Kultur Bühne

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Am Ziel seiner Wünsche: Faust und Gretchen machen Liebe. Die Puppen werden geführt von Magda Lena Schlott und Lutz Großmann, im Hintergrund Yvon Jansen. Foto: Thomas Aurin / Schauspiel Köln

Schauspielhaus: „Faust I“ Premiere - die Kritik

Köln | Faust kennt man, kann die „geflügelten Worte“ zitieren, hat sich auf der damit herumgequält. Doch vor dem Besuch von Moritz Sostmanns Inszenierung im Schauspiel empfiehlt es sich, doch noch einmal das Drama nachzulesen. Denn zwischen den schönen Bildern und durchaus originellen Einfällen geht die Geschichte bisweilen etwas unter. Auch die Puppen, die er seinen Akteuren zur Seite stellt, scheinen sich langsam totzulaufen.

Dabei beginnt es eindrucksvoll: Mit einem Trauermarsch tragen schwarze Vögel mit großen Schwingen einen Sarg auf die Bühne. Heraus fällt eine zottlige Puppe: Gott. Eine der dunklen Figuren ist Mephisto. Er wettet mit Gott, dass er den Gelehrten Doktor Faust vom Pfad der Tugend abbringen kann.

Wie wir wissen, gewinnt er die Wette. Erst weckt er in Gretchen die Liebe zu Faust. Der dreht ihr ein Kind an, dann tötet er ihren Bruder im Gefecht. Gretchen wartet als Kindsmörderin im Kerker auf ihre Hinrichtung.

Der Mensch sagt „Blablabla“, die Puppe kennt den „richtigen“ Text

Doch langsam – schließlich wollen dreieinhalb Stunden inklusive Pause gefüllt sein. Nach dem Vorspiel sehen wir Faust (Philipp Pleßmann). Statt des erwarteten Monologs über seine Zweifel an Gott und der Welt monologisiert er ein rhythmisches „Blablabla“. Beginnt hier eine satirische Auseinandersetzung mit dem deutschen Bühnenklassiker?

Doch schnell wird es wieder „klassisch“, auch wenn Pleßmann nun seiner Puppe die bekannten Worte sprechen lässt, natürlich auch „Da steh ich nun ich armer Tor...“. Doch irgendwie kann sich Sostmann bei seiner Inszenierung nicht richtig für das eine oder andere entscheiden zu können.

Schließlich schließt Faust mit Mephisto (Yvon Jansen) besagte Wette. Der zeigt ihm erst einmal die Welt und führt ihn zum Hexensabbat: Zwei Affen bieten ein furioses Spektakel mit Licht und Musik. Und Faust erhält eine Kette, die das Wort „cool“ nachformt. Die wird er lange tragen, ist er in Wahrheit doch eher schüchtern und nicht ganz von dieser Welt.

Endlich hat Faust sein Gretchen gefunden – doch die macht erst mal Pause

Her also mit der ersehnten Frau. Faust findet sie im Publikum. Doch erst Gretchen (Katharina Schmalenberg) folgt seiner Frage „Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen?“, verschwindet aber erst einmal in die Pause.

Nach der Pause finden die zwei endlich zusammen. Die Musik ist es, die die beiden zusammenbringt. Pleßmann ist eben nicht nur nebenbei ein hervorragender Pianist, der Mozart und Pop gleichermaßen beherrscht. Und auch Schmalenberg kann mehr als nur wild auf die Tasten hauen. Vor allem: So leicht lässt Gretchen Faust nicht an sich heran, nicht nur mit der Frage nach der Religion hält sie ihn auf Distanz.

Sostmanns Puppenszenen lassen den bekannten Tiefgang vermissen

Leicht frustriert stürzt sich Faust ins wilde Vergnügungsleben. Satan (Guido Lambrecht) heizt die Stimmung an, proklamiert Sex und holt sich Verstärkung durch das Publikum. Dann kommen Faust und Gretchen doch noch zur Sache – wenn auch nur als Puppen. Zunächst zärtlich und unbeholfen, dann aber richtig. Hier blitzt auf, was die bisherigen Inszenierungen von Sostmann auszeichnete: Puppenszenen voller Poesie und Leichtigkeit, aber auch von wunderbarer, oft brutaler Sensibilität, wenn sie einen tieferen Einblick in die Seele ihrer menschlichen Doppelgänger bieten sollen.

Es fällt der Vorhang. Das Publikum wartet – das kann doch nicht das Ende sein. Und dann geht der Vorhang wieder auf. Man sieht das verzweifelte Gretchen, ein großer Ohrensessel hält sie gefangen. Ihren wattierten roten Anorak hält sie im Wahn wie ein Baby – „Romance is dead“ steht auf dessen Rücken. Stimmt.

Fausts Beschwörungen, mit ihr zu fliehen, widersteht sie. Und Faust macht sich aus dem Staub. Das Ende? Diesmal ja. Und endlich kann das Premierenpublikum zum Schlussapplaus ansetzen. Der fällt dann laut aus.

„Faust I“ – die nächsten Vorstellungen: 12. und 19. (jeweils 16 Uhr), 22. Februar, 3. März (jeweils 19.30 Uhr), Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk, Schanzenstr. 6-20, 51063 Köln-Mülheim, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße

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