Kultur Bühne

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Ziehen eine positive Zwischenbilanz ihrer ersten Spielzeit im Theater im Bauturm: Dramaturg René Michaelsen, Theaterleiter Laurenz Leky und Geschäftsführer Bernd Schlenkrich (v.l.).

Theater im Bauturm - Mit Trude Herr in die Spielzeit 2017/18

Köln | Mit einer Hommage an Trude Herr beginnt das Theater im Bauturm am 30. September die Spielzeit 2017/2018. Das Führungsteam Laurenz Leky, Bernd Schlenkrich und René Michaelsen stellte jetzt das Programm vor. Neben vier Eigenproduktionen wird es zahlreiche Gastspiele geben.

„Ich bin die Herr, mein Gott“ verspricht eine Liebeserklärung an die Volksschauspielerin Trude Herr (1927-1991) zu werden, die in diesem Jahr ihren 90. Geburtstag gefeiert hätte. Aus seiner Bewunderung machte das Führungstrio mit einem gemeinsamen musikalischen Appetit-Anreger bei der Programmvorstellung keinen Hehl. Der war mit einem sehnsüchtig singenden Dramaturgen Michaelsen schon hinreißend...

Den bei Amtsantritt im Vorjahr programmatisch versprochenen lokalen Bezug zu Köln wird auch „Mama Türkei“ haben. Grundlage hierfür wird der Text einer deutschen Schriftstellerin sein, die zwischen Köln und Istanbul pendelt. Es soll ein selbstkritischer Blick auf deutsche Bühnen werden, auf der Migranten vorwiegend für „Ausländer“-Rollen eingesetzt werden. Aber auch die aktuelle Situation in der Türkei wird nicht zu kurz kommen.

Mit Miguel Cervantes und Michael Bulgakow sind auch Klassiker vertreten

Für die beiden anderen Eigenproduktionen hat man sich Klassiker ausgesucht: Miguel Cervantes’ „Don Quijote“ und Michael Bulgakows „Das hündische Herz“, in dem einem Hund Hirn und Hoden eines Menschen eingepflanzt werden. „Damit verfolgen wir eine Spezialität dieses Hauses – die Dramatisierung von Erzählungen“, erklärte Leky.

Schon Tradition ist das Gastspiel des Deutsch-Griechischen Theaters, diesmal „EurExit“ nach Aischylös’ „Agamemnon“. Sasch Tschorn und Andreas Kurz erwecken mit „Riverside Drive“ von Woody Allen eine alte Produktion zu neuem Leben. „Theater 1000 Hertz“ stellt sich mit „Der See“ vor, Michael Quast bietet fünf Abende mit Melodien von Jacques Offenbach.

Geburtstagsfeier für Milan Sladek, den Geburtshelfer für das kleine Theater

Schließlich erweist man dem Gründer der Spielstätte an der Aachener Straße seine Referenz: Milan Sladek, der die alte Druckerei in den 1970er Jahren in sein „Theater Kefka“ verwandelte, spielt seine damalige Eröffnungspantomime „Das Geschenk“ und „Basquiat“. Gefeiert wird damit auch der 80. Geburtstag des Slowaken und dessen 60. Bühnenjubiläum.

Wieder aufgenommen werden unter anderem „Der Prozess“, „Der Chinese“ und die Dauerbrenner „Kunst“ und „Frau Müller muss weg“ und in aktualisierter Form „Weihnachtsfeier“ und die „Jein“-Revue. Ausgebaut werden soll das Gesprächsrunden-Angebot. Auf das Programm „Sommergäste“ wird – vorerst zumindest – verzichtet. „Wir hatten noch keine Zeit, uns damit zu beschäftigen“, begründete Leky.

Trotz zwei spielfreien Tagen pro Woche kein Rückgang der Zuschauerzahlen

Mit ihrer ersten Spielzeit sind die drei in der Zwischenbilanz zufrieden. Dazu beigetragen hat auch eine kleine Revolution: In der Regel sind zwei Tage in der Woche meist Dienstag und Mittwoch – spielfrei. „Die Zuschauerzahlen entsprechen in etwa dem vergleichbaren Zeitraum der Spielzeit vor unserem Engagement. Aber die Auslastungsquote konnte um 10 Prozent gesteigert werden“, rechnete Geschäftsführer Schlenkrich. Und Theaterleiter Leky ergänzte: „Dadurch haben vor allem unsere Techniker weniger Stress.“.

Und wie waren sie sonst mit den ersten Monaten zufrieden? „Wir haben einiges verbessert“, sagte Leky. Zum Beispiel bei Carl Sternheims Lustspiel „Die Hose“, mit dem das neue Team seinen Einstand gab und mit dem es auch aktuelle Probleme aufgreifen wollte. „Das ist hat weder das Publikum noch die Kritik verstanden“, gestand er. Nun aber gebe es jedes Mal eine Einführung und auch anschließend ein Gespräch: „Das hilft, die historischen Hintergründe zu verstehen.“.

Nachgebessert habe man auch bei „Ukulele Jam“. Die Kritik habe das Stück über einen Teenager im Balkankrieg gelobt, doch den Zuschauern habe der Titel wohl nichts gesagt. Erst als man den Untertitel „Eine Geschichte von Flucht, Liebe und Rock’n’Roll“ hinzugefügt habe, sei die Nachfrage deutlich gestiegen. Zum Schluss noch ein Tipp: Der der Inszenierung zugrunde liegende Roman ist im Buchhandel vergriffen – das Theater im Bauturm hat sich die Restauflage gesichert.

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