Kultur Bühne

schauspiel_sartre_PR_03022019

„Die schmutzigen Hände“: ein verwirrendes Spiel mit Spiegeln und Doppelgängern um Fakten und Erinnerungen. | Foto Krafft Angerer/Schauspiel.

Schauspiel begeistert mit Sartres „Die schmutzigen Hände“

Köln | Der Parteisekretär verhandelt – entgegen der offiziellen Parteilinie – mit den politischen Gegnern über eine Regierungsbildung. Deshalb soll er ermordet werden. „Die schmutzigen Hände“ – Jean Paul Sartres Stück über Überzeugung, Moral und Verrat in der Politik – hatte jetzt gefeierte Premiere im Schauspiel.

Ein Labyrinth aus Transparenten und verspiegelten Wänden beherrscht die Bühne. Immer wieder dreht es sich, verändert so den Blick auf das Geschehen und dessen Interpretation. Was war Fakt, was ist bloß Erinnerung – bewusst oder unbewusst verfälscht? Denn das ist, in einem politischen Kontext, eines der zentralen Themen des Dramas „Die schmutzigen Hände“. So wird das Bühnenbild von Wolfgang Menardi gleichsam zum Mitspieler.

Die Ausgangslage: Es herrscht Krieg im fiktiven Illyrien. Die faschistischen deutschen Besatzungstruppen ziehen sich zurück, die Kommunisten rücken als Befreier näher. Hoederer (Martin Reinke als durchtriebener Machtpolitiker mit menschlich-väterlichen Zügen), Parteisekretär der Kommunistischen Partei, verhandelt mit dem konservativen und nationalistischen Lager über die kommende Regierung seines Landes. Er will die Macht für seine Partei – gleichzeitig will er sie davor bewahren, für nötige Entscheidungen verantwortlich gemacht zu werden.

Die Parteiführung beauftragt den Mord am Parteisekretär

Doch das widerspricht der offiziellen Parteilinie. Olga (Katharina Schmalenberg) und Louis (Benjamin Höppner), Mitglieder der Parteiführung, beauftragen Hugo (Nikolaus Benda zwischen Parteigehorsam und den eigenen Moralvorstellungen schwankend), Hoederer zu erschießen. Der junge Intellektuelle will unbedingt „dazugehören“, er nimmt den Auftrag an. Als Privatsekretär hat er jede Möglichkeit, Hoederer zu erschießen – doch Skrupel hindern ihn.

Seine Ehefrau Jessica (elegant und verführerisch: Sophia Burtscher) passt als Adlige so gar nicht in diese Welt der Politik – und doch ist sie es, die Hugo zur Tat antreibt und ihm gleichzeitig vorschlägt, sich Hoederer zu offenbaren. Der Augenblick, in dem sie den Parteisekretär umarmt, ist keinesfalls eine heiße Liebesszene – doch sie weckt Hugos Eifersucht. Und er schießt.

Politischer Mord oder Mord aus Eifersucht?

War es ein politischer Mord oder Mord aus Eifersucht? Als Hugo aus dem Gefängnis entlassen wird, soll er mit Olga – sie wurde inzwischen seine Geliebte – diese Frage klären: Der Partei geht es um seine Zuverlässigkeit. Es beginnt die schwierige Rekonstruktion. Was Hugo nicht weiß: Der Wind hat sich inzwischen gedreht, Hoederer wird als Visionär gefeiert. Das Urteil ist klar: Hugo ist ein Verräter und wird von Louis erschossen.

Unter der Regie von Bastian Kraft liefert das Bühnenensemble ein faszinierendes, mitreißendes Spiel zu stets aktuellen Fragen: Wie wird Politik gemacht, wie flexibel dürfen Grundüberzeugungen gehandhabt werden, welche Mittel dürfen zur Umsetzung von Zielen eingesetzt werden? Eine Antwort macht Kraft sich und den Zuschauern nicht leicht. Neben dem schillernden Bühnenbild setzt er für die drei Hauptfiguren Doppelgänger ein, die die Ungewissheiten verstärken. Dazu erlauben Live-Videos auf zwei Großmonitoren den Blick auf unsichtbare Details oder die Gesichter der Akteure.

Wie viel Kompromisse darf ein Politiker machen?

„Die schmutzigen Hände“ hatte 1948 Premiere. Es war die Zeit nach dem 2. Weltkrieg, als die von der Sowjetunion gesteuerten kommunistischen Parteien in den Ländern Osteuropas die Macht übernahmen, die dem sowjetischen Einflussbereich zugesprochen waren. Wie dies – oft genug gegen den Willen der Bevölkerung – geschah, raubte Sartre den Glauben an den realen Kommunismus.

Doch seine Abrechnung ist eine Allegorie auf das Geschäft der Politik. Wie brutal darf man sein, um seine Ziele zu erreichen, Wie ehrlich muss man sein? Kann man in einer Regierung mehr erreichen als aus der Opposition – und dabei glaubwürdig bleiben? Höderers Argumentation jedenfalls ist verführerisch – und kommt irgendwie aus der jüngsten deutschen Geschichte bekannt vor. Auch ohne Mord.

„Die schmutzigen Hände“ – die nächsten Vorstellungen: 5., 10., 16., 17. (16 Uhr) und 21. Februar, jeweils 19.30 Uhr. Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße.

