Kultur Bühne

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Nadja Duesterberg, Lina Maria Spieth, Thekla Viloo Fliesberg und Davina Donaldson (v.l.) machen im Theater der Bauturm „Michael Kohlhaas“ unter sich aus. Foto: Martin Miseré / TiB

Theater im Bauturm: Vier Frauen auf den Spuren von „Michael Kohlhaas“

Köln | Einem Pferdehändler werden zwei wertvolle Rappen als Ackergäule zuschande missbraucht. Als alle Klagen auf Wiedergutmachung scheitern, wird der Kaufmann zum Rebell gegen die Obrigkeit, schart Anhänger um sich und brennt Magdeburg nieder. Die eigenwillige Inszenierung von Heinrich von Kleists klassischer Novelle „Michael Kohlhaas“ wurde jetzt im Theater im Bauturm mit lautem Premierenbeifall gefeiert.

Es beginnt fast bieder auf leerer Bühne. Die Worte einer Erzählerin werden durch drei andere Schauspielerinnen aufgegriffen und spielerisch „illustriert“. Im Folgenden teilen sich Lina Maria Spieth, Thekla Viloo Fliesberg, Davina Donaldson und Nadja Duesterberg im Wechsel die wichtigsten Rollen, wobei Letztere – in düsteres Schwarz gekleidet – überwiegend die Titelrolle übernimmt.

Und plötzlich zerreißt der Hit „Girl on Fire“ die Inszenierung

Doch langsam nimmt die Inszenierung von Matthias Köhler Fahrt auf – und entlädt sich blitzartig mit dem lautstarken Abspielen des Hits „Girl on Fire“. Spätestens hier wird der Untertitel „I’m every woman“ klar und warum der Regisseur vier starke Frauen auf die Bühne stellt: Er verwandelt die Kleistsche Männerwelt in einen Kampf der Frauen um Gerechtigkeit: Jedoch ohne „typische“ Frauenthemen, bleibt stattdessen spurgetreu in der Geschichte.

Ein kleiner Kunstgriff, um möglichen Macho-Gewaltträumen, -vorurteilen oder Missinterpretationen zu begegnen? Oder ein pfiffig versteckter Hinweis: Auch Frauen können sich mannhaft wehren, können genauso verblendet sein und brutal auf ihrem Recht bestehen? So recht klar wird das nicht, tut dem Vergnügen des Zuguckens allerdings keinen Abbruch. Hauptsache: Unterdrückte aller Länder vereinigt euch – gleich welchen Geschlechts ihr seid!

Doch auch dieser Michael Kohlhaas endet – es wird schon zu Beginn verkündet –, wie es geschrieben steht: Er erhält endlich gleichwertigen Ersatz für seine Pferde und den materiellen Schaden, den er erlitten hat. Aber für seine Gewalttaten, die Plünderungen und die Brandschatzungen wird er hingerichtet. So fein zu trennen weiß die irdische Justiz.

Am Ende die bittere Erkenntnis: Das Leben ist kein Wunschkonzert

Danach wird’s dann aktuell und ein bisschen platt, wenn auch schön verpackt: Kleists schöne Sprache, mit Gefühl und Respekt vorgetragen wird verlassen (schon vorher gab’s klitzekleine moderne Einsprengsel), und es wird zum Widerstand aufgerufen. Denn gefallen lassen soll man sich politische und judikative Willkür nicht. Jedoch: „Das Leben ist kein Wunschkonzert“ weder für Frauen und Migranten, und auch nicht für die Träger und Trägerinnen der vielen Vornamen, die jetzt aufgezählt werden.

Und da steht das Quartett, die erhobene linke Faust fordert die Obrigkeit auf: „Fick dich!“. Nacheinander verschwinden die Frauen von der Bühne. Es bleibt die weiße Fahne, die im Ventilatorwind flattert. War wohl doch nichts mit dem Aufstand.

„Michael Kohlhaas“ – die nächsten Vorführungen: 12. und 13., 22. und 23. April, 6. und 7. Mai, jeweils 20 Uhr

Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, www.off-ticket.de, www.koelnticket.de und bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen.

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