Kultur Bühne

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Foto: Manfred H Vogel

Romeo und Julia getanzt wie von einem anderen Stern

Köln | Adrienne Canterna legt mit „Romeo and Juliet“ eine grandios schnell geschnittene Inszenierung vor, die noch an diesem Wochenende im Kölner Musical Dome zu sehen ist. Von Vivaldi bis zu Top Hits von David Guetta bis Lady Gaga und Spitzentanz bis zu Hip Hop mit Street Credibility.

Ein Interview mit Adrienne Canterna von report-K finden Sie hier

Das Stück variiert zwischen romantischer Sehnsucht, ultralässiger Inszenierung, cooler Grafik, die den Rahmen der tänzerischen Ausformulierung des klassischen Liebesdramas bildet. Besonders stark die Schwarz-Weißen überdimensionalen Fotos etwa aus einem Boxstudio, die dann wieder mit Bildern aus königlichen Ballsälen sich abwechseln. Diese schnellen Schnitte und ungewöhnlichen Brüche zwischen Moderne und Historismus gehört zu den absoluten Stärken des Stückes, auch wenn es für den einen oder andere Zuschauer und Zuschauerin zuerst einmal verblüffend wirkt. Da ist gerade noch Vivaldi und der Spitzentanz für einen Augenblick inszeniert und im nächsten Moment ist Breakdance zu sehen. Genial.

Der Tanz – atemberaubend

Tänzerisch ist das Stück bis ins minimalste Detail auschoreografiert. Keine einzige Bewegung ist willkürlich, dem Zufall überlassen, alles ist eins, wird zu einer Bewegung von Tänzer zu Tänzerin, wie eine Wellenbewegung, die von einem Arm in den anderen überfließt. Diese Szenen sind besonders und exemplarisch für den Stil, den Canterna inszeniert. Auch die Ausformulierung jeder einzelnen Szene und Bewegung sind ein Genuss. Nichts ist überhastet, alles ist exakt getaktet und getimed. Bei Canterna ist ihre klassische Ausbildung als Tänzerin und ihre Engagement beim Complexions Contemporary Ballet in New York City mehr als spürbar. Letzteres begeisterte das Publikum des Kölner Sommerfestivals mit seinen Inszenierungen zu Bach und Bowie.

Die Story kennt eigentlich jeder

„Romeo and Juliet“ ist in weiten Teilen modernes Storytelling, das mit den romantisierenden Elementen verwoben wird. Aus den Familien und deren Hauptprotagonisten, die typografisch vorgestellt werden, bilden sich zwei Gruppen, die ihre offene Feindschaft in Form von Gangs austragen. Shakespeare schrieb die Story im Alter von 20 Jahren und hat sich beim Plot bei anderen Autoren bedient, so viel scheint sicher. Ort der historischen Handlung ist Verona. Julia Capulet und Romeo Montague sind das historische Paar der verfeindeten Familien, die sich aufs Äußerste bekämpfen. Auf dem Maskenball verlieben sich die beiden und heiraten am nächsten Tag heimlich. Sie erleben eine einzige gemeinsame Nacht, Romeo ersticht Tybalt und muss nach Mantua fliehen. Julia soll mit Paris verheiratet werden und verhindert dies durch ein Elixier, dass sie in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Romeo findet sie, ist verzweifelt und tötet sich selbst. Den Plot übernimmt Canterna, aber sie inszeniert wie beschrieben ganz anders. Für diese Andersartigkeit ist Canterna bekannt, schließlich war sie es die mit „Rock the Ballet“ einen Welterfolg erzielte.

Der Musik-Mix

Vivaldis Vierjahreszeiten durchzieht die Inszenierung. Die modernen Titel kontrastieren mit Vivaldi: Run-DMC mit „Walk this way“, Katy Perry mit „Teenage Dream“, Charles Wright and the Watts 103rd Street Band mit „Express Yourself“, David Guetta feat. Usher mit „Without You“ oder Avicii mit „Wake me up“, um nur einige zu nennen.

„Romeo and Juliet“ ist ein tänzerisches Meisterwerk, grandios mit Licht und Bildern inszeniert.

Bis 5. Januar 2020 im Kölner Musical Dome.

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