Kultur Bühne

02102018_KleinerMann_MeyerOriginals

Die Rechenkugeln machen das Haushaltsgeld auch nicht mehr: Matthias Zera und Nele Sommer in der Theater-imBauturm-Produktion „Kleiner Mann – was nun?“. Foto: MeyerOriginals / TiB

Theater im Bauturm glänzt mit „Kleiner Mann – was nun?“

Köln | Wie schön wäre es, als Robinson allein auf einer einsamen Insel zu wohnen! Doch das können sich nur Reiche leisten. Pinneberg aber ist nur ein kleiner Angestellter – wenn er überhaupt einen Job hat. Das Schicksal spielt ihm übel mit. Hans Fallada hat ihn in seiner Erzählung „Kleiner Mann – was nun?“ zur Hauptperson gemacht. Im Theater im Bauturm ist jetzt eine beeindruckende Bühnenfassung zu sehen.

Auf der Bühne verwandelt sich die erträumte Insel langsam in einen Boxring (Ausstattung: Sarah Sauerborn). Hier kämpft Pinneberg mit seinem Schicksal. Mit seinen Verkäufer-Kollegen, die die beschworene Solidarität aufkündigen. Mit seinen Chefs – der eine will ihn mit seiner Tochter verheiraten, der andere treibt ihn wie ein Sporttrainer mit der Pfeife zu Verkaufsvorgaben an. Kleine kapitalistische Ausbeuter, die nur auf Rendite achten und ihre Macht ausnützen.

Genau wird dem Publikum vorgerechnet, wie wenig das Geld für ein einigermaßen anständiges Leben reicht. Erst recht nicht, wenn Pinneberg und Lämmchen ein Kind bekommen. Arbeitslos, gerät Pinneberg in eine politische Auseinandersetzung, wird verhaftet, kommt ohne Geld zurück zu Lämmchen. Die wollen ihre Liebe nicht verraten – ein Happy End als kleiner Hoffnungsschimmer auf ein Ende des Elends.

Abwechslungsreiche Regie und ein exzellentes Bühnen-Trio

In der Inszenierung von Susanne Schmelcher wechseln Erzählmomente, Dialoge und Handlung in gekonntem Rhythmus einander ab. Hinzu kommen originelle Regieeinfälle, die das Geschehen ohne effekthascherischen Firlefanz unterstützen.

Schließlich das exzellent eingespielte Bühnentrio. Allen voran Matthias Zera in der Titelrolle, der sämtliche Stadien auf der Gefühlsskala auskostet, ohne ein einziges Mal zu übertreiben. Nicht weniger beeindruckend und mitreißend Nele Sommer als Lämmchen, Pinnebergs Ehefrau. Sommer übernimmt noch zwei andere Rollen, Marc Fischer gleich mehrere. Er glänzt insbesondere als gewinnorientierter Chef.

Auch ohne die etwas albernen, eingestreuten kleinen „Modernitäten“ – so träumt Pinneberg auch vom Kauf einer Playstation – kann man sich der Aktualität der Geschichte) nicht entziehen, sei es der wirtschaftlichen, gesellschaftlichen oder politischen. Und der Traum von Robinson? Schmelcher bezieht sich dabei auf die erst vor zwei Jahren erschienene ungekürzte Urfassung des Buches, das 1932 erschien.

Nach gut 110 Minuten gab es für ihre erste Inszenierung und alle Beteiligten langen Premierenapplaus.

„Kleiner Mann – was nun?“ – die nächsten Vorstellungen: 4. bis 6. Oktober, 27. Und 28. (18 Uhr) Oktober, 24. und 25. (18 Uhr) November, jeweils 20 Uhr. Theater im Bauturm, Aachener Str. 24-26, 50674 Köln, www.theater-im-bauturm.de, Karten: Tel. 0221 / 52 42 42, bei allen KölnTicket-Vorverkaufsstellen

Zurück zur Rubrik Bühne

Zurück zur Startseite

Weitere Nachrichten aus Bühne

Zürich | aktualisiert | Bruno Ganz ist tot. Der Schweizer Schauspieler starb am Samstag im Alter von 77 Jahren, berichtete die FAZ auf ihrer Internetseite unter Berufung auf eigene Informationen. Ganz gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Schauspieler der Gegenwart.

tib_Danieloe-Cremer_16022018

Köln | Einen intimen Abend rund um das „Wunder der Liebe“ verspricht „Auftrittskünstler und femme fatal“ Daniel Cremer seinem Publikum im Theater der Bauturm. Er hält sein Versprechen – inklusive einer grenzwertig intimen Schluss-Szene.

Köln | Gleich zwei Produktionen des Schauspiel Kölns sind zu den Mülheimer Theatertagen 2019 eingeladen worden. „Wonderland Ave.“ von Sibylle Berg und „Schnee Weiss (Die Erfindung der alten Leier)“ aus der Feder der Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek treten dort im Wettbewerb um den renommierten Mülheimer Dramatikerpreis an.

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

icons_sm_12092015w

(ruht aktuell)     |     Twitter     |     RSS

KARNEVAL NACHRICHTEN

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >

Studierende beleuchten Europawahl 2019

europawahl2019_studentengruppe01

Studierende der Kölner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) beschäftigten sich im November 2018 mit europäischen Themen, wie Flüchtlings- oder Umweltpolitk sowie regionalen Förderprogrammen oder dem "Erasmus+"-Programm der EU. Am 26. Mai 2019 wählt Europa ein neues Parlament.

Hier gehts zum Spezial: Kölner Studierende blicken auf die Europawahl 2019 >

Kölner Karneval

karneval_Koeln_20012019

Karneval bei report-K

Aktuelles aus dem Kölner Karneval – das ist Karnevalzeitung, die jecke digitale Beilage von Kölns Internetzeitung report-K. Videoreportagen und Sitzungskritiken. In der Karnevalsplauderei finden sich Gespräche mit Musikern, Bands, Rednern, Zwiegesprächen, Traditionskorps, Karnevalsgesellschaften, Tanzgruppen und all denen, die im Kölner Karneval wichtig sind.

Zur jecken Beilage Karnevalzeitung >

Designer*innen-Gespräche

designerinnen_gespraeche300_20012019

Design Parcour Ehrenfeld 2019 im Rahmen der Passagen. 18 Designer und Designer*innen traf report-K, Internetzeitung Köln, zum Gespräch im Video-Livestream.

Designer*innen Gespräche zum Nachsehen >