Kultur Bühne

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Daniel Cremer schreibt auf, was das Publikum vom „Wunder der Liebe“ erwartet. | Foto: Danielö Cremer / TiB

Theater im Bauturm: Daniel Cremer erklärt die „Wunder der Liebe“

Köln | Einen intimen Abend rund um das „Wunder der Liebe“ verspricht „Auftrittskünstler und femme fatal“ Daniel Cremer seinem Publikum im Theater der Bauturm. Er hält sein Versprechen – inklusive einer grenzwertig intimen Schluss-Szene.

Cremer ist eine schillernde Künstlerpersönlichkeit, eine charmante „Conchita Wurst“-Doppelgängerin (oder Doppelgänger?) mit Dreitagebart, blonder Langhaarperücke, einer tiefe Einblicke gewährende Damen-Abendgarderobe und viel Glitzerschmuck. Ebenso bunt ist, was er – singend, tanzend, oft in einer erfundenen Sprache verkündend – auf Bühne und im Publikum serviert: Es reicht von VHS-Mitmachkurs über Empathie-Training mit einem Schuss Esoterik bis zu knallharten „Do it yourself“-Tipps – alles, um das „Wunder der Liebe“ zu enthüllen.

Das Publikum macht mit und findet sich schön

Das Publikum darf mitmachen – und folgt den charmanten Aufforderungen willig. „Du bist schön“, lobt es im Chor seine namentlich herausgepickten Nachbarn und Nachbarinnen. Schließlich gilt es, auch in der Liebe das Selbstwertgefühl des Gegenüber zu stärken. Und wenn Cremer Eigenes aus seiner Liebeswelt preisgibt, öffnet das die Herzen des Publikums umso mehr.

Dann sammelt er auf einem Flipchart Begriffe, die das Publikum für eine „richtige“ Liebe erforderlich hält. Da kommen dann so erwartbare Begriffe wie Ehrlichkeit, Vertrauen oder Respekt. Cremer fasst sie zusammen und die Zuschauer belohnen den Kursleiter mit lautem eingeübten „Wow“ und „Danke!“.

Zum Schluss zieht der Künstler blank und legt Hand an

Das war bis jetzt eine lustige, unterhaltsame, bisweilen leicht zotige und ohne erhobenen Zeigefinger pädagogische Koproduktion von Mousonturm Frankfurt, Maxim Gorki Theater und Theater im Bauturm. Jetzt könnte Schluss sein – doch nun zieht Cremer blank und zeigt handfest, welche Griffe zwischen den Leisten besondere Liebeslust bereiten können. Zwar hat er vor dieser Offenherzigkeit gewarnt – doch welche Zuschauerin, welcher Zuschauer setzt sich der öffentlichen Schmach aus, jetzt schamhaft den Saal zu verlassen?

Und bevor doch endlich Schluss ist, darf sich das Publikum in die vier Bühnenecken aufteilen und so seine Folgerungen aus dem „Wunder der Liebe“ zu ziehen. Die Wenigsten entschieden sich für Heirat und Liebestod. Die meisten für Polyamourie (aus Wunschdenken oder als Beweis für die eigene sexuelle Offenheit?) und Trennung (als Kommentar zur Vorstellung?).

„Miracle of Love/Das Wunder der Liebe“ – die nächsten Vorstellungen: 16., 17. (18 Uhr) Februar, 14. März, 3. April, jeweils 20 Uhr. Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.off-ticket.de, www.koelnticket.de und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen

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