uhr. Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

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