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

offenbach_oper_PR_23062019

"Je suis Jacques" feierte eine umjubelte Uraufführung zum Jubiläumsjahr

Köln | „Je suis Jacques“ erinnert ein wenig an eine Neuauflage von „Dinner for one“ - allerdings in einer umgekehrten Situation, die Gäste sind anwesend genauso wie der Kellner – nur der Gastgeber glänzt zunächst durch seine Abwesenheit. Es ist niemand anderes als der weltberühmte Komponist Jacques Offenbach, der in diesem Jahr seinen 200. Geburtstag feiern würde. Auf ihn warten seine Figuren wie die Schöne Helena, Blaubart, Orpheus, Lindorf, Olympia und eine zunächst unbekannte Dame vom Markt.

musical_chicago_15062019

Köln | „Liebe, Lüge Leidenschaft“ gibt es noch bis Sonntag im Kölner Musical Dome zu sehen und zu erleben. Vier Shows von „Chicago“, dem Orignal Broadway Musical, können Kölnerinnen und Kölner noch erleben, dann zieht die exzellente Cast weiter. Heute besuchten die Hauptdarstellerinnen und zwei Tänzer die Domplatte.

radio-doria-foto-01-credit-joachim-gern

Köln | Am 9. Juni kommt Schauspieler und Musiker Jan Josef Liefers mit seiner Band Radio Doria in die Kölner Philharmonie und präsentiert dort sein neues Album „2 Seiten“. Das Interview führte Stephan Eppinger.

Sie haben 1975 Ihre erste Gitarre bekommen, welche Bands haben Sie damals  musikalisch geprägt?

Jan Josef Liefers: Mit 11 Jahren hörte ich einfach, was meine Eltern hörten oder was im Radio lief. Puhdys, Karat, City, Lift und Renft.

Interviews zur Europawahl 2019

koepfe_europawahl_2019

Interviews mit den Kandidaten zur Europawahl 2019

Die Redaktion von report-K fragte alle Parteien und Gruppierungen an und bat um die Nennung von Interviewpartnerinnen und -partner von Kandidatinnen und Kandidaten zur Europawahl 2019. Nicht alle Parteien antworteten oder schickten Kandidaten. Die Liste der Parteien, die keine Interviewkandidaten anboten, finden sie am Ende dieser Direktlinks zu den einzelnen Kandidateninterviews.

Martin Schulz, SPD, (kein Kandidat) im Europawahlkampf in Köln

Martin Schirdewan, Die Linke

Damian Boeselager, Volt

Marie-Isabelle Heiß, Volt Europa

Andre Veltens, Partei der Humanisten

Engin Eroglu, Freie Wählern

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Fabienne Sandkühler, Partei der Humanisten

Michael Kauch, FDP

Murat Yilmaz, Die Linke

Eileen O‘Sullivan, Volt

Hans Werner Schoutz, LKR

Prof. Dr. Holger Schiele, LKR

Birgit Beate Dickas, Die Partei
Sabine Kader, Die Partei

Inga Beißwänger, Bündnis Grundeinkommen

Inessa Kober, MLPD

Fritz Ullmann, MLPD

Reinhard Bütikofer, Bündnis 90/Die Grünen

Katarina Barley, SPD

Gerd Kaspar, FDP

Moritz Körner, FDP

Philipp Tentner, SGP

Renate Mäule, ÖDP

Elisabeth Zimmermann-Modler, SGP

Arndt Kohn, SPD

Dietmar Gaisenkersting, SGP

Claudia Walther, SPD

Alexandra Geese, Bündnis 90/ Die Grünen

Nadine Milde, Bündnis 90/Die Grünen

Sandra Lück, Tierschutzpartei

Daniel Freund, Bündnis 90/Die Grünen

Nicola Beer, FDP Spitzenkandidatin

Axel Voss, CDU

Felix Werth, Partei für Gesundheitsforschung

Karin Schäfer, Die Violetten

Marion Schmitz, Die Violetten

Claudia Krüger, Aktion Partei für Tierschutz – Das Original - Tierschutz hier!

Dr. Tobias Lechtenfeld, Volt Europa

Friedrich Jeschke, Volt Europa

Michael Schulz, Die Grauen – Für alle Generationen

Chris Pyak, Neue Liberale

Christian Rombeck, Demokratie direkt

Georg Lenz, Die Partei

Niels Geucking, Familienpartei

Helmut Geucking, Familienpartei

Diese Parteien und Vereinigungen nahmen das Interviewangebot von report-K nicht wahr: Piratenpartei Deutschland, Graue Panther, DER DRITTE WEG,Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), DIE RECHTE,Ab jetzt...Demokratie durch Volksabstimmung, Menschliche Welt (MENSCHLICHE WELT), PARTEI FÜR DIE TIERE DEUTSCHLAND (PARTEI FÜR DIE TIERE), Alternative für Deutschland (AfD), Demokratie in Europa - DiEM25, Ökologische Linke (ÖkoLinX), Bündnis für Innovation & Gerechtigkeit (BIG), Allianz für Menschenrechte, Tier- und Naturschutz (Tierschutzallianz), Bündnis C - Christen für Deutschland (Bündnis C), Bayernpartei (BP), Europäische Partei LIEBE (LIEBE), Feministische Partei DIE FRAUEN (DIE FRAUEN), Christlich-Soziale Union in Bayern e.V. (CSU).

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >