Kultur Bühne

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Der Puppen-Faust nimmt Abschied von Helena (Sophia Burtscher). Geführt wird er von Magda Lena Schlott und Steffi König (v.l.).

Stark gekürzt: Schauspiel Köln zeigt Goethes „Faust II“

Köln | 30 Jahre lang schrieb Goethe an seinem „Faust II“. Und war immer noch so unzufrieden damit, dass er das Drama erst nach seinem Tod veröffentlichen ließ. Ein sperriges Stück, das nicht von ungefähr nur selten gespielt wird. Moritz Sostmann inszenierte es jetzt für das Schauspiel Köln – und kürzte drastisch. Nach immerhin noch zwei Stunden gab es kräftigen Premierenbeifall und viele Bravos.

So fehlt von den insgesamt fünf Akten der komplette vierte Akt – auch wenn er in lockerem Kölsch mit Inhaltsangabe angekündigt wird. Auch die übrig gebliebenen hat der Regisseur gehörig eingedampft. Dafür hat er alles aufgegagt, das ist manchmal etwas überspielt, sorgt aber regelmäßig für Lacher. Aus seinem „Faust I“ – er hatte im Februar Premiere – hat er die beiden Hauptdarsteller übernommen: Philipp Pleßmann als Faust, Yvon Jansen als Mephisto.

Aus dem Erkenntnissucher Faust wurde Mephistos Saufkumpel

Um individuellen Erkenntnisgewinn und den Kampf um eine Seele geht es hier nicht mehr. Eher treten die beiden als langjährige Kumpel auf der Suche nach dem Kick auf. Sie erleben und probieren aus, was von einer überraschenden Aktualität ist. So erfindet Faust für den Kaiser eine Gelddruckmaschine, die den Staat trotzdem nicht vor der Pleite rettet. Ein Wissenschaftler erschafft einen künstlichen Menschen. Faust wird Kapitalist und baut die Natur um.

Sostmann versammelt sein neunköpfiges Team (dazu gehören noch Sophia Burtscher als Helena sowie in wechselnden Rollen Rhomas Brandt, Nicolas-Frederick Djuren, Magda Lena Schlott, Johannes Bennecke, Steffi König und Franziska Rattay) um eine riesige quadratische Bar (Bühnenbild: Christian Beck). Zu Beginn muss Mephisto seinen eingeschlafenen Saufkumpan mit einem energischen „Heinrich“ zurück ins Leben rufen – ob er alles Folgende vielleicht nur in verkatertem Trance-Zustand erlebt, sei dahingestellt.

Hinter der Bar erhebt sich ein klassischer Theatertempel, in dem Paris und Helena zum Leben erweckt werden. Als Faust erfolgreich um Helena wirbt, schleicht der nackte Grieche beleidigt von dannen. Faust und Helena bekommen einen Sohn, der will ein großer Krieger werden, läuft jedoch vor ein Auto (ein „Hörspiel“ vor dem Theater, anzuhören durch das extra dafür geöffnete Rolltor). Sein Tod lässt auch Helena sterben.

Sostsmann Puppenspiel zeigt wieder die alte Stärke

Auf dem Bartresen lässt Sostmann seine Puppen tanzen. Die von den Schauspielern geführten Puppen wirkten in seinem „Faust I“ schon etwas abgespielt, hier aber zeigen sie wieder starke eigene Präsenz – sei es als Bardame oder Kaiser, als Homunculus oder als altes Ehepaar Philemon und Baucis. Faust sitzt gleich viermal nebeneinander auf dem Tresen – vom Jüngling bis zum Greis mit grauer Löwenmähne. Und während die alte Puppe stirbt, sitzt der Mensch Faust am Klavier und spielt den Beach-Boys-Oldie „God only knows what I'd be without you“.

Tja, mit Helena ging es schief und erst recht mit Gretchen. Die taucht zum Schluss als Puppe auf und trauert ebenfalls vergangenen Zeiten nach...

„Faust II“
am 7. Mai sowie am 3. und 11, Juni „Faust I“ und Faust II“
Schauspiel Köln, Depot 1 im Carlswerk
 Schanzenstr. 6-20
51063 Köln-Mülheim

Karten: Tel. 0221 / 22 12 84 00, Fax 0221 / 22 12 82 49, E-Mail: tickets@buehnenkoeln.de, dazu alle Vorverkaufsstellen von KölnTicket. Kartenservice mit Vorverkauf und Abo-Büro in der Opernpassage zwischen Glockengasse und Breite Straße. 

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