Kultur Bühne

theaterkritik_19032017

„Bilder deiner großen Liebe“ mit Alrun Hofert und Michael Witte im Theater der Keller. Foto: MeyerOriginals / TdK

Theater der Keller spielt „Bilder deiner großen Liebe“

Köln | Leer ist die Bühne, 80 Minuten lang. Um so größer die Sehnsucht von Isa, der 14-Jährigen, die vor der „Depri-Scheiß“ aus der Psychiatrie flieht und Glück und Liebe sucht. Eine Suche, die sie an den Abgrund führt. Robert Koalls Bühnenfassung von „Bilder deiner großen Liebe“ – ein Romanfragment von Wolfgang Herrndorf – hatte jetzt im Theater der Keller beklatschte Premiere.

„Irre“ ist Isa (Alrun Hofert) nach eigener Einschätzung nicht, vielleicht aber ein bisschen „bescheuert“. Barfuß und mit blutigen Füßen durchstreift sie Wälder und Wiesen, ein Hauch von „Walden“, der Freiheit in der Wildnis, weht durchs Theater. In einem Dorf wirft sie eine Scheibe ein und klaut Kekse, sie unterhält sich mit einem taubstummen Jungen, wird von einem Gärtner mit dem Rasensprenger nass gespritzt, sucht auf einem Lastkahn die Liebe des Kapitäns, der früher mal ein Bankräuber gewesen sein will (alle mit sparsamen Gesten gespielt von Michael Witte).
Eine Kette unterschiedlich langer Episoden, mal lapidar erzählt, mal mit einem Hauch von Poesie. „Das Glück macht nie so glücklich wie das Unglück“, stellt sie einmal fest. Am Ende steht sie am Abgrund und blickt ins Nichts.

Die Inszenierung lebt vor allem von Hoferts Bühnenpräsenz

Die Inszenierung von Bastian Kabuth – durch grelle Lichteffekte aufgepeppt – lebt vor allem von Hoferts Bühnenpräsenz: Man kauft ihr die altkluge Naivität ebenso ab wie kindliche Verschlagenheit, Neugier und Resignation. Ihr kauft man sogar Weisheiten ab wie „Treue gibt es nur im Krieg“. Faszinierend auch die Sprechkunst der beiden Darstellerinnen, wobei das Stück im Wesentlichen ein Monolog Isas ist.

Doch erschließt sich letztlich die „Notwendigkeit“ nicht, diesen offensichtlich unfertigen Text aufzuführen. Vielleicht ist es nur der Kitzel, dass es Wolfgang Herrndorfs letzte – unvollendete – Arbeit war, bevor er 2013 Suizid beging. Und dass Isa die Isa ist, die schon im Jugend-Buch-, Bühnen- und Filmhit „Tschick“ auftaucht. Das Stück hat das Theater auch weiter im Programm.

„Bilder deiner großen Liebe“ – weitere Vorstellungen: 7., 12. und 27. April, jeweils 20 Uhr, Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), tickets@theater-der-keller.de, www.offticket.de, www.köln-ticket.de und an allen Vorverkaufsstellen.

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