Kultur Bühne

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Jan-Christoph Gockel stellt seine neue Produktion „Der siebte Kontinent“ mit Plastikmüllfunden aus Hawaii vor.

Theater im Bauturm: Making of „Der siebte Kontinent“

Köln | Er ist Segen und Fluch des Fortschritt: Was den Produkten „ewiges Leben“ versprach, verschmutzt jetzt als unzerrottbarer Plastikmüll die Erde und bedroht das Leben von Mensch und Tier. Unsere „Liebesbeziehung“ zu dem Kunststoff aus Erdöl ist Thema des Theaterstücks „Der siebte Kontinent“, das am kommenden Freitag im Theater im Bauturm Premiere hat.

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Umstritten, weil nicht recycelbar: Einwegbecher im Flora-Café „Dank Augusta“ warten auf ihren Einsatz.

Einer der ersten Sonnensonntage in diesem Jahr. Im Flora-Café „Dank Augusta“ stehen an der Außentheke die Menschen Schlange für eine Tasse Kaffee. Ausgeschenkt wird sie in Einwegbechern – als gäbe es die aktuelle Diskussion über deren Einsatz nicht. Denn die Becher aus Plastik und Papier können nicht recycelt, sondern nur verbrannt werden. Sogar der Rat beschäftigt sich mit der Frage, wie diese Ressourcen-Verschwendung vermieden werden kann.*

Plastik ist unzerstörbar. Einfach weggeworfen, landet es in den Flüssen, wandert in die Ozeane, breitet sich an der Oberfläche zu riesigen Müllflächen aus. Vögel verfangen sich darin, Fische fressen es und sterben. Es zerlegt sich im Laufe von Jahrhunderten in Nanopartikeln, die ebenfalls in den Mägen der Tiere und über diese im Menschen landen. Ebenfalls mit tödlichen Folgen.

Auf Hawaii Material für „Der siebte Kontinent“ gesammelt

Eine Kölner Theatertruppe um Jan-Christoph Gockel reiste jetzt für zehn Tage nach Hawaii: „Materialsuche“ für das neue Stück „Der siebte Kontinent“. Dort nahm sie am Strand von Kamilo Beach die wohl größte „natürliche“ Deponie für Plastikmüll in Augenschein. Auf einer Länge von gut 300 Metern spült das Meer unaufhörlich auf den Kiesstrand, was auf dem Meer treibt: Kanister, Flaschen, Körbe, Fischernetze – um nur die größten erkennbaren Brocken zu nennen.

Jeden Monat kommen die Umweltschützer einmal vorbei und sammeln den gröbsten, sprich größten Dreck ein – im Jahresschnitt etwa 15 Tonnen. Der „Nachschub“ ist größer als das, was sie wegtragen können. Und das muss vergraben werden – denn auf Hawaii gibt es keine Müllverbrennungsanlage. Kleine Plastikteile verbinden sich unauflöslich mit der Lavaschlacke – aus diesem „neuen“ Material könnte ein neuer Kontinent entstehen. Darauf weist der Titel des Theaterstücks hin, das gerade im Theater im Bauturm geprobt wird. Aber auch die Fläche des auf dem Pazifik treibenden Plastikmülls wird damit aufgegriffen: Sie ist größer als Indien.

Beziehungsdrama: Aus der Hoffnung wurde ein Fluch

„Heute bedroht Plastik unsere Umwelt, dabei wurde es einmal erfunden, um die Natur zu schützen“, umreißt Gockel das Thema. Geschützt werden sollten Elefanten: Billardskugeln sollten nicht mehr aus Elfenbein, sondern aus Kunststoff gedreht werden. „Die Hoffnung wurde zum Fluch“, bilanziert er das „Beziehungsdrama“ Mensch-Plastik. Und war selber in dem Dilemma verfangen: Plastik schützte die Kamera bei den Unterwasseraufnahmen.

Mit Gockel reisten die Schauspieler Lilith Häßle und Sebastien Jacobi sowie der Puppenbauer Michael Pietsch. Letzterer will die Puppe eines Albatros’ bauen: Das Foto eines Albatros, der verhungerte, weil sein Magen mit Plastikmüll verstopft war, ließ ihn nicht mehr los. Pietsch und Gockel haben schon für das Stück „Coltan Fieber“ zusammengearbeitet, das vor zwei Jahren im Rahmen des „africologne“-Festivals uraufgeführt wurde. Es entstand nach einer „Forschungsreise“ im Kongo, wo das unter anderem für Handys wichtige Erz abgebaut wird und Bürgerkriegsparteien finanziert. Die aktuelle Produktion entsteht in Zusammenarbeit mit dem Staatstheater Mainz.

*Nachtrag: Warum im Café „Dank Augusta“ in der Kölner Flora die umstrittenen Einwegbecher eingesetzt werden, wollte diese Internetzeitung wissen. Trotz mehrfacher telefonischer Nachfragen beim Betreiber des Cafés dem Unternehmen Kirberg-Catering, wollte sich dieses zum Einsatz der Einweg-Coffee-to-Go-Becher nicht äußern.

„Der siebte Kontinent. Reise zur größten Mülldeponie der Erde“ – Premiere am 21. April, 20 Uhr, Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.off-ticket.de, www.koelnticket.de und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen.

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