Kultur Bühne

theater_ehu_26_09_17

Vergebliche Liebesmüh: Der Angestellte Julius (Johannes Bennecke) hofft auf Erwiderung seiner Gefühle zu Frau Schmitz (Yuri Englert).

Spiel mit Geschlechterrollen: Schauspiel zeigt „Frau Schmitz“

Köln | Nach außen ist es eine ganz normale Familie: Vater, Mutter, Kind. Doch etwas passt nicht: Der Vater fühlt sich in Frauenkleider wohl. Ehefrau und Tochter lieben ihn trotzdem. Das Chaos beginnt erst, als der Chef von ihm – oder von ihr? – verlangt, dass er im Interesse der Firma als Mann auftritt. Jetzt hatte „Frau Schmitz“ von Lukas Bärfuss in der Außenspielstätte des Schauspiels am Offenbachplatz Premiere. Und wurde begeistert gefeiert.

Auf der Bühne steht ein riesiger „Spiralblock“, dessen Seiten für jede der kurzen Szenen umgeschlagen werden. Doch so ordentlich wie diese Buchführung läuft das Spiel um Geschlechterrollen – oder das, was von ihnen erwartet wird – nicht ab.

Yuri Englert ist Frau Schmitz. Bescheiden steht sie da in ihrem engen Etuikleid, durchaus mit Sexappeal, sagt kaum ein Wort, lediglich ihr Mienenspiel spricht Bände. Den Avancen des Kollegen Julius (Johannes Benecke) kann sie widerstehen. Nicht aber dem Vorschlag ihres Chefs (Robert Dölle), den dieser mit seiner Personalerin (Ines Marie Westernströer) entwickelt hat. Frau Schmitz soll in Pakistan über die Rettung der Firma verhandeln – aber als Mann, denn Frauen gelten dort nichts. Eine Entscheidung, die dem mit der Personalerin verbandelten Projektleiter (Guido Lambrecht) sauer aufstößt. Hat er sich doch Hoffnung auf die Geschäftsreise gemacht.

Aus der Frau wurde ein Mann – und der war erfolgreich

Frau Schmitz kommt erfolgreich zurück, scheint sich an den Anzug gewöhnt zu haben. Was die Personalleiterin sichtlich anmacht – umgekehrt hätte man dem Mann aus dieser Annäherung sicher einen Strick gedreht. Doch schließlich bevorzugt Herr Schmitz wieder Frauenkleider und Langhaarperücke, lässt sich schließlich – klar Schiff! – zur Frau umoperieren. Was prompt die alte Liebe in Julius weckt. Wieder zurückgestoßen, fügt er der Angebeteten mit einer Glasscherbe eine entstellende Narbe im Gesicht zu. Was tun? Optisch ablenken, empfiehlt eine Ärztin (Sabine Orleans). Das Ergebnis ist eine fette, unförmige Frankensteinin.

Dem Chef ist das egal. Er will Frau Schmitz wieder in dringender Firmenangelegenheit ins Ausland schicken. Wieder als Mann. Frau Schmitz sagt zu – aber nur als Frau.

Knapp 100 Minuten dauert das Stück, das gängige Vorstellungen von Geschlechterrollen durcheinander wirbelt und ganz nebenbei auch noch die Hierarchien in einem Betrieb mit einem Hauch von Boulevard hinterfragt. Aktuell ein wichtiges gesellschaftspolitisches Thema – hier wird die Diskussion um die Pole Mann und Frau und alles dazwischen subkutan mitgeliefert, von Regisseur Rafael Sanchez und seinem Ensemble in hundert äußerst unterhaltsame Minuten verpackt.

„Frau Schmitz“ – die nächsten Vorstellungen: 26. September, 5., 7. und 12. Oktober, jeweils 20 Uhr, Schauspiel Köln, Außenspielstätte am Offenbachplatz, Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

Valentin-Schwarz_sw

Köln | Der junge österreichische Regisseur Valentin Schwarz inszeniert derzeit an der Oper Köln „Mare Nostrum“, ein Musiktheaterstück von Mauricio Kagel, das in Köln entstand. Vor der Premiere befragte Christoph Mohr den Regisseur.

19092018_Bewohner_ThomasAurin

Köln | Köln hat das volkstümliche Hänneschen-Theater. Und seit fünf Jahren – seit Stefan Bachmann Intendant ist – auch ein Puppenensemble am Schauspiel. Dort führt Moritz Sostmann Regie. Der liefert jetzt mit „Bewohner“ seine bislang wohl beste Produktion. Und das zum heiklen Thema Demenz. Das Premierenpublikum lohnte es nach knapp 100 Minuten mit begeistertem Beifall.

18092018_Wahnsinn_HardyMueller

Köln | Am 6. März kommenden Jahres startet im Kölner Musical Dome ein Musical über einen deutschen Sänger, der Musikgeschichte geschrieben hat. Was die wenigsten wissen: Franz Hubert Wolfgang Remling, besser bekannt als Wolfgang Petry, ist gebürtiger Kölner.

Ehrenamtspreis Köln 2018

ehrenamtspreis_zusammen_31082108neu_klein

Die Kölner Ehrenamtspreisträger 2018

In einer Multimedia-Reportagereihe beschäftigte sich report-K Redakteur Ralph Kruppa im Vorfeld des Kölner Ehrenamtstages am 2. September 2018 mit den Gewinnern des Ehrenamtspreises der Stadt Köln in den Kategorien Einzelpersonen und Vereine/Initiativen. Ergebnis ist eine Serie, die eine beeindruckende Vielfalt an Themen sowie einen Einblick in die Geschichten der einzelnen gewürdigten Persönlichkeiten zeigt.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN