Kultur Bühne

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Mark Rothko (Wolfgang Michael,r.) erwartet seinen neuen Gehilfen Ken (Elias Reichert).

„Rot“ im Schauspiel: Wolfgang Michael rettet zähen Kunstunterricht

Köln | Ein Malerfürst erklärt seinem Lehrling das Wesen der Kunst. Und den Wert des Künstlers für die Gesellschaft. Was zu einem zähen Grundseminar werden könnte, wird dank Wolfgang Michael zu einem packenden Theaterabend – vor allem seinetwegen endete die Premiere von „Rot“ in der Schauspiel-Außenspielstätte am Offenbachplatz mit langem Beifall und Standing Ovations.

Ob Mark Rothko – er steht im Mittelpunkt dieses Zwei-Personenstücks – tatsächlich der unangenehme Charakter war, wie ihn der amerikanische Autor John Logan darstellt, ist im Grunde unwichtig. Der US-Künstler, in den 1950er Jahren einer der führenden Vertreter des abstrakten Expressionismus, steht hier stellvertretend für das Klischee des selbstherrlichen, missionarischen Künstlers. An seinem Beispiel wird die Rolle des Künstlers in Gesellschaft und Wirtschaft sowie der Nutzend er Kunst für den Betrachter durchdekliniert.

Selbstbewusst, aufgeblasen, arrogant und besserwisserisch lässt Rothko alleine seine Kunst gelten. Dass er seine Auffassung durch seine Kenntnisse in Philosophie, Psychologie und Kunstgeschichte untermauern kann, macht ihn – so wie er damit protzt – nicht sympathischer. Und der Stolz, mit der er seinen Sieg und den seiner Zeit- und Stilgenossen über Picassos Kubismus feiert, bricht wie ein Kartenhaus zusammen, als ihn die jungen Pop-Artisten – „Arschlöcher“ wie Andy Warhol oder Roy Lichtenstein – aus den Galerien stoßen. Sie bringen den Alltag in die Kunst – und der hehre Anspruch auf Wahrheit, den Rothko mit seinem Werk verbindet, wird zu Staub zermalmt.

Michael spielt diesen Künstlertyp mit allen seinen Facetten, sein Spiel ist ein genuss für Augen und Ohren. Wie er sich in seinem Sessel fläzt, wie er knurrt und wütet, wie er großspurig seine Kunst erläutert und Kollegen und Betrachter verachtet. Wie er nur sich selbst gelten lässt und wie er seinen Gehilfen Ken (Elias Reichert) anschnauzt, runterputzt, ihm Befehle erteilt.

Bewunderswert, wie Reichert sich gegen seinen Arbeitgeber behauptet und unter der Regie von Melanie Kretschmann nicht zum bloßen Stichwortgeber degradiert wird. Ken ist zu Rothko gekommen, um zu lernen, will selber Maler werden – was Rothko einen Dreck interessiert. Trotzdem entwickelt sich Ken langsam, auch wenn der Meister sich seine Bilder nicht anschaut.

Zum Schluss kann Rothko dann doch noch einige Pluspunkte sammeln. Selbstherrlich hatte er den Auftrag angenommen, für das Restaurant in einem neuen Wolkenkratzer Wandbilder zu schaffen. Für ihn keine Dekorationsaufgabe, sondern die Gelegenheit, die Gäste mit seiner Kunst zu überwältigen, wie er großkotzig überzeugt ist. Pustekuchen: Die Menschen fressen und saufen lieber das Teuerste, als auf seine Bilder zu sehen. Rothko ist konsequent und zieht seine Bilder zurück.

„Rot“ – die nächsten Vorstellungen: 31. Januar, 1. und 6. Februar, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Außenspielstätte am Offenbachplatz, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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