Kultur Bühne

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Auch in fünffacher Ausführung (vorne: Jörg Ratjen) findet Peer Gynt nicht zum seinem Selbst.

Schauspiel mit „Peer Gynt“ in die neue Spielzeit

Köln | Drei Stunden ohne Pause – so lange dauert Henrik Ibsens „Peer Gynt“, mit dem Schauspielchef Stefan Bachmann die neue Spielzeit eröffnet. Bereut hat es das Premierenpublikum nicht: Es gab lauten Applaus für alle Beteiligten.

Peer Gynt ist ein versoffener, gescheiterter Aufschneider, von den Nachbarn aus der (norwegischen) Heimat verjagt, macht er sein Glück in der Fremde als Sklavenhändler. Er verzichtet darauf, König im Reich der Trolle zu werden, landet im Irrenhaus, überlebt einen Schiffbruch. Verarmt kehrt er nach Hause zurück. Findet er endlich, was er sein Leben lang gesucht hat: sich selbst?

Die Inszenierung lebt zunächst von den grandiosen Bildern und Effekten, für die Bachmann ein Händchen hat. Da ist zunächst die Drehbühne, raumfüllender Mittelpunkt des Geschehens. Sie dreht sich nicht nur wie das Leben, ihr schräge, goldglänzende Bühne lädt auch – ganz lebensecht – zum Abgleiten und Ausrutschen ein. Dann sind da die grotesk-schrillen Kostüme: Strickanzug und Vokuhila-Frisur für Peer Gynt, die aufgebrezelte Mutter, ebenfalls im dickgestrickten Folklorelook.

Die Musik lässt die Zuschauerränge erbeben

Dann die Musik, sie reicht von Beethovens sanft-verführerischen Pastorale bis zu Johnny Cashs „I see a darkness“ in Heavy-Metal-Wucht. Dann ein donnernder Schiffsuntergang mit einem Sturm, der den Zuschauerraum erbeben lässt. Schließlich die überlangen Penisse der Trolle. Und die kess-knappen Bikinis, die hier ausschließlich von verführerisch bauchtanzenden Männern getragen werden – auf Frauen verzichtet Bachmann. Derb und anzüglich ist der Text, groß ist die Sehnsucht Peer Gynts nach Sex und Liebe. Als er letztere gefunden hat, muss er auch schon das Land verlassen. Doch seine Geliebte Solveig hält ihm die Treue – und als er nach Jahren zum Sterben wiederkehrt, verbinden sich in ihr Geliebte und Mutter. Männerphantasien.

Doch die Bilder allein würden nicht reichen, das Publikum drei Stunden lang zu fesseln. Es sind auch die Schauspieler, die die Inszenierung tragen. Allen voran Jörg Ratjen in der Titelrolle, ein ewiger Junge, mal großkotzig, mal verzweifelt. Die weiteren 35 Rollen teilen sich Peter Miklusz (vor allem Solveig), Marek Harloff (als Peers Mutter), Nicolas-Frederick Djuren, Niklas Kohrt, Justus Maier, Max Mayer, Sean McDonagh und Peter Miklusz. Sie führen – mal poetisch zart, mal kräftig derb – durch das Stück, das mal Groteske, mal Satire ist.. Vor allem aber ein ewig aktuelles menschliches Drama. Hier ohne happy End.

„Peer Gynt“ – die nächsten Vorstellungen: 1., 7., 8. (15.30 Uhr), 17. und 28. Oktober, jeweils 19.30 Uhr, Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

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