Kultur Bühne

ehu_26417

Die Gelassenheit vor der künftigen Arche Noah täuscht: Das jugendliche „Import Export Kollektiv“ nimmt den Klimawandel ernst.

Schauspiel Köln: „Zehn Milliarden – ohne uns“ oder die Welt geht unter

Köln | An Fakten fehlt es nicht im Theaterstück „Zehn Milliarden – ohne uns“. Schließlich hat sich das junge Laien-Ensemble des Schauspiels dafür den gleichnamigen Bestseller von Stephen Emmott vorgenommen. Thema: Zunahme der Erdbevölkerung, Klimakatastrophe, der Wohlstand der Ersten auf Kosten der Dritten Welt und wie alles zusammenhängt.

„Import Export Kollektiv“ heißt die Bühnentruppe, die derzeit aus 21 jungen Frauen und Männern besteht, eine Multikultigruppe par excellence. In wechselnder Zusammensetzung tragen sie Thesen und Zahlen vor. Hülfe es, möchte man Faktenleugnern wie Trump oder anderen Populisten einen Besuch empfehlen.

Unter der Regie von Bassam Ghazi ist das flott, abwechslungs- und gestenreich, voller Schwung (manchmal etwas zu schnell und dadurch unverständlich). Doch überwiegt der Ernst. Spaß, Witz, Ironie kommen in den rund 100 Minuten kaum vor.

Starke Gesangsnummern lockern den ernsten Vortrag auf

Starke Gesangsnummern – kleine Höhepunkte, begleitet von Arman Sigarchi (arabische Laute Oud) und Syavash Rastani (persische Trommeln Tonbak und Daf) – lockern dann doch etwas auf. Hinzu kommen starke persönliche Kommentare (ein Mitglied „möchte kotzen“ ob der Untätigkeit von Politikern) und berührende Momente. Etwa wenn zwei Frauen diskutieren, ob das Mutterglück eines eigenen Kindes angesichts drohender Überbevölkerung vertretbar ist oder frau nicht besser ein Kind adoptieren soll. Der Disput endet unentschieden – und dann streicheln beide zärtlich den Bauch einer hochschwangeren Mitspielerin, die nur für diese Szene auf die Bühne kommt.

Zehn Milliarden Menschen – so viele werden für das Jahr 2050 prognostiziert. Daran möchten die 21 keinen Anteil haben. Doch wie dies verhindern? Von den Politikern ist wenig zu erwarten – eine etwas billige Schelte. Revolutionen? Die verkehren sich oft ins Gegenteil. Also bei sich selber anfangen, überflüssigen Konsum zu vermeiden.

Mit einem Salzkorn kann die Veränderung beginnen

Doch aufgepasst: Was wir auf der Nordkugel der Erde weniger verbrauchen, müssen die auf der Südhalbkugel mehr brauchen, wollen sie nicht verhungern. Nicht zu vergessen: die drohende Wasserknappheit. Auf welche Arche Noah kann sich die Menschheit retten? Das Segelboot, das die Bühne beherrscht, dürfte zu klein sein.

Der kleine Trost zum Schluss: Die Veränderung kann mit einem Salzkorn beginnen. So wie es Mahatma Gandhi geschafft hat: Durch massenhaften zivilen Ungehorsam schaffte er in Indien die von den britischen Kolonialherren verhängte Salzsteuer ab.

„Zehn Milliarden – ohne mich“
Die nächsten Vorführungen: 27. April, 5. Mai, jeweils 20 Uhr
Schauspiel Köln, Depot 2 im Carlswerk
Schanzenstr. 6-20
51063 Köln-Mülheim

Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

theater_Mirko_Plengenmeyer_ehu_23_06_17

Köln | Seit Jahren treffen sich die fünf zu einer „coolen“ Silvesterparty. Doch diesmal läuft die Stimmung aus dem Ruder: Statt fröhlich auf das neue Jahr anzustoßen, sind plötzlich lautstarke Selbstzweifel angesagt. In „Nicht jetzt!“ bündeln sich die Fragen nach der Zukunft und dem Selbst. Jetzt hatte das Stück Premiere im Freien Werkstatt-Theater.

MeyerOriginals_ehu_22_06_17

Köln | „Es hat sich bewährt, die Spielzeit unter ein Motto zu stellen“, sagt Gerhard Seidel. „Man muss sich aber auch eng daran halten“, ergänzt der Ko-Chef des Freie Werkstatt-Theaters (FWT). Für die kommende Spielzeit 2017/18 steht das Programm unter dem Leitthema „Lüge und Wahrheit“. Fünf Neuproduktionen werden sich damit beschäftigen.

Berlin | Der Filmregisseur Wim Wenders hat anfängliche Vorurteile gegenüber der Kunstform Oper gehabt: "Oft habe ich in der Oper bald das Interesse verloren, visuell zumindest, und gedacht, wenn ich die Augen zumache, gefällt es mir besser", sagte Wenders anlässlich seiner Inszenierung an der Berliner Staatsoper der Wochenzeitung "Die Zeit".

icons_sm_12092015w

Facebook     |     Twitter     |     RSS

digital_21122014

Aktuelle Nachrichten zur Netzpolitik und Netzökonomie in Deutschland.
---
Digitale Gadgets