Kultur Bühne

26092018_TheaterderKeller_Susebee_TdK

Rosa (Katharina Waldau) und Franz (Klaus Nicola Holderbaum) wollen heiraten, ein Kind haben, Doch Rosas Mutter (Doris Plenert, hinten) ist dagegen. Foto: susebee/TdK

Theater der keller auf der Suche nach der „Unschuld“

Köln | Die Gesellschaft zerfällt in viele von unterschiedlichen Interessen geleitete Gruppen. Kommunikation zwischen ihnen gibt es kaum. Das Individuum fühlt sich allein gelassen, unfähig, sein Schicksal in die eigene Hand zu nehmen. Schuld an der Misere sind die anderen, man selber ist unschuldig. Jetzt hatte „Unschuld“ von Dea Lohers im Theater der Keller Premiere.

Zwei Männer starren mit großen Augen ins Publikum hinaus aufs imaginäre Meer. Fadoul (Nedjo Osman), ein illegaler Einwanderer, murmelt leise Worte in Romanes ab. Sein Kumpel und Mitbewohner (Tuong Phuon) dagegen mit hektischen, Bewegungen thektischen Romanliebt Mit hektischen Bewegungen, vietnamesische Worte schreiend. Ruhig, wie erstarrt, auf Romanes eher leise murmelnd als Fadoul,. Eine rot gekleidete Frau (Katharina Waldau) taucht auf, zieht sich aus – und geht ins Wasser. Sie ertrinkt – später wirft sich Osman vor, dass er sie nicht gerettet hat.

Dem ehemaligen Hartz-V-Empfänger die Toten näher als die Lebenden

Nach und nach melden sich die anderen zu Wort. Der Hartz-IV-Empfänger (Klaus Nicola Holderbaum) hat endlich einen Job gefunden – in einem Bestattungsinstitut. Die Toten sind ihm bald näher als die Lebenden. Doch immerhin könnte er jetzt heiraten, ein Kind zeugen und aufziehen. Auch die künftige Ehefrau (Katharina Waldau) freut sich auf ein Kind. Doch da sind nicht nur die beengten Wohnverhältnisse vor, sondern auch ihre Mutter (Doris Plenert): Sie gönnt ihr das Kinderglück nicht, will über das Leben ihrer Tochter bestimmen, will von ihr umsorgt werden, nachdem ihr wegen Diabetes ein Fuß amputiert wurde.

Natalie Forster spielt neben einer Frau, die ihren Sohn sucht, noch eine blinde Nackttänzerin, in die sich Fadoul verliebt hat – doch sie nicht an ihrer Arbeitsstätte sehen will. Dann ist da noch die Philosophin (ebenfalls Katharina Waldau), die frustriert all ihre Schriften verbrannt hat.

Ein Zeitgeist-Stück, dass mehr auf Worte als auf Handlung setzt

„Unschuld“ ist eines der aktuellen Zeitgeist-Stücke, deren Autoren durchaus einen Blick für drängende aktuelle gesellschaftliche und individuelle Probleme haben. Diese breiten sie mit vielen Worten in Monologen und wenigen Dialogen aus, ohne ihren Protagonisten Raum und Zeit für eine – so oder so – nachvollziehbare Entwicklung zu geben. Von einer Handlung ganz zu schweigen.

Stattdessen ist die Regie gefordert, dem Publikum optische und akustische Reize zu geben, um es bei der Stange zu halten. Nada Kokotovic lässt in ihrer Inszenierung das Ensemble immer wieder über Sessel und Bierbänke klettern, kriechen, sich klammern. Dazu ein bisschen Striptease und Raufereien. Das rettet den Theaterabend trotz hervorragender Schauspieler letztlich aber auch nicht.

„Unschuld“ – die nächsten Vorstellungen: 26. September, 10. und 17. Oktober, jeweils m10 Uhr. Theater der Keller, Kleingedankstr. 6, 50677 Köln, Karten: Tel. 02 21 / 31 80 59 (Mo-Fr 10-17 Uhr), tickets@theater-der-keller.de und an allen Vorverkaufsstellen

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

auerhaus_PR_14102018

Köln | Die Dorfbewohner können kein Englisch. Und so machen sie aus „our house“, wie die Jugend-WG ihr Zuhause nennt, „Auerhaus“. Den gleichnamigen Erfolgsroman von Bov Bjerg, ein klassischer Entwicklungsroman – neudeutsch „Coming of age novel“ bringen jetzt die Schüler der Schauspielschule am Theater der Keller auf die Bühne.

10102018_3Schwestern_Schauspiel_KrafftAngerer

Köln | Ein Glück, dass im Depot 1 so viel Platz ist. Da kann Hausherr Stefan Bachmann für seinen „Tyll“ die Bühne in ein Planschbecken verwandeln, und die junge Regisseurin Pinar Karabulut sie mit einer riesigen Hüpfburg füllen – unübersehbar die Hauptdarstellerin im ersten Teil ihrer Inszenierung von Tschechows „Drei Schwestern“.

stomp_steve_mcnicholas_PR_BB_02102018

Köln | Basketbälle, Spülbecken voll Wasser und Gummihandschuhe, Blechdosen in jeder Größe und Form, Heizungsisolationrohre, banale Besen, drahtige Einkaufswagen, papierne Zeitungen oder banale Feuerzeuge sind die Utensilien der Performance von Stomp im Musical Dome. Die Musiker reiben, schaben an den Gegenständen, die alles, nur keine Musikinstrumente sind, klicken, trommeln, ziehen auseinander, zerreißen und wirbeln über die Bühne mit einer unbändigen Spielfreude. Das Publikum nahm bei der Premiere den Rhythmus auf, machte mit und spendete immer wieder spontanten Szenenapplaus. Auch die in den Trommelorkan eingebauten kleinen Clownereien brachten die Gäste zum Juchzen. Stomp ist noch bis zum 7. Oktober zu Gast im Kölner Musical Dome.

Report-K Karnevalsplauderei

karnevalsplauderei

Karnevalsplauderei 2018

Der Oktober ist die Zeit der Vorstellabende und der Künstler, die Ihre neuen Programme oder Titel zeigen. Report-K stellt rund 40 Künstler im Videointerview vor, jeden Tag ein anderer Redner, Band oder Musiker.

Mathias Nelles

Knubbelisch vum Klingelpütz

Hanak – Micha Hirsch

Volker Weininger – Der Sitzungspräsident

Thomas Cüpper – Et Klimpermännchen

Ehrenamtspreis Köln 2018

ehrenamtspreis_zusammen_31082108neu_klein

Die Kölner Ehrenamtspreisträger 2018

In einer Multimedia-Reportagereihe beschäftigte sich report-K Redakteur Ralph Kruppa im Vorfeld des Kölner Ehrenamtstages am 2. September 2018 mit den Gewinnern des Ehrenamtspreises der Stadt Köln in den Kategorien Einzelpersonen und Vereine/Initiativen. Ergebnis ist eine Serie, die eine beeindruckende Vielfalt an Themen sowie einen Einblick in die Geschichten der einzelnen gewürdigten Persönlichkeiten zeigt.

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN