Kultur Bühne

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Vergebliche Liebesmüh: Der Angestellte Julius (Johannes Bennecke) hofft auf Erwiderung seiner Gefühle zu Frau Schmitz (Yuri Englert).

Spiel mit Geschlechterrollen: Schauspiel zeigt „Frau Schmitz“

Köln | Nach außen ist es eine ganz normale Familie: Vater, Mutter, Kind. Doch etwas passt nicht: Der Vater fühlt sich in Frauenkleider wohl. Ehefrau und Tochter lieben ihn trotzdem. Das Chaos beginnt erst, als der Chef von ihm – oder von ihr? – verlangt, dass er im Interesse der Firma als Mann auftritt. Jetzt hatte „Frau Schmitz“ von Lukas Bärfuss in der Außenspielstätte des Schauspiels am Offenbachplatz Premiere. Und wurde begeistert gefeiert.

Auf der Bühne steht ein riesiger „Spiralblock“, dessen Seiten für jede der kurzen Szenen umgeschlagen werden. Doch so ordentlich wie diese Buchführung läuft das Spiel um Geschlechterrollen – oder das, was von ihnen erwartet wird – nicht ab.

Yuri Englert ist Frau Schmitz. Bescheiden steht sie da in ihrem engen Etuikleid, durchaus mit Sexappeal, sagt kaum ein Wort, lediglich ihr Mienenspiel spricht Bände. Den Avancen des Kollegen Julius (Johannes Benecke) kann sie widerstehen. Nicht aber dem Vorschlag ihres Chefs (Robert Dölle), den dieser mit seiner Personalerin (Ines Marie Westernströer) entwickelt hat. Frau Schmitz soll in Pakistan über die Rettung der Firma verhandeln – aber als Mann, denn Frauen gelten dort nichts. Eine Entscheidung, die dem mit der Personalerin verbandelten Projektleiter (Guido Lambrecht) sauer aufstößt. Hat er sich doch Hoffnung auf die Geschäftsreise gemacht.

Aus der Frau wurde ein Mann – und der war erfolgreich

Frau Schmitz kommt erfolgreich zurück, scheint sich an den Anzug gewöhnt zu haben. Was die Personalleiterin sichtlich anmacht – umgekehrt hätte man dem Mann aus dieser Annäherung sicher einen Strick gedreht. Doch schließlich bevorzugt Herr Schmitz wieder Frauenkleider und Langhaarperücke, lässt sich schließlich – klar Schiff! – zur Frau umoperieren. Was prompt die alte Liebe in Julius weckt. Wieder zurückgestoßen, fügt er der Angebeteten mit einer Glasscherbe eine entstellende Narbe im Gesicht zu. Was tun? Optisch ablenken, empfiehlt eine Ärztin (Sabine Orleans). Das Ergebnis ist eine fette, unförmige Frankensteinin.

Dem Chef ist das egal. Er will Frau Schmitz wieder in dringender Firmenangelegenheit ins Ausland schicken. Wieder als Mann. Frau Schmitz sagt zu – aber nur als Frau.

Knapp 100 Minuten dauert das Stück, das gängige Vorstellungen von Geschlechterrollen durcheinander wirbelt und ganz nebenbei auch noch die Hierarchien in einem Betrieb mit einem Hauch von Boulevard hinterfragt. Aktuell ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema – hier wird die Diskussion um die Pole Mann und Frau und alles dazwischen subkutan mitgeliefert, von Regisseur Rafael Sanchez und seinem Ensemble in hundert äußerst unterhaltsame Minuten verpackt.

„Frau Schmitz“ – die nächsten Vorstellungen: 26. September, 5., 7. und 12. Oktober, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Außenspielstätte am Offenbachplatz, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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