Kultur Bühne

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Von der Mutter (Lola Klamroth im Video) kritisch beobachtet: Karl (Simon Kirsch) und auf seinem Schoß Bruder Erich (Justus Maier). | Foto: Krafft Angerer / Schauspiel

Schauspiel begeistert mit Alfred Döblins „Pardon wird nicht gegeben“

Köln | Man nehme einen vergessenen gesellschaftskritischen Roman, ein hervorragendes Ensemble, ein Inszenierungskonzept ohne Mätzchen und krampfhafte Bezüge auf heute – und heraus kommt ein überrascht aktueller, spannender Theaterabend. Rafael Sanchez gelingt dies mit Alfred Döblins 1934 im Pariser Exil geschriebenen „Pardon wird nicht gegeben“ als deutsche Erstaufführung im Schauspiel.

Auf der Bühne steht ein Glaskasten, daraus dringt die knarzende, vor sich hin brabbelnde Stimme Martin Reinkes, er wird auch Erzähler durch das Stück führen. Verständlich werden erst seine Wort „Pardon wird nicht gegeben“: Mit dieser Parole schickte 1900 Kaiser Wilhelm II. deutsche Soldaten gegen den „Boxeraufstand“ nach China. Auch in diesem Stück gibt es am Ende kein Pardon.

Ein junger Mann sucht seine gesellschaftliche Position

Es ist eine Geschichte aus der Weimarer Republik. Die wird noch geprägt von der Kaiserzeit, von preußischen „Tugenden“ und den Folgen des Ersten Weltkriegs. Es ist die Geschichte des jungen Karl (Simon Kirsch spielt ihn in allen Facetten und mit all seinen Widersprüchen). Als Kind kam er als Ältester mit Bruder und Schwesterchen aus der Provinz nach Berlin. Für seine Mutter und die drei Kinder der hoffnungsvolle Weg aus der vom verstorbenen Vater verschuldeten Armut.

Karl soll – so die Mutter (Lola Klamroth zunächst als verhärmte Frau, dann als stolze Fabrikbesitzermutter mit ondulierter Blondperücke im Charleston-Look) – den Vater als Ernährer der Familie ersetzen. Doch Arbeit ist nicht zu finden. Hoffnungslos und verzweifelt will die Mutter Selbstmord begehen, wird aber von Karl gerettet. Der ist inzwischen in den Bann des jungen Revolutionärs Paul (Nikolaus Benda als geradezu klassischer und klassenbewusster Proletarier), dessen Gruppe mit Attentaten den Kapitalismus besiegen und die Klassenfrage lösen will. Doch die Mutter verhindert, dass sich ihr Sohn der Revolte anschließt. Es reicht, ihn im Zimmer einzusperren.

Aus der Arbeitslosigkeit zum Fabrikbesitzer

Während Paul im Gefängnis landet, beginnt für Karl der wirtschaftliche und gesellschaftliche Aufstieg. Das hat er seinem Onkel (Martin Reinke) zu verdanken. Der hat schon vorher die Schwester Mariechen (Ida Marie Fayl im Wechsel mit Fritza Zöllich) aufgenommen, die aber früh stirbt. Karls Bruder Erich (Justus Maier schüchtern und etwas unbedarft den großen Bruder verehrend) ermöglicht er die Ausbildung zum Apotheker. Nun also Karl: Er gibt ihm Arbeit in seiner Möbelfabrik, macht ihn zum Prokuristen – und als er stirbt, erbt Karl das Unternehmen.

Dann heiratet Karl Julie (eine höchst selbstbewusste Ines Marie Westernströer im Pelzmantel). Er entpuppt sich als Macho, der in der Ehe auch nicht vor Gewalt zurückschreckt. Julie flüchtet sich in die Arme eines Angehörigen der französischen Botschaft (Nikolaus Benda überzeugt hier auch als auch Liebhaber). Wütend und enttäuscht sucht Karl eine Prostituierte (Lola Klamroth) auf (Lola Klamroth) und leitet schließlich die Scheidung ein.

Zufällig trifft er Paul wieder. Der erinnert ihn an die Zeit der Arbeitslosigkeit und will mit ihm den alten Kampf weiterführen. Es regnet Flugblätter vom Himmel, ein Aufruhr ist zu hören – und Paul wird von zwei Kugeln tödlich getroffen.

Oben und Unten sind genau getrennt

Sanchez inszeniert diese Biografie mit großer Strenge, greift dabei Döblins puzzle-artige und oft sprunghafte Erzählweise aus, wie sie aus „Berlin Alexanderplatz“ bekannt ist. Klar ist das gesellschaftliche Oben und Unten. Oben auf der Bühne zieht ein hell erleuchtetes Fenster die Blicke der Zuschauer an und gewährt Einblick in das Leben der Fabrikantenfamilie. Unten spielen sich Alltag, Klassenkampf und Ehe ab.

Im Hintergrund sieht man in Live-Vergrößerung hautnah die Emotionen der Akteure oder historische Aufnahmen von Aufmärschen, rauchenden Fabrikschloten oder Fabrikarbeitern. Auf vier TV-Monitoren wird das Politische und Private noch einmal widergespiegelt. Riesige Schatten heben das Geschehen in ein bedrohliches Umfeld. Reinke liefert am Klavier nicht nur schmissige Musik der Zeit, sondern zitiert auch Texte, die den Nationalsozialismus vorbereiteten – und heute weichgespült von der AfD-stammen könnten.

Nach drei Stunden – Pause inklusive – langer begeisterter Premierenbeifall.

„Pardon wird nicht gegeben“ – die nächsten Vorstellungen: 7., 12., 14., 18., 21., 22., 27. und 30. Juni, jeweils 19.30 Uhr. Schauspiel Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

